Neumarkts Sternwarte wird barrierefrei: Zweites Teleskop steht in Hütte mit Schiebedach

Von Regensburg bis Nürnberg kommen die Besucher in die Neumarkter Sternwarte. Dafür sorgen nicht nur die zahlreichen Vorträge und Führungen, sondern auch die nächtlichen Lichtbedingungen sind sehr gut. Voraussichtlich ab Spätsommer können auch Menschen mit einer Gehbehinderung ganz bequem die Himmelskörper bewundern.
Noch sind erst die unscheinbaren Fundamente zu sehen. Doch was hier oben auf dem Mariahilfberg entsteht, ist etwas Großes: Der Verein Bayerische Volkssternwarte Neumarkt baut eine Hütte, in der ein weiteres Teleskop installiert wird. Das Besondere an der Hütte: Sie ist barrierefrei zugänglich. Nicht nur die Tore an der Südseite lassen sich komplett öffnen, sondern auch das ganze Dach kann auf das Nebengebäude verschoben werden. Damit haben Sternengucker uneingeschränkten Blick auf den Himmel.
Etwa zwei Jahre habe es gedauert von der Idee bis nun die Bauarbeiten begonnen haben, erzählt der Vorsitzende der Fritz Weithas Sternwarte, Hans-Werner Neumann. Allein ein Jahr habe das Genehmigungsverfahren in Anspruch genommen. „Bisher haben wir immer wieder Menschen mit einer Behinderung Huckepack hochgetragen.“ Das sei angesichts der steilen engen Treppe nicht immer einfach gewesen. „Aber wir haben es gern gemacht“, ergänzt Pressewart Benedikt Schnuchel.
Bayerische Volkssternwarte Neumarkt vergrößert sich
Doch eine wirkliche Lösung war das nicht, vor allem, da der Platz oben rund um das Teleskop sich nicht wirklich für Menschen mit einem Rollstuhl eigne. Deshalb habe der Verein sich mit großer Mehrheit dafür entschieden, eine Schiebedachhütte zu errichten, in der ein Linsenteleskop eingebaut wird.
Die Hütte bietet Platz für 15 bis 20 Fußgänger oder für einen Rollstuhl mit Begleitung. Da das Teleskop nicht 40, sondern nur 20 Zentimeter breit ist, kann man mit dem Rollstuhl besser ranfahren, erläutert Neumann. Eine digitale Verbindung des Teleskops ermöglicht es zudem Personen, die nicht in der Lage sind, durch ein Okular zu schauen, die Himmelsbeobachtungen auf einer Leinwand mitzuverfolgen. Eine aufwendige Halterung sorgt dafür, dass das Teleskop 50 Zentimeter in der Höhe verstellbar ist.
Neues Teleskop in Neumarkt ist höhenverstellbar
Überhaupt bedeute die Montage des empfindlichen Hochleistungsgeräts eine Herausforderung, berichtet Schnuchel: Damit es vor Erschütterungen geschützt ist, wird es in einen Betonblock eingelassen und gegen die Bodenplatte isoliert. So kann auch nichts passieren, wenn jemand aus Versehen dagegen stößt.
Doch so ein Aufwand kostet nicht wenig Geld – genauso wie das Teleskop selbst, die Hütte mit dem verschiebbaren Dach, der Geräteschuppen daneben und die behindertengerechte Toilette mit Fußbodenheizung.
Möglich wurde das Projekt deshalb erst durch eine staatliche Förderung über die LAG Regina sowie die Unterstützung der Stadt Neumarkt. „Der Verein bringt sich ebenfalls mit Geld und vor allem Eigenleistungen ein“, sagt Neumann.
Da in der Vergangenheit bis zu 240 Besucher die Vorträge hören wollten, habe man auch immer wieder Interessierte aus Platzmangel wegschicken müssen. „Künftig können die Besucher an zwei Teleskopen in den Himmel schauen“, freut sich Schnuchel.
Die Führungen und Vorträge für Klein und Groß ziehen regelmäßig zahlreiche Gäste aus den angrenzenden Landkreisen an. „In den Großstädten Regensburg und Nürnberg ist der Himmel nachts so hell, dass man eigentlich nur die Planeten und den Mond sehen kann“, sagt Neumann. „In Neumarkt kann man sogar relativ lichtschwache Objekte sehen.“

