Bald kommt das Frühjahr: Das können Hobby-Gärtner in Neumarkt für eine reiche Ernte tun

Von Katrin Böhm · 12. Februar 2024 um 15:00

Er lässt sich mit gutem Willen bereits erahnen, wenngleich ganz zart: der Frühling. Viel pflanzen lässt sich draußen zwar noch nicht. Doch die Neumarkterin Theresa Linhard erklärt, was Hobby-Gärtner schon jetzt tun können, damit Obst und Gemüse gedeihen und es im Beet herrlich blüht. Sie ist Expertin für Gartenkultur am Landratsamt.

Frau Linhard, viele begeisterte Hobbygärtner würden am liebsten jetzt schon voll loslegen. Was kann man denn zum aktuellen Zeitpunkt tun?

Theresa Linhard: Ab Februar kann man auf jeden Fall Pflanzen vorziehen – Paprika, Tomaten, Gurken, Auberginen. Wichtig ist aber: Die Pflänzchen erst nach den Eisheiligen im Mai hinauspflanzen.

Wo und wie sollten die Pflanzen am besten vorgezogen werden?

Tomaten keimen bei Zimmertemperatur, die ideale Keimtemperatur liegt zwischen 18 und 22 Grad, es kann aber auch wärmer sein. Wichtig ist viel Licht. Eine gut belichtete Fensterbank ist ideal zur Anzucht von Tomaten. Wenn es zu dunkel ist, schießen die Triebe zu sehr in die Höhe, sie werden dann lang und dünn. Als Boden sollte man spezielle Anzuchterde verwenden – die ist nicht mit so vielen Nährstoffen angereichert, denn nährstoffreiche Erde überfordert die kleinen Pflanzen. Zudem sollte man immer darauf achten, torffreie Erde zu kaufen. Wichtig ist dann, ausreichend zu gießen und später zu pikieren – also dort, wo die Keimlinge zu eng wachsen, welche herauszunehmen und mit weiterem Abstand zueinander wieder einzupflanzen. Das macht man am besten mit einem Holzspatel oder einem kleinen Stab.

Viele Menschen schwören auch im Garten auf einen Plan.

Es lohnt sich tatsächlich, jetzt einen Pflanzplan zu machen: Was möchte ich anbauen? Wann säe ich was an, wann pflanze ich was aus? Was könnte eine Folgekultur sein? Einen Plan für all das zu machen, ist immer gut und sehr hilfreich. Auch für die Jahre danach. So kann ich mich an alles bestens erinnern.

In vielen Kellern liegen noch alte Päckchen mit Saatgut. Kann man die Samen noch verwenden?

Bevor man schon länger gelagertes Saatgut verwendet, sollte man auf jeden Fall die Keimfähigkeit des Saatgutes überprüfen. Mit der Zeit nimmt die Keimfähigkeit von Saatgut ab und darunter kann zum einen der Anzuchterfolg leiden, zum anderen auch die Qualität der Pflänzchen und die Ernte. Womöglich hält man sich dann noch völlig zu Unrecht für eine schlechte Gärtnerin oder einen schlechten Gärtner.

Wie überprüft man die Keimfähigkeit der Samen?

Zur Überprüfung der Keimfähigkeit legt man etwa zehn Samen aus der Packung auf ein Blatt Papierküchentuch und befeuchtet das Ganze im Anschluss. Am besten funktioniert das mit einer Sprühflasche. Dann rollt man das Papier mit den Samen zusammen und steckt es in eine durchlöcherte Plastiktüte. Das Ganze lagert man bei Zimmertemperatur und dann zeigt sich bei den meisten Gemüsearten nach acht bis 14 Tagen, ob das Saatgut noch keimfähig genug ist. Sollte die Hälfte der Samen oder noch mehr nicht mehr gekeimt haben, kann man davon ausgehen, dass die Samen nicht mehr genug Power besitzen, um sich in ertragreiche Pflanzen zu entwickeln.

Wenn wir ein paar Wochen vorausblicken: Im März ist vermutlich draußen schon einiges möglich, was das Gemüsebeet angeht.

Auf jeden Fall. Im März kann man Frühjahrssteckzwiebeln und -knoblauch stecken und Sommerporree pflanzen, Spinat, Rucola, Schalerbsen und Zuckererbsen aussäen. Im Hochbeet kann man im März Möhren, Rettich, Radieschen, Pastinaken und Petersilienwurzeln aussäen und Kopfsalatpflänzchen einpflanzen. Aber Vorsicht mit Frösten – Frostschutzvlies bei Bedarf schützt die Gemüsekulturen vor zu niedrigen Temperaturen.

Hochbeete erfreuen sich zunehmender Beliebtheit – muss man bei der Bepflanzung etwas Besonderes beachten?

Im Hochbeet kann man genauso gut alles nebeneinander anpflanzen wie in einem normalen Beet. Wichtig ist, dass die Abstände eingehalten werden und die Größenordnungen der Pflanzen Beachtung finden. Die höchsten Kulturen sollten mittig ihren Platz finden. Nach außen hin sollten die Kulturen immer kleiner werden. So kann man alles gut erreichen und die Pflanzen bekommen gleichmäßig Sonnenlicht ab.

Kann ich meinen Salat oder meine Karotten jedes Jahr an der gleichen Stelle anbauen?

