Hallertauer Hopfenbauern kündigen die Reduzierung ihrer Anbauflächen an

Von Jochen Dannenberg · 7. April 2025 um 15:00

Kein Volksfest ohne Bier, kein Bier ohne Hopfen. Nicht umsonst gilt der Hopfen als das „Gold der Hallertau“. Doch ausgerechnet jetzt werden die Hopfenanbauflächen verringert. Was ist los in Deutschlands größtem Hopfenanbaugebiet?

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Hans Ostler, Hopfenpflanzer aus dem kleinen Dorf Ulrain (bei Neustadt a.d. Donau), ist gerade in seinen Hopfengärten unterwegs. Es muss gedüngt und der Boden bearbeitet werden, sagt er. Ganz normale Frühjahrsarbeit ist das. „Wir haben zu viel Hopfen am Markt“, sagt er. „Der Markt ist gesättigt“, sagt Mario Scholz, Geschäftsführer der Interessengemeinschaft Qualitätshopfen Niederlauterbach (IGN). „Wir hatten zuletzt eine zu große Anbaufläche. Weltweit.“

Das wurde bereits im vorigen Sommer beim IGN-Hopfentag diskutiert. Die Lager waren bereits damals voll. „Jetzt ist der Markt gesättigt“, sagt Scholz. Es müsse deshalb eine „Anpassung“ stattfinden. Anders gesagt: Die Überkapazitäten aufgrund der zu zahlreichen Anbauflächen sollen verringert werden – um 800 bis 1000 Hektar. Das entspricht rund 5 Prozent der deutschen Anbaufläche.

Zum Vergleich: In den USA wurde die Anbaufläche innerhalb von zwei Jahren um 8000 Hektar gerodet. In Deutschland dürfte die Rodung vor allem die Sorten „Perle“ und „Tradition“ betreffen. Sie werden nicht mehr in dem Umfang wir früher nachgefragt., sagt auch Hopfenpflanzer Ostler .

Die Rechnung der Hopfenbauern ist klassische Wirtschaftslehre: Wird das Angebot knapper, steigt der Preis fürs Produkt. IGN-Geschäftsführer Scholz ist überzeugt, dass das klappen wird. Er sagt: „Wir haben es selber in der Hand. Wir bestimmen eigentlich den Preis.“ Zuletzt war der Preis für die traditionsreiche Aromasorte Perle völlig in den Keller gerutscht. Sie wurde zum Verlustgeschäft geworden. Gab es vor wenigen Jahren noch zehn Euro pro Kilo dafür, ist es in diesem Jahr nur noch ein Euro.

Die Situation am Markt ist auch eine Reaktion auf Erwartungen, die Produzenten, Händler und Brauereien in den vergangenen Jahren. Allgemein wurde eine enorme Nachfrage erwartet. Doch die brach ein. Auch die Corona-Pandemie trug dazu bei. Und junge Leute greifen nicht mehr automatisch zu Bier. Alkoholfrei ist angesagt. Der Anteil der promillefreien steigt auch beim Bier.

Auch Kunden der Hopfenbauern reagieren inzwischen auf die veränderte Marktsituation. Sie bieten neue Verträge an. Doch rät Hans Ostler zur Vorsicht. „Um das Geld kann man den Hopfen nicht anbauen“, sagt er. Da sei die Rodung überschüssiger Flächen die bessere Lösung.

Mario Scholz sieht die Situation derzeit nicht als dramatisch. Er sagt, es habe immer ein Auf und Ab der Preise am Markt gegeben. Er sagt auch, dass es immer wieder schlechte Ernten gegeben habe. Insofern können mit dem Klimawandel noch ganz andere Probleme auf die Branche zukommen. „2022 war ein schlechtes Jahr“, sagt Hans Ostler. „Da hatte es bei uns nicht geregnet.“

Steigen womöglich am Ende der Entwicklung noch die Bierpreise? Der Fachmann vom Hopfenpflanzerverband kann sich das nicht vorstellen. „Der Kronkorken ist teurer als der Hopfen im Bier“, sagt er.