Kein Abhang, kein Graben: Wie sinnvoll ist die neue Leitplanke in Geigant?

Von Martin Hladik · 5. April 2025 um 11:00

Seit rund zwei Wochen glänzt eine neue Leitplanke an der im Herbst eingeweihten Staatsstraße zwischen Geigant und der Einmündung nach Sinzendorf im Landkreis Cham. Allerdings erfreut das nicht jeden in Geigant. Im Dorf wird durchaus auch kritisch über das 200 Meter lange Stahlband gesprochen.

„Braucht‘s ned“, „Es gibt wichtigere Stellen“ und „Da ist nirgends ein Abhang“ sind nur einige der Wortmeldungen. Grundsätzlich richtet sich die Kritik daran, dass einige Bürger in Geigant den Sinn der Leitplanke nicht erkennen, weil an dieser Stelle weder ein Abhang noch ein gefährlicher Graben sei.

Dem ist tatsächlich so. Allerdings stehen an der Straße mehrere Bäume und eine Linde, die beim Umbau der Einmündung nach Sinzendorf ganz bewusst erhalten wurde. Warum die erneuerte Straße jetzt in der leichten Kurve eine Leitplanke bekommen hat, ist allerdings auf den ersten Blick nicht sofort zu verstehen. Unsere Zeitung wollte vom Abteilungsleiter im Staatlichen Bauamt, Dr. Richard Bosl, wissen, warum dort jetzt eine Leitplanke errichtet wurde. Bosl ist für die Staats- und Bundesstraßen im Landkreis Cham zuständig. Den Geigantern dürfte er von der kürzlich stattgefundenen Vorstellung des zweiten Bauabschnitt der Ortsdurchfahrt in Geigant bekannt sein.

Fahrzeugrückhaltesysteme

Bosl verweist zunächst auf die „Richtlinien für passiven Schutz an Straßen durch Fahrzeugrückhaltesysteme“. Gemeint sind mit dieser Behördenbezeichnung, die mit „RPS“ abgekürzt wird, unter anderem Leitplanken. 2009 sei diese Richtlinie deutlich verschärft worden, teilt Bosl mit. Dies betreffe insbesondere „Einzelhindernisse wie z.B. Bäume“. Mit der Verschärfung seien auch die Mindestlängen für Leitplanken erhöht worden. Diese seit rund 15 Jahren geltenden Richtlinien sind „beim Neu-, Um- und Ausbau von Straßen anzuwenden. Sie gelten in aller Regel nicht für Bestandsstrecken“, schreibt Bosl als Antwort auf die Anfrage unserer Zeitung.

Bewertet wird dabei das Gefahrenpotenzial für die Fahrzeuginsassen, für Dritte und der Abstand der Gefahrenquellen zum Fahrbahnrand. „Ist der Abstand zu gering bzw. als kritisch zu bewerten, sind Schutzeinrichtungen vorzusehen“, zitiert Bosl aus den Richtlinien.

Als konkreten Grund für die Leitplanke bei Geigant nennt Bosl die Bäume am Straßenrand. Er schreibt: „Im vorliegenden Fall mussten bestehende Bäume abgesichert werden. Zum einen die freistehende Linde an der Einmündung nach Sinzendorf sowie vier bestehende Bäume im Böschungsbereich vor dem Friedhof. “

Ist einmal so eine Gefahrenquelle erkannt, dann gibt es genaue Regeln, wie die Leitplanke zu gestalten ist, erklärt Bosl. Allerdings gilt das nur nach Baumaßnahmen, nicht an bestehenden Strecken.

Die Leitplanke muss vor und nach der Gefahrenstelle lang genug sein, um zum Beispiel nicht Hinterfahren zu werden. „Die Mindestlänge beträgt 100 Meter zuzüglich 12 Meter für die Anfangs- und Endkonstruktion“, teilt Bosl mit.

13.000 Euro Kosten

Im Fall der leichten Kurve bei der Ortseinfahrt Geigant sind das 220 Meter. Und weil in Geigant auch mit den Kosten der Leitplanke argumentiert wird: Die liegen bei rund 13.000 Euro. Abgesehen von allem menschlichen Leid ist das vermutlich günstiger als die Kosten nach einem Personenschaden bei einem Zusammenstoß mit einem Baum.