Kratzen und Beißen bei Schwandorfs Tierschutzverein: Wie es zum Rücktritt von Gabi Hahn kam

Von Max Schmid, Martin Kellermeier · 23. März 2025 um 19:00

Im Tierschutzverein Stadt und Landkreis Schwandorf brodelt es gewaltig. Nach der Jahresversammlung am Freitagabend steht die Organisation nun ohne Vorsitzende da. Die bisherige Amtsinhaberin Gabi Hahn hatte nach denkwürdigen Neuwahlen urplötzlich ihren Rücktritt erklärt.

Der Verein, dem aktuell 2570 Mitglieder angehören, betreibt das Tierheim im Schwandorfer Stadtteil Niederhof. Wie aus dem Rechenschaftsbericht der bisherigen Vorsitzenden Hahn hervorging, wurden dort im vergangenen Jahr 111 Hunde, 251 Katzen und 20 Kleintiere betreut. Die Verweildauer betrage bei Hunden rund 38 Tage, bei Katzen rund 80 Tage. Das Tierheim sei gut ausgelastet und die Vermittlung von Tieren erfolgreich gewesen, stellte Hahn fest.

Gerne hätte die Trägerin der Bürgermedaille der Stadt Schwandorf ihr zeitintensives Engagement fortgeführt. Doch nach der Neuwahl am Freitagabend im Turmrestaurant Obermeier sah sie sich zum Handeln gezwungen. Während Hahn noch einstimmig im Amt bestätigt wurde, tauschten die 50 Anwesenden mit ihrem Votum mehrheitlich das restliche Führungsteam quasi einmal komplett aus.

Nicht nur Heidi und Volker Olbrich sind raus aus der Vorstandschaft

Hahns langjährige Mitstreiter, wie ihre Stellvertreterin Heidi Olbrich, Schatzmeister Volker Olbrich oder die Ressortleiterin Mitglieder Birgit Hiltl, kamen nicht mehr zum Zug. Stattdessen wurde Jana Nießen mit 34 Ja-Stimmen zur Vize-Vorsitzenden gewählt. Jennifer Post (Schatzmeisterin), Christine Drechsler (Ressortleiterin Mitglieder) und Christine Schmidt (Schriftführerin) sind ebenfalls neu im Vorstand.

Vorsitzende Gabi Hahn trat daraufhin mit sofortiger Wirkung von ihrem Leitungsposten zurück. Ohne ihr bewährtes Team könne sie nicht weiterarbeiten, erklärte sie wenig später in einem ersten Statement – „schon gar nicht mit vier Newcomern“. Zu viel Arbeit würde so an ihr hängenbleiben. Dies könne sie mit Blick auf ihr Alter und ihre Gesundheit aber nicht leisten, konstatierte Hahn.

„Außerdem besteht meinerseits kein Vertrauen in das neue Gremium, nachdem diese Wahl derart zustande gekommen ist“, erklärte die bisherige Vorsitzende weiter. Dennoch werde sie bei Fragen beratend zur Seite stehen. „Ich wünsche den neuen Vorstandsmitgliedern eine glückliche Hand und dass sie gut aufpassen auf das, was wir in vielen Jahren aufgebaut haben“, so Hahn.

All das war ein Paukenschlag. Wahlleiter Kurt Mieschala, der sich in der Organisation zusammen mit Reiner Schlenz als Kassenprüfer engagiert, war jedoch bereits unmittelbar vor Versammlungsbeginn eine Gruppenbildung aufgefallen.

Bei Versammlung wurde fehlendes Tierwohl angesprochen

Den Eindruck Mieschalas bestätigt auch der abgewählte Volker Olbrich. „Es kamen Personen zur Versammlung, die wir noch nie gesehen haben“, berichtete er gegenüber der MZ. Es seien „zu wenige Unterstützer unserer erfolgreichen Arbeit der letzten 18 bis 25 Jahre anwesend gewesen“, schrieb Olbrich zudem in einem Facebook-Beitrag. Es sei „eine Revolution, ein Putsch“ gewesen.

Wie es überhaupt so weit kommen konnte, ist noch nicht ganz durchsichtig. In einer emotional aufgewühlten Diskussion bei der Versammlung wurden teils lautstark die Argumente ausgetauscht. Inhalt eines Redebeitrags war, dass es im Tierheim so wie bisher nicht weitergehen könne, da einiges aus dem Ruder laufe und das Tierwohl nicht mehr im Vordergrund der Vereinsarbeit stehe. Konkrete Aussagen aber wurden nicht getroffen.

Laut Volker Olbrich gab es Meinungsverschiedenheiten bei der Betreuung der Tierheimhunde. „Den Hunden bei uns geht es aber gut“, bekräftigte das scheidende Vorstandsmitglied. Regelmäßige Kontrollen durch das Veterinäramt würden dies bestätigen. „Es gab von den Behörden noch nie Beschwerden“, sagte Olbrich.

Nachdem Gabi Hahn ultimativ ihren Rücktritt vom Posten der Vorsitzenden erklärt hatte, übergab Wahlleiter Mieschala die Versammlungsleitung an die neu gewählte zweite Vorsitzende Jana Nießen. Überrascht von dieser Entwicklung, erklärte Nießen, dass sie zum momentanen Zeitpunkt jedoch keine Aussage zu den weiteren Tagesordnungspunkten wie dem Haushaltsplan 2025 treffen könne.

Bis zur Wahl einer neuen Vorsitzenden oder eines neuen Vorsitzenden ist Jana Nießen als Vize nun in der Verantwortung. Was sie als Erstes angehen möchte, blieb unklar. Nießen war am Sonntag für die MZ telefonisch nicht erreichbar.

Langjähriger Gönner des Tierheims stoppt sein Engagement

Gut möglich, dass sie sich umgehend um eine Befriedung der Lage innerhalb ihres Vereins kümmern will. Denn ein bei der Versammlung anwesender, langjähriger Sponsor des Tierschutzvereins hat bereits angekündigt, dass er aufgrund des Wahlergebnisses vorerst keine weiteren Unterstützungen an den Verein leisten werde.

Dabei ist der Tierschutzverein Stadt und Landkreis Schwandorf auf Spenden dringend angewiesen. Mit den Geldern konnte man zuletzt ein neues Dach und eine PV-Anlage mitfinanzieren. Aber auch die laufenden Kosten stellen die Einrichtung immer mehr vor Herausforderungen. Die Tierarztkosten sollen sich teilweise verdoppelt haben, hieß es bei der Versammlung.

Die zurückgetretene Vorsitzende Gabi Hahn hatte sich auch deswegen für eine Erhöhung der Fundtierpauschale stark gemacht, die der Verein jährlich von den Landkreisgemeinden erhält. Pro Einwohner sollten künftig nicht nur ein Euro, sondern 1,30 Euro an den Verein überwiesen werden, so ihre Forderung.

Sie wurde mit 34 Ja-Stimmen zur Vize-Vorsitzenden gewählt: Jana Nießen. Foto: Max Schmid
Gabi Hahn war über viele Jahre das Gesicht des Tierschutzvereins. Foto: Renate Ahrens, Archiv