Das sollte man nicht tun. Eine mehrjährige Fruchtfolge erhält die Bodengesundheit und vermindert die Ausbreitung von Pflanzenkrankheiten. Bei einer mehrjährigen Fruchtfolge versucht man den Anbauplan eines Beetes so zu gestalten, dass Pflanzen aus einer Pflanzenfamilie nicht mehrere Jahre hintereinander den selben Platz im Beet finden. Idealerweise plant man eine Anbaupause von vier bis sogar sieben Jahren pro Pflanzenfamilie ein. In einem großen Beet ist das gut möglich: Das lässt sich beispielsweise in vier Teile aufteilen, womöglich mit kleinen Wegen abtrennen, und dann wechselt man durch.

Wie ist es mit meist kleineren Hochbeeten?

Da ist es schwieriger. Idealerweise hat man mehr als ein Hochbeet zur Verfügung. Viele füllen das Hochbeet ja jedes Jahr neu auf, da die Füllung des Hochbeetes stark einsinkt. Das liegt an dem vielen organischen Material. Das setzt bei der Verrottung zwar viele Nährstoffe frei, richtig ist das aber nicht. Jeder hat da eine etwas andere Philosophie. Ich sage, man sollte das Hochbeet zur einen Hälfte mit eher sandigem, nährstoffarmen Boden befüllen und den Rest mit Oberboden auffüllen.

Für den Laien klingen viele Nährstoffe jetzt eigentlich ganz gut.

Die Pflanzen werden dann auch toll und groß, aber zu viel Dünger kann sich negativ auswirken. Zu hohe Stickstoffgaben führen zum Beispiel zu größeren, weichen Pflanzenzellen. Das macht die Pflanzen dann auch anfälliger für Krankheiten.

Wann schneidet man Hecken und Stauden im Garten?

Für starke Eingriffe ist jetzt noch ein guter Zeitpunkt. Das Bundesnaturschutzgesetzt erlaubt starkes Zurückschneiden von Hecken und Sträuchern oder das Fällen von Bäumen nur von Oktober bis Ende Februar. Schonende Form- und Pflegeschnitte im Garten sind auch nach diesem Zeitraum noch erlaubt. Schnitthecken sollten durch ein bis zwei Schnitte im Jahr in Form gehalten werden. Wichtig ist dabei, dass die Hecke unten breiter gehalten wird als oben, so erreicht das Sonnenlicht die gesamte Hecke gleichmäßig. Naturbelassene Hecken also frei wachsende Heckenpflanzen, sind generell pflegeleichter. Dennoch sollte regelmäßig geschnitten werden und vor allem alte Triebe bodennah herausgenommen werden um die Hecke immer wieder zu verjüngen. Nach innen wachsende Triebe oder sich gegenseitig störende Triebe sollten abgeleitet werden, sodass auch ausreichend Licht im Inneren des Strauches ankommt. Stauden treiben ab März, April wieder aus. Idealerweise hat man die verblühten Stauden den Winter über stehen gelassen, denn die hohlen Stängel dienen Insekten als Winterquartier. Spätestens, wenn die Stauden von unten her neu austreiben sollten die alten Stängel weg.

Wie ist es mit Rosen?

Der ideale Zeitpunkt für den Rosenschnitt ist im Frühjahr, wenn sich die Knospen allmählich regen – ein Anhaltspunkt ist die Forsythienblüte. Blüht die Forsythie, ist der ideale Zeitpunkt für den Rosenschnitt, in der Regel ist das ab etwa Mitte März. Grundsätzlich gilt: Je stärker man zurückschneidet, desto stärker ist der Neuaustrieb.

Es gibt ja ganz unterschiedliche Rosen – werden die dann auch unterschiedlich zugeschnitten?

Grundsätzlich gilt: Schwachwachsende Rosen sollte man stärker zurückschneiden als stark wüchsige Rosen. Wichtig beim Rosenschnitt ist immer, auf gutes Werkzeug zu achten. Eine scharfe Rosenschere sorgt für einen glatten Schnitt, was dazu beiträgt, dass die Rose ihre Wunden gleichmäßig und gut verschließen kann.

Wie schneidet man Rosenstämmchen?

Der Schnitt von Hochstammrosen und Beetrosen ist prinzipiell ähnlich: Man sollte die Triebe des Hochstamms jährlich auf ungefähr 15 bis 20 Zentimeter zurücknehmen. Dabei orientiert man sich an einem Knospenauge am Trieb. Etwa einen halben Zentimeter oberhalb dieses Knospenauges setzt man den Schnitt schräg, vom Auge weg, an. So läuft das Wasser gut ab und vor allem nicht über das Knospenauge. Außerdem spielt die Ausrichtung des Auges eine Rolle beim Kronenaufbau. Ziel ist es eine möglichst runde Krone zu erziehen, die luftig, aber nicht zu locker aufgebaut wird. Je nachdem lasse ich Neutriebe eher nach innen oder außen wachsen. Im nächsten Jahr kann ich kontrollieren, was aus meinen Schnittentscheidungen geworden ist und wo ich die nächsten Schnitte ansetzen muss.

Wie funktioniert der Schnitt bei Beetrosen?

Bei Beetrosen entfernt man zunächst alle abgestorbenen und schwachen Triebe – das sind die, die dünner als ein Bleistift sind. Dann kontrolliert man den ganzen Strauch, ob er licht genug ist. Stehen manche Triebe zu eng oder überkreuzen sie sich, muss das behoben werden. Danach schneidet man die restlichen Triebe auf sechs bis acht Augen, die nach außen zeigen, zurück. Wächst die Rose eher schwach und möchte ich die Wuchskraft etwas ankurbeln, kann ich sogar auf drei bis fünf Augen zurückschneiden.

Theresa Linhard ist Garteneypertin am Landratsamt Neumarkt. Foto: Thilo Zamecnik