Rochade bei Schwandorfs Tierschutzverein: Interimschefin Jana Nießen positioniert sich

Von Martin Kellermeier · 25. März 2025 um 15:00

Nach dem unerwarteten Rücktritt von Gabi Hahn als Vorsitzende des Tierschutzvereins Stadt und Landkreis Schwandorf ist Jana Nießen bemüht, mit frischem Wind die Lücke zu schließen. Die 28-Jährige aus Bodenwöhr ist seit der hitzigen Jahresversammlung durch das Fehlen eines Vorsitzenden plötzlich die Leiterin im Schwandorfer Tierheim. So soll es nun weitergehen.

Über die Jahresversammlung Ihres Tierschutzvereins und deren weitreichende Folgen wird gerade viel gesprochen. Wie haben Sie den Abend erlebt?

Jana Nießen: Das war eine hitzige Debatte. Mehr möchte ich dazu eigentlich gar nicht sagen. Ich möchte aber betonen, dass es eine öffentliche und demokratische Wahl war. Alles war fair und transparent. Wir waren positiv überrascht, dass so viele für uns als neues Vorstandsteam gestimmt haben. Wir hätten damit niemals gerechnet und waren überwältigt.

Von jetzt auf gleich kamen Sie an die Spitze eines Vereins, der mit mehr als 2500 Mitgliedern beileibe kein kleiner ist – ganz zu schweigen von der Verantwortung gegenüber den Tieren. War Ihre Wahl geplant?

Nießen: Unser Ziel war es, positive Veränderungen herbeizuführen – offen, transparent und ohne versteckte Absichten. Wir wollten weiterhin konstruktiv mit dem bisherigen Vorstand zusammenarbeiten und zugleich neue Impulse setzen. Das Wahlergebnis kam für mich dennoch unerwartet. Die Wahl erfolgte demokratisch, und wir hoffen, das Vertrauen der Mitglieder zu rechtfertigen.

Von der bisherigen Vorstandschaft wurde nur Gabi Hahn als Vorsitzende wiedergewählt – das dafür einstimmig. Nachdem sie aber feststellen musste, dass von ihrem bisherigen Team niemand übrig blieb, trat sie mit sofortiger Wirkung zurück. Hätten Sie mit Frau Hahn gerne weitergearbeitet?

Nießen: Definitiv. Ich habe Gabi Hahn ja sogar vorgeschlagen. Wir alle schätzen sie als Person sehr. Dass sie nach der Wahl plötzlich zurücktrat, war und ist ein Schock. Wir bedauern das sehr. Das gesamte Vorstandsteam hat in den vergangen Jahren tolle Arbeit geleistet. Umso froher sind wir, dass uns Gabi Hahn weiter als Ratgeberin zur Verfügung steht.

Neuer Vorsitzender soll in den kommenden Wochen gewählt werden

Nun fehlt dem Tierschutzverein aktuell der Chef. Bis zu dessen Wahl sind Sie in der Verantwortung. Fühlen Sie sich zusammen mit Ihrem Team der Aufgabe gewachsen?

Nießen: Wir haben alle viel Erfahrung im Tierschutz. Wir sind uns aber auch bewusst, dass es ein steiniger Weg werden wird. Ich kann Ihnen versichern, dass die Wahl eines neuen Vorsitzenden und die Erstellung des Haushaltsplans für uns oberste Priorität haben. Mein Ziel wäre, dass wir in vier oder sechs Wochen in beiden Fällen Fakten schaffen können.

Gibt es denn schon Kandidaten? Oder springen gar Sie selbst in die Presche?

Nießen: Es laufen erste Gespräche mit möglichen Kandidaten. Ich selbst würde dieses Amt für mich eher ausschließen und nur im absoluten Notfall zur Verfügung stehen.

Viel wird gerade über die Gründe für den Zoff beim Tierschutzverein spekuliert. Was war denn nun wirklich der Auslöser?

Nießen: Ich bitte um Verständnis, dass ich mich hier mit Aussagen zurückhalte. Ich bin der Meinung, dass interne Probleme auch intern angesprochen und gelöst werden sollten. Wir als Verein wären gut beraten, diesen Konflikt nicht in der Öffentlichkeit auszutragen. Stattdessen sollten wir alles tun, um den Ruf des Tierheims positiv zu halten. Das Tierheim soll ein Willkommensort sein. Hetze oder persönliche Angriffe sind hier unerwünscht. Wir wollen jedem eine Chance geben und hoffen, dass wir diese als neues Team auch bekommen.

Betrieb im Schwandorfer Tierheim läuft weiter – Fokus auf Tierwohl

Wie läuft der Betrieb im Tierheim aktuell weiter?

Nießen: Die Mitarbeiter stehen hinter uns. Wir werden das schaffen, die Schichtpläne sind geschrieben. Für das Wohl der Tiere ist gesorgt. Der Betrieb geht ganz normal weiter.

Gab es nach der Wahl schon Austritte? Manche Mitglieder haben das ja angekündigt.

Nießen: Wir müssen bis jetzt rund zehn Austritte verschmerzen. Es gab aber auch schon drei Neueintritte. Sehr freue ich mich, dass viele Ehrenamtliche nach unserer Wahl wieder zurückkehren. Sie sind für das Tierheim extrem wichtig. Es herrscht Aufbruchstimmung.

Mehrere Spender haben sich nach dem Zwist bei den Wahlen vorerst zurückgezogen, darunter ein Mann, der über die Jahre mehr als eine halbe Million Euro an das Tierheim überwiesen hat. Werden Sie mit ihm das Gespräch suchen?

Nießen: Er ist definitiv eine sehr wichtige Person für uns. Wir wollen ihn sehr bald kontaktieren und Vertrauen herstellen. Mein Botschaft ist: Uns geht es nur um die Tiere. Mit Spendengeldern wird verantwortungsvoll umgegangen.

Eines der Hauptargumente der Kritiker lautet, dass nun mehrheitlich festangestellte Tierheimmitarbeiter im Vorstand sitzen. Auch sie gehören als Teilzeitkraft zu dieser Gruppe. Wie wollen Sie einen Interessenskonflikt vermeiden?

Nießen: Arbeit und Ehrenamt müssen strikt getrennt werden. Die gewählten Mitarbeiter müssen nun eben auch außerhalb ihrer Arbeitszeit viel machen. Alles geschieht unter diesem Leitsatz: Das Tierwohl steht immer an erster Stelle. Niemandem von uns geht es um eine Gehaltserhöhung. Sollte die Kritik anhalten, wäre ich sogar bereit, meinen Job als Tierpflegerin aufzugeben.

Der Betrieb im Tierheim soll wie gewohnt weitergehen. Foto: Martin Kellermeier
Drei Frauen mit Doppelfunktion: Christine Schmidt, Christine Drechsler und Jana Nießen (v. l.) sind im Tierheim angestellt. Seit Freitag sind sie zudem im Vorstandsteam vertreten. Foto: Martin Kellermeier