Anna Heinze (16) aus Chamerau hat ein Stipendium für ein Jahr in den USA in der Tasche

Von Mittelbayerische Zeitung · 5. April 2025 um 11:00

Es hat sich zunächst wie ein großes Abenteuer angehört, ist aber bestens betreut und für die 16-jährige Anna Heinze aus Chamerau schon so etwas wie ein Traum gewesen. Die sehr gute Schülerin des Benedikt-Stattler-Gymnasiums in Bad Kötzting konnte kaum glauben, dass sie aufgrund ihrer Bewerbung beim Parlamentarischen Patenschafts-Programm (PPP) – einer Kooperation des Deutschen Bundestages und des Kongresses der Vereinigten Staaten von Amerika – zum Zuge gekommen ist, zumal sie dabei Konkurrenz aus ganz Deutschland ausgeschlagen hat.

Mit ihr freuen sich die Bundestagsabgeordnete aus dem Wahlkreis, Martina Englhardt-Kopf, die die Patenschaft dafür übernommen hat, und Schulleiterin Birgit Maier.

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Schüler aus Deutschland, die neugierig auf die USA und offen für Neues sind, konnten sich auch im Jahr 2025/26 – dem 42. Jahr dieser Initiative – für eine Teilnahme bewerben. Anna Heinze wird im Sommer in die USA aufbrechen und hat in Berlin bereits einen Einführungskurs besucht. Der Schulleiterin des BSG, Birgit Maier, und der Patin Martina Englhardt-Kopf ist es am Donnerstag ein besonderes Anliegen gewesen, der Stipendiatin zu gratulieren und sich über das Vorhaben auszutauschen.

Sehr gute schulische Leistungen ausschlaggebend

„Es ist bemerkenswert, dass Anna ausgewählt worden ist“, hat die Schulleiterin auf die Nachricht reagiert. Nach ihren Informationen geht es dabei um die Gesamtbeurteilung von schulischen Leistungen und ehrenamtlichen Aktivitäten. Die 16-Jährige ist bei der Wasserwacht Cham aktiv, reitet regelmäßig in Kummersdorf und ministriert in ihrer Heimatpfarrei.

Als Anna Heinze kürzlich in der Bundeshauptstadt gewesen ist, hat sich Martina Englhardt-Kopf mitten in den Koalitionsverhandlungen befunden. Deshalb hat sie das Kennenlernen am Donnerstag nachholen wollen. „Es ist ein besonderes Programm mit umfassender Betreuung und Unterstützung“, hat die Abgeordnete über das Angebot berichtet, das vom Deutschen Bundestag und dem US-Kongress finanziert wird. „Das Stipendium fördert besonders qualifizierte, interessierte und engagierte junge Leute, die als Botschafter für Deutschland in die USA gehen und dort die deutsche Kultur und Werte vertreten“, hat sie ausgeführt. Dabei blicken die Stipendiaten in den USA hinter die Kulissen und lernen im freundschaftlichen Austausch die Art und Weise der amerikanischen Lebensweise kennen.

Das Ganze ist bislang noch ein Abenteuer, weil Anna Heinze bis jetzt nicht weiß, welchen Bundesstaat ihr Jahresaufenthalt zum Ziel hat. Ebenso wenig kennt sie ein Vierteljahr vorher ihre Gastfamilie. Beides wird sie erst im Sommer erfahren. „Allerdings besteht die Gewissheit, dass alles gut organisiert ist. Es handelt sich um erfahrene Gastfamilien“, hat Martina Englhardt-Kopf am Donnerstag beim Besuch im BSG versichert.

Meine Klassenkameraden freuen sich, dass ich das Stipendium erhalten habe.

Stipendiatin Anna Heinze

Natürlich verspürt Anna Heinze wegen dieser noch unbekannten Faktoren eine wachsende Spannung. Andererseits sieht sie dem Jahr in den USA mit einer jugendlichen Gelassenheit entgegen. Sie besucht aktuell die zehnte Klasse des BSG und wird dann ein ganzes Jahr an ihrem Zielort in die High School gehen. „Meine Klassenkameraden freuen sich, dass ich das Stipendium erhalten habe“, hat die 16-Jährige die Reaktionen seit der erfolgreichen Bekanntgabe zusammengefasst. Viele fiebern mit, wohin die Reise geht. Die Schülerin wird mit ihren Freunden über die sozialen Medien Kontakt halten. Mit einem Berufswunsch hat sie sich zumindest schon grob befasst – vorstellbar wäre für sie ein Studium in Architektur oder Lