Studenten aus München lassen antikes Römerkastell in Eining neu entstehen – zentimetergenau

Von Jochen Dannenberg · 8. April 2025 um 11:00

Neustadt a.d. Donau (Landkreis Kelheim) ist reich an antiken Fundstätten, doch davon ist wenig zu sehen. Im Ortsteil Eining sind nur mehr Grundmauern des antiken Römerlagers Kastell Abusina sichtbar. Daran könnte sich etwas ändern. Studenten wollen den einst wichtigen Stützpunkt römischer Legionäre am Limes auferstehen lassen.

Studenten der Hochschule München haben deshalb das Kastell vermessen. Sie sind angehende Spezialisten für Geoinformation und damit Nachfolger klassischer Landvermesser. Die hatten vor allem mit der Erfassung von geometrischen Größen an der Erdoberfläche und der Übertragung von Grundstücks- oder Bauwerksgrenzen von der Planung in die Natur zu tun. Geodäten wollen dagegen Teile der Erde auch in ihrer Tiefe bestimmen.

Damit sind sie die Experten, um antike Fundstätten wie in Eining zu vermessen. Hier gilt nämlich unter den Archäologen des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege in München, die die „Amtsgewalt“ über das Kastell Abusina haben, der Grundsatz, dass nach Möglichkeit nicht gegraben wird. Zur Erforschung antiker Fundstätten werden Verfahren wie zum Beispiel die Magnetometrie eingesetzt. Dabei handelt es sich um eine Methode, bei der das Magnetfeld der Erde oder magnetische Eigenschaften von Materialien gemessen werden.

Die Geodäten liefern ein Bild von dem, was in der Erde als Bauwerk verborgen ist. „Auf ein, zwei Zentimeter genau“, sagt Professor Jens Czaja von der Hochschule München. Zum Vergleich: Ein Navi im Auto schafft es, einen Standort auf fünf bis zehn Meter genau zu zeigen.

Praxis an antiken Stätten

„Wir sind dieses Jahr mit einer Studentengruppe hier in Bad Gögging und machen ein Praxisprojekt und nehmen verschiedene Objekte auf, u.a. das Römerkastell Abusina, auch den Weinberg und die Kirche St. Andreas mit dem Römischen Bademuseum“, erklärt Professor Czaja. „Die Studierenden haben hier die Aufgabe, das Gebiet dreidimensional aufzunehmen, mit verschiedenen Messtechnologien, die sie in ihrem Studium gelernt haben. Das wenden wir hier an.“

Dafür marschieren die Studenten mit ihren Messgeräten jeweils zu zweit über das Gelände. Nach jeweils zwei, drei Schritten bleiben sie stehen, halten das Messgerät auf den Boden und notieren die Daten, die das Gerät anzeigt. Hunderte Messpunkte werden auf diese Weise ermittelt. Anschließend werden die Daten an der Hochschule in München ausgewertet. Aus den Daten selbst entsteht eine Geodatenbank, erklärt der Professor. Später sollen die Ergebnisse an das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege übermittelt werden.

Aus den Messpunkten und den ermittelten Daten entsteht dann am Computer ein Bild von den Gebäuden, die einst das Kastell Abusina bildeten. Der Vorteil: Am Computer kann man die dreidimensionalen Bilder beliebig drehen und die antiken Gebäude in ihrem heutigen Umfeld betrachten.

Alle Studenten befinden sich im sechsten Semester, sie stehen kurz vor dem Abschluss ihres Studiums und streben einen Bachelor an. Die Werkzeuge, mit denen sie arbeiten, sind das Tachymeter – das ist ein Gerät, mit dem man Horizontalrichtungen, Vertikalwinkel und auch die Schrägstrecke zum Zielpunkt ermitteln kann. Der Tachymeter kommt seit Jahrzehnten in der Bauvermessung zum Einsatz. Daneben gibt es – wesentlich moderner – eine Antenne mit einem Rechner.

Für die Studenten ist das spannend. Sie wissen, sie könnten auch messen, wie hoch ganz genau die Zugspitze ist. Aber sie wissen auch, wie das gemessen wurde und woher die Daten in den Tracking-Apps von Bergsteigern und Wanderern kommen.

„Spannende Geschichte“

Das lernt man in der Angewandten Geodäsie, denn sie vermisst die Erde mit ihren Höhen und Tiefen, ganze Länder, einzelne Bauwerke oder Verkehrswege. Mit Methoden der Geoinformatik werden daraus Web-Anwendungen und Apps, entstehen Analysen für nachhaltige Planungen oder, wie bei den antiken Stätten in Neustadt, 3D-Modelle.

Bürgermeister Thomas Memmel freut es. „Wir sind es gewohnt, Wissenschaftler zu Gast zu haben. In der Regel sind es Archäologen, die uns hier besuchen und die sich mit der Vergangenheit beschäftigen“, sagt er. Dass sich jetzt Studenten aus dem Bereich Vermessung mit den antiken Stätten in Bad Gögging und Eining beschäftigt haben, ist eine „ganz spannende Geschichte“.

Bürgermeister Memmel und Professor Czaja im Kastell Foto: Dannenberg
Noch während der Messungen entstanden erste Bilder der antiken Fundstätten am Bildschirm, hier die Kirche St. Andreas mit der Therme. Foto: Dannenberg
Auch Tachymeter wurden bei den Messungen eingesetzt. Foto: Dannenberg