Neues Team des Schwandorfer Tierschutzvereins erntet beim Flohmarkt viel Zuspruch

Nach einer teils emotionalen Debatte um Neuwahlen hat das Schwandorfer Tierheim am Sonntag beim Flohmarkt seine Tore geöffnet. Besucher konnten nicht nur ein Schnäppchen machen, sondern sich auch vom neuen Vorstandsteam des Tierschutzverein Stadt und Landkreis Schwandorf überzeugen. Und das konnte offenbar ordentlich punkten.
Weil dem Verein nach dem unerwarteten Rücktritt von Gabi Hahn weiter der Vorstand fehlt, ist die neu gewählte stellvertretende Vorsitzende Jana Nießen die Interimschefin im Tierheim. Und auch wenn die 28-Jährige quasi von jetzt auf gleich in die Verantwortung kam, wollte sie zusammen mit ihrem Vorstandsteam dennoch am Termin für den traditionellen Flohmarkt festhalten.
Nach den teils emotional geführten Diskussionen über die Neuwahl beim Verein hatte sich wohl nicht nur Nießen gefragt, wie denn der Zuspruch beim Flohmarkt sein wird. Schnell zeigte sich am Sonntag jedoch, dass es die Aufbruchstimmung, von der die 28-Jährige kürzlich im MZ-Interview gesprochen hatte, tatsächlich gibt. Die Straße vorm Tierheim wurde zum Großparkplatz, die Tierfreunde strömten regelrecht zu der Einrichtung Am Sollring.
Das Essen ging beim Flohmarkt des Schwandorfer Tierheims aus
Wohl mehr als tausend Gäste waren es, schätzten die Verantwortlichen. Es waren jedenfalls so viele, dass das Grillfleisch und die Bratwürste schon am frühen Nachmittag zuneige gingen.
Die Blicke der Besucher gehörten am Sonntag nicht nur den Hunden, Katzen und Hasen. Neugierig machten sich manche auch ein Bild von der neuen Vorstandschaft. „Ist sie das?“, fragte beispielsweise ein Herr unauffällig seine Begleiterin, als Jana Nießen an ihm vorbeiging.
Und auch einen Stehtisch weiter war die Neuwahl „das“ Thema. „Ich war über Jahre nicht mehr hier im Tierheim, weil ich mit manch Entscheidung nicht mehr identifizieren konnte. Doch jetzt, wo frischer Wind herrscht, musste ich einfach vorbeikommen“, hörte man eine Schwandorferin sagen.
Interimschefin Nießen und ihr Team werden das gerne hören. Den ganzen Sonntag über versuchten sie, mit möglichst vielen Tierfreunden ins Gespräch zu kommen. Mit Erfolg: Wie die 28-Jährige der MZ berichtete, konnte man durch den Flohmarkt 15 Neumitglieder gewinnen. „Weitere 15 wollen sich noch anmelden“, zeigte sie sich mehr als zufrieden. „Die Resonanz war super. Viele Leute sind auf uns zugekommen und wünschen uns viel Glück“, sagte Nießen.
Besonders beliebt waren am Sonntag die Führungen durch das Tierheim. Die Besucher wurden dabei zunächst zu den 35 Katzen gebracht. Die Vierbeiner mussten zunächst in eine mindestens zehntägige Quarantäne, um der Verbreitung von Krankheiten vorzubeugen, wie eine Tiermitarbeiterin erklärte. Man investiere viel Zeit, um die Fellnasen an den Mensch zu gewöhnen. Dazu gehöre auch gelegentlich eine Art Vorlesestunde, um die Tiere mit menschlichen Stimmen vertraut zu machen.
Bei den Charakteren würde es bei den Katzen teils große Unterschiede geben. Einige wären sofort zutraulich, andere würden Kontakt meiden. Solche Tiere nennt man im Tierheim auch „Schattenkatzen“, weil sie sich kaum blicken ließen. Blacky ist eine davon. Doch kürzlich ließ sie sich erstmals streicheln, berichtete Tierheimmitarbeiterin Christine Schmidt stolz den Teilnehmern der Führung.
Wer alles im Schwandorfer Tierheim lebt
Für sie ging es anschließend weiter zu den 23 Hunden, die derzeit im Schwandorfer Tierheim auf einen neuen Besitzer warten. Sie leben in einer Gruppenhaltung, genießen bis auf wenige Einzelfälle also ihre Zeit zusammen und lernen so gleichzeitig sich besser zu sozialisieren. Auch an den Alltag würden die Hunde gewöhnt werden und dürften beispielsweise mit in die Tierheimheimküche. „Wir wollen die Hunde ins Leben reinbekommen, damit sie gut vermittelt werden und ein schönes Zuhause finden können“, erklärte Jana Nießen den Interessierten.
Doch es leben nicht nur Hunde und Katzen im Tierheim. Auch Hasen, Kaninchen und Schafe haben hier ein vorübergehendes Zuhause gefunden. Gelegentlich würden hier auch Schildkröten und Igel einziehen. Und einen Truthahn gab es auch schon, berichteten die Mitarbeiter.
Neben den Führungen und dem Flohmarkt gab es am Sonntag noch weitere Programmpunkte. Marija Aecker beispielsweise stieß mit ihren Vorführungen ebenfalls auf großes Interesse. Zusammen mit ihrer Hündin Mocca stellte sie Agility vor. Mocca kommt aus Ungarn und war früher ein Problemhund, heute springt sie flink über Stangen und Reifen und flitzt durch Tunnel. Doch das war noch nicht alles. Mit ihrer zweiten Hündin Myra gewährte Aecker Einblick in den noch ziemlich jungen Sport Rally-Obedience. Hier ist das Mensch-Hund-Gespann wichtig. Der Hund wartet konzentriert die Kommandos ab und macht dann Sitz, Platz und andere Tricks.
Der Flohmarkt am Sonntag gibt dem neuen Vorstandsteam des mehr als 2500 Mitglieder zählenden Vereins Rückenwind. Interimschefin Jana Nießen wiederholte am Rande der Veranstaltung, dass sie weiter mit Hochdruck an der Wahl eines neuen Vorsitzenden arbeitet. Und nicht nur das: Sie träumt zudem von einer neuen Jugendgruppe, die dem Tierheim weiter Aufbruchstimmung verleihen soll.


