Von New York nach Regensburg – Natalja Rung bringt Reformer Pilates in die Domstadt

Ihre Arme und Beine zittern. Unter der Dauerspannung beginnt ihr Körper allmählich zu kämpfen. Laut atmet die Teilnehmerin aus, als hätte sie die Luft angehalten.
Das Studio liegt in Sichtweite des Dörnbergparks: ein moderner, lichtdurchfluteter Raum mit Holzparkett. Es ist Mittwochvormittag, halb elf. Eine Frau kommt aus einem der Kursräume und betritt den Eingangsbereich. Blonde, schulterlange Haare. Blaue, große Augen. Kein Klackern von Schuhen ist zu hören – strumpfsockert. Natalja Rung ist 43 Jahre alt. Sie ist Trainerin und Inhaberin des Reform Pilates Studios in Regensburg.
Vom Balett zum Pilates
Die Sportart liegt medial voll im Trend und bekommt immer mehr Aufmerksamkeit. Vor allem auf dem Reformer-Gerät versuchen sich immer wieder Influencer und Stars in den Sozialen Medien. Schon als Balletttänzerin ist Rung mit Pilates in Kontakt gekommen. Das erste Mal selbst ausprobiert hatte sie Reformer Pilates in New York.
Es ist wie tanzen im Fitnessbereich.
Natalja Rung
Das habe sie überzeugt. In Regensburg suchte Rung jedoch vergeblich nach einem Studio, das die Trendsportart auf dem Reformer-Gerät anbietet. „Wenn es niemanden gibt, dann muss ich das machen“, dachte sich die heutige Pilates-Trainerin. Rung geht in Richtung der Kursräume. Kurzer Blick in den ersten Raum: Matten liegen auf dem Boden. Zweiter Raum: Geräte. Dritter Raum: noch mehr Geräte.
Das könnte Sie ebenfalls interessieren: Der Verein Spot bietet seit zwei Jahren Flinta-Slots in Regensburg an – Weibliche Skaterszene wird größer
Neun gepolsterte Holzgestelle, Reformer genannt, stehen in dem Raum verteilt. Darauf liegt auf Schienen ein bewegliches Brett mit einer schwarzen, gepolsterten Oberfläche aus Leder – der Schlitten. Auf dem Schlitten sind zwei hervorstehende Polster angebracht, an denen man die Schultern im Liegen platziert. Das Brett bewegt sich vor, zurück, vor, zurück. Unterhalb des Schlittens hängen fünf spiralförmige Federn. Verschiedene Farben zieren die Federösen: rot, gelb, grün. Hoher, mittlerer, niedriger Widerstand. Etwa 5000 Euro hat Studioinhaberin Natalja Rung für jedes einzelne Gerät investiert.

Damit sie im Training den Überblick behält und auf die Kursteilnehmer eingehen kann, findet der Kurs in sehr kleinem Kreis statt – normalerweise nur mit acht Teilnehmerinnen. Natalja Rung kniet neben dem Reformer, nimmt eine Feder und stellt den Widerstand auf die höchste Stufe. Anna Wunderlich von Barcsay, 41 Jahre alt, macht es ihr nach. Sie nimmt regelmäßig an den Reformer-Stunden von Rung teil.
Beide tragen schwarze Leggings, weiße Shirts und schwarze Pilates-Socken. An der Sohle sind Noppen, wie bei Stoppersocken, damit man nicht so rutscht. herabschauenden Hund, ein Yoga-Klassiker. „Fersen gegen die Schulterpolster drücken. Richtig einrollen. Bauchnabel nach innen“, sagt die Pilates-Trainerin.
Das könnte Sie ebenfalls interessieren: Die Sport-Bürgermeisterin über die vielen Turnhallen-Sperrungen: „Das ist kein Regensburger Phänomen“
Mit den Fersen schieben Wunderlich von Barcsay und Rung den Schlitten nach hinten. Die Arme sind dabei durchgestreckt. Die Hände umklammern die Erhöhung am Rahmen. Beide harren in der Position aus, die Körpermitte gen Decke gestreckt. „Und wir kommen wieder zurück“, sagt Rung. Kontrolliert und laut atmet sie aus. Der Schlitten läuft über die Schienen zurück in Richtung Rahmen.
Bei genauem Hinhören melden sich ab und an die Federn zu Wort. Unter Spannung. Ein leises Geräusch: Doing. Doing. Doing. Meist werden diese Geräusche übertönt von kontrollierter Atmung und Anweisungen der Trainerin.
Besondere Belastung in der Tiefenmuskulatur
„Der Reformer hat’s schon in sich“, sagt Wunderlich von Barcsay. Man sei zwar nicht so außer Atem wie bei anderen Sportarten, dafür gehe es wahnsinnig in die Tiefenmuskulatur.
Beide Frauen stehen auf dem Reformer. Ein Fuß ist auf dem Rahmen abgestellt, der andere auf dem Schlitten. In einer Hand halten sie knall-korallfarbene Bälle, so groß wie Bowlingkugeln, jedoch viel leichter. Knall-korall wandert von der einen Hand in die andere.

In kreisförmigen Bewegungen geht der Ball hin und her, hin und her. Zeitgleich drückt der linke Fuß während der Übergabe nach außen. Der Schlitten bewegt sich weg vom Rahmen. Ausgestreckte Arme. Knall-korall verweilt in einer Hand. Der Abstand zwischen Schlitten und Rahmen schließt sich wieder. „Letzte Wiederholung“, sagt Rung. Scharf atmet sie aus.