Eisbären Regensburg schnaufen nach dem Klassenerhalt tief durch: Ein noch wertvollerer Finalsieg

Es war eine Eishockey-Saison des Bibberns, Zitterns und Bangens in Regensburg: Aller Genuss, alle Fügungen der Meistersaison 2023/24 wendeten sich 2024/25 ins Gegenteil. Am Ende stand ein Happyend – und erneut ein Finalsieg.
Wobei vereinshistorisch der 6. April 2025 und das den Klassenerhalt bringende 4:3 von Selb die Bedeutung des 23. April 2024, als das 4:2 gegen Kassel den DEL-2-Titel bedeutete, sogar übertroffen haben dürfte. „Damit haben wir wahrscheinlich das wertvollere Finale gewonnen“, meint auch Eisbären-Geschäftsführer Christian Sommerer.
550 Fans in einem ausverkauften EVR-Fanblock feierten schon im Stadion in Oberfranken. Der Ur-Regensburger Korbinan Schütz durfte nach Spielschluss vor der Kurve die berühmten „Humba“-Gesänge anstimmen, der Anhang würdigte seinerseits das Team von Trainer Peter Flache mit der Gesangszeile „Mannschaft, wir sind stolz auf Euch“. Später bereiteten hunderte Fans dem Eisbären-Team, in dem Pierre Preto und Sean Giles in Selb fitgespritzt aufliefen, auch an der Donau-Arena einen bemerkenswerten Empfang. Die offizielle Abschlussfeier wurde am Montag auf Samstag (13 bis 15.30 Uhr) in der Fanzone der Donau-Arena terminiert.
Ende gut, alles gut, war das Fazit einer Saison voller Irrungen und Wirrungen, die just im Moment, als es um alles ging, für die Eisbären mehr Glücks- als Pech-Momente brachte. Denn jeder der zwei 2:1-Heimsiege wie auch der 4:3-Auswärtssiege (einer davon erst nach Verlängerung) hätte genauso gut auch andersherum ausfallen können.
Sommerer, das Orakel
Schon in der Titelsaison war die Intuition von Christian Sommerer meisterlich gewesen, als er den Ausgang der Playoff-Runden im Voraus in den Kalender eintrug – und alles genau so eingetroffen war. Auch diesmal hatte er etwas zu erzählen. „Ich hatte so ein Gefühl, dass es ein Sweep wird gegen Selb. Das sagt man aber nicht, weil das irgendwie überheblich klingt“, sagt Sommerer, der zudem zwischen den Spielen drei und vier Geburtstag hatte und Verteidiger Xaver Tippmann einweihte, „Auf einem Zettel, den ich in ein Kuvert gegeben und versiegelt habe, stand: Selb in vier.“
Sommerer, der das entscheidende Spiel am Sonntag im Livestream verfolgte, hatte allen Grund zur Freude: Insgesamt 134 081 Zuschauer (Schnitt 4325) verfolgten die 31 Saison-Heimspiele, 112 004 (Schnitt 4308) in der Hauptrunde, mit 22 077 (4415) steigerte sich der Zuspruch in den Playdowns sogar. „Wir haben eine Menge neue Fans gewonnen, die schätzen, wofür wir stehen“, befindet Sommerer. „Das ist interessant zu sehen und eine Herausforderung, so fortzufahren.“
Sein Dreijahres-Rückblick sieht so aus: „Die erste Saison in der DEL 2 war eine ohne Erwartungen, weil jeder dachte, wir steigen eh ab. Die zweite war nur sensationell und die dritte jetzt ein Realitäts-Check“, fasst Sommerer zusammen. Wie gewöhnlich werden die ersten Personalmeldungen wohl auf der Abschlussfeier verkündet, die danach wie gewohnt über den Sommer verteilt werden sollen. „Jetzt schnaufen wir durch und greifen dann wir wieder voll an.“
Lesen Sie hier den Spielbericht vom entscheidenden Sieg in Selb.
Offiziell verkündet ist es noch nicht (Sommerer: „Wir werden noch ein Gespräch führen“), weil es offiziell auch keine genaue Laufzeit des Vertrages gibt, aber vieles davon wird die Aufgabe von Peter Flache werden, der sich nach wie vor in der Doppelfunktion von sportlicher Leiter und Trainer sieht. „Sie werden mir ein Budget geben, mit dem ich arbeite. Die Verhandlungen wird Peter Holmgren übernehmen“, sagt Flache und hat ein Mannschaftsgerüst im Kopf. „Da lief schon einiges im Hintergrund.“
Gestiegene Chancen
Die Chancen, dass ein Corey Trivino trotz eventuell bald deutscher Papiere oder sich die sichtlich wohl fühlende Nachverpflichtung Pierre Preto gehalten werden können, sind mit dem Ligaerhalt sicher deutlich gestiegen. Bei Playdown-Topskorer David Morley (Sommerer: „Man hat gesehen, dass er fit ein Unterschiedsspieler ist“) wird kolportiert, dass er schon im vergangenen Sommer einen Zweijahresvertrag unterschrieben hätte. Derweil beginnt für Fabio und Timo Kose am Dienstag mit einem Lehrgang bis Sonntag in Füssen die Vorbereitung auf die U-18-Weltmeisterschaft ab 23. April in den USA.
Insgesamt ist Peter Flache glücklich, dass der „Hockeygott auf unserer Seite war. Ich weiß gar nicht, wie viel das in ein paar Jahren wert ist, was wir alle geschafft haben. Ich glaube, das macht uns noch stärker.“