Die Sport-Bürgermeisterin über die vielen Turnhallen-Sperrungen: „Das ist kein Regensburger Phänomen“

Immer wieder gab es in den vergangenen Jahren Probleme mit Regensburger Sporthallen. Astrid Freudenstein sagt im MZ-Interview, woran das ihrer Meinung nach liegt.
Frau Freudenstein, immer wieder gab es in den vergangenen Jahren Probleme mit Regensburger Sporthallen. Und zuletzt eskalierte es. Ein Verein benutzte die Kerschensteiner-Halle trotz Verbots der Stadt. Erst nach Rücksprache mit der Oberbürgermeisterin wurde entschieden, nicht die Polizei zu holen. Haben Sie diese Ereignisse erschrocken?
Astrid Freudenstein: Ja, natürlich. Ich bin aber jetzt froh, dass der Spieltag gut gelaufen und nichts passiert ist. Ich danke vor allem dem Leiter unseres Sportamts für sein Krisenmanagement. Und natürlich müssen wir das alles nachbearbeiten.
Kann sich so etwas wiederholen?
Freudenstein: Ich weiß es nicht. Ich hoffe zumindest, dass es nicht mehr passiert. Wenn Sicherheitsmängel da sind, ist es eben Verantwortung der Stadt, zu sagen, das ist nicht verantwortbar. In diesem konkreten Fall gab es allerdings in der Tat unterschiedliche Beurteilungen. Das Sportamt hat von Anfang an gesagt, dass es vertretbar wäre, dort zu spielen, die Kollegen vom Bauunterhalt fanden das nicht.
Zuletzt gab es etliche Schäden und Sperrungen. Unter anderem in der Sporthalle Nord, in der Kerschensteiner-Halle, in der Clermont-Ferrand-Halle, in der Post-Halle und in Hallen des Von-Müller-Gymnasiums. Eine lange Liste. Wie würden Sie selbst den Zustand der Regensburger Turnhallen beschreiben?
Freudenstein: Unsere zwei großen Sorgenkinder sind die Sporthalle Nord und die Kerschensteiner-Halle. Aber wir haben auch sehr viele Hallen, die wunderbar funktionieren. In über 90 Prozent der Hallen haben wir selten oder gar keine Sicherheitsmängel, die so weit gehen, dass man sie nicht mehr nutzen könnte. Aber natürlich ist uns klar, dass nicht geplante Sperrungen stets drastische Folgen für die Vereine haben.
Viele Regensburger Bürger äußerten sich da zuletzt aber anders. Die sagten, dass der Gesamtzustand der Regensburger Turnhallen ihrer Ansicht nach unter aller Kanone ist. Haben Sie dafür Verständnis?
Freudenstein: Das kann ich nachvollziehen. Aber das liegt eben daran, dass über die Sperrungen immer groß berichtet wird, wenn es gut läuft aber nicht. Ich sage, dass unsere Turnhallensituation nicht schlechter ist als in anderen Städten vergleichbarer Größe. Mit dem Sportamt sind wir aber eben auch nur die Nutzer dieser Hallen.
Finden Sie also, dass im Kern alles gut ist?
Freudenstein: Nicht ganz. Ich finde, dass kleine Mängel, die eigentlich schnell behoben werden könnten, zu lange bestehen bleiben und dann viel zu große Folgen haben. Manchmal liegt es aber auch daran, dass große Schulsanierungen bereits anstehen und kleinere Reparaturen vorher nicht mehr angepackt werden.
Es hält sich in der Stadt das Gerücht, dass es bei den Turnhallen einen grundsätzlichen Investitionsstau bei den Sanierungen gab. Ist das so?
Freudenstein: Viele unserer Turnhallen stammen aus den 60er- und 70er- Jahren. Es ist logisch, dass hier jetzt viele zu einer ähnlichen Zeit sanierungsbedürftig wurden. Das ist auch kein Regensburger Phänomen. Das gibt es überall.
Es wurden in den vergangenen Jahren also nicht die falschen Schwerpunkte gesetzt?
Freudenstein: Wir müssen immer sparsam und wirtschaftlich mit den Mitteln umgehen. Und es muss immer gelten, dass wir zunächst einmal unterhalten, bevor wir neu bauen. Die Sanierung der Sporthalle Nord war zum Beispiel schon für vergangenes Jahr angedacht. Sie ist halt nicht durchgeführt worden.
Aber hätten Sie über einen Beschluss im Stadtrat, in dem Ihre Partei die größte Fraktion ist, nicht die Verwaltung anweisen können, das sofort zu machen?
Freudenstein: Nein, die Priorisierung findet in der Verwaltung statt. Der Stadtrat sagt, was gemacht werden soll. Die Verwaltung sagt, was sie zuerst abarbeitet.
Sie sagen also, dass politisch nicht mehr rauszuholen war?
Freudenstein: Ja, denn die Turnhalle Nord steht ja im Haushalt. Es muss eben noch umgesetzt werden. Und vieles läuft formell dann über den Unterhalt von Gebäuden. Darüber entscheidet der Stadtrat gar nicht. Es gibt da aber noch ganz andere Faktoren, die sehr wichtig sind. Zum Beispiel die Hausmeister, die oft einen überragenden Job machen. Wenn die kommunikativ sehr gut sind, ist das schon die halbe Miete.
Sie haben in den vergangenen Jahren immer wieder gesagt, dass Sie bei den Sporthallen persönlich gar nichts entscheiden können, weil die Schulgebäude selbst ja von anderen Stellen der Stadtverwaltung betreut werden, etwa vom Bildungsreferat oder vom Gebäudeservice.
Freudenstein: Ja, das ist so.
Aber können Sie nachvollziehen, dass es Menschen gibt, die andere Erwartungen an Sie haben? Die erwarten, dass sich die zweite Regensburger Bürgermeisterin, die für den Sport in der Stadt zuständig ist, in vorderster Front um die Turnhallen-Probleme für Sportvereine kümmert. Dass sie vermittelt, dass sie Ämter zusammenführt, und dass sie durch ihr politisches Management für Lösungen sorgt.
Freudenstein: Na ja, politisch wird das ja nicht gemanaged. Das ist eine reine Verwaltungsangelegenheit. Und wir belegen mit dem Sportamt die Hallen nur. Für die Gebäude selbst sind wir mit dem Sportamt nicht verantwortlich. Wir dürfen rein, wenn die Schule vorbei ist.

