Asbest-Alarm in städtischer Turnhalle: Lage in Regensburger Sportstätten immer dramatischer

Es ist eine schaurige Vorstellung: Mitten im Wettkampf fliegt ein Ball an die Decke oder ein Fenster einer Turnhalle und durch den Aufprall löst sich etwas daraus raus. Offenbar wird aber genau das in drei Regensburger Turnhallen befürchtet. In diesen ist nur noch eingeschränkter Betrieb erlaubt: ohne Ballsport.
Zuletzt schlug die städtische Bildungsreferentin Alarm. Sabine Kellner-Mayrhofer sagte im Stadtrat, dass es in den schulischen Gebäuden der Stadt teilweise undichte Dächer gebe. Auf Nachfrage bestätigte die Stadtverwaltung, dass davon auch Turnhallen betroffen seien. So gebe es dieses Problem in der Sporthalle Nord an der Albert-Schweitzer-Realschule. Auch in der Konrad- und der Wolfgangschule seien zuletzt die Dächer der Turnhallen undicht gewesen. Diese Schäden seien in diesem Jahr aber repariert worden.
Noch dramatischer wirkt die Situation in drei anderen Turnhallen der Stadt. Die beiden Einzelsporthallen des Von-Müller-Gymnasiums und die Sporthalle in der Prüfeninger Straße sind zwar noch geöffnet – aber nur noch für Sportarten ohne Ball. Im Von-Müller-Gymnasium liegt dies daran, dass der Stadt zufolge vor kurzem festgestellt wurde, dass die Decken in den Hallen „als nicht den anerkannten Regeln entsprechend montiert“ wurden. Deswegen dürfe bis auf Weiteres kein Ballsport mehr stattfinden. Die Decken sollen nun repariert werden. Eine erste Schätzung ergab, dass das rund 200.000 Euro kosten könnte.
Keine Bälle erlaubt: „Haben jetzt umgeschichtet“
In der Sporthalle an der Prüfeninger Straße sind Bälle ebenfalls nicht mehr erlaubt. Betroffen sind etwa die Handballer des ESV 1927. Die mussten sich für die bislang dort untergebrachten Teams etwas anderes suchen. „Wir haben jetzt in der ESV-Halle umgeschichtet, damit es irgendwie geht“, erzählt Jugendleiterin Katja Goldbach. Dem Sportamt macht sie allerdings keinen Vorwurf: „Ich denke, dass es letztlich grundsätzlich zu wenig Hallenzeiten im Vergleich zu dem, was man für die Anzahl an Vereinen bräuchte, gibt.“
In der Halle in Prüfening liegt die Teilsperrung daran, dass für den Einbau der Fenster einst asbesthaltiger Kitt benutzt wurde. Der Stadt zufolge wurde der Ballsport nun „vorsichtshalber eingestellt, damit sich der fest gebundene Asbest im Fensterkitt nicht löst“.
„Am Anfang waren wir schon geschockt“
Trotz dieses Schadstoffs sind zum Beispiel die Ringer des 1.AC Regensburg aber weiter in der Halle aktiv. „Zwei Wochen war sie komplett gesperrt, jetzt dürfen wir wieder rein“, erzählt Vereinsvorsitzender Jens Heinz. Als es die erste Information zu der Asbest-Gefahr gab, „waren wir schon geschockt“, erinnert er sich. Das Sportamt habe dem Verein aber versichert, „dass es etliche Messungen gab und die Raumluft unbedenklich ist. Wenn ich mich da nicht mehr drauf verlassen kann, kann ich mich auf nichts mehr verlassen“.
Heinz, der auch Kreisvorsitzender des Bayerischen Landessportverbandes ist, sieht das eigentliche Problem in Regensburg ebenfalls darin, dass „es einfach zu wenig Hallen, gerade kleine, gibt“.
Über Zustand und Anzahl der hiesigen Turnhallen wird ohnehin seit Jahren hitzig diskutiert. Martina Gramlich aus Regensburg etwa erzählt, dass ihre 13-jährige Tochter seit einigen Jahren Geräteturnen betreibt. Trainiert wird in der Sporthalle Nord. Die Zustände dort seien „peinlich und gefährlich“, sagt Gramlich. Wenn es regnet, müssten im Training und beim Wettkampf mehrere Putz- und Mülleimer in der Halle und auf der Tribüne aufgestellt werden, um das eintretende Wasser aufzufangen.
Teure Notfallmaßnahmen in Regensburger Sporthallen
Das Dach der Sporthalle Nord soll repariert werden. Die Kosten werden auf etwa eine Million Euro geschätzt. Angesichts solcher Summen sind die Turnhallen – egal ob für Schul- oder Vereinssport – dieses Jahr wieder großes Thema im Stadtrat. Dieser soll grundsätzlich sparen. „Ich sehe auch die kritische Haushaltssituation“, sagt Kellner-Mayrhofer. Projekte hätten deswegen geschoben werden müssen. Es sei aber ihre „Verpflichtung als Bildungsreferentin, auf zu erwartende Folgen hinzuweisen.“ Die aktuellen Mängel würden wiederum teure Notfallmaßnahmen zur Sicherung des Schulbetriebs nötig machen. Auch Sportbürgermeisterin Astrid Freudenstein schlug jüngst Alarm. Es brauche unbedingt zusätzliche Hallen, sagte sie – „und viele alte müssen dringend saniert werden“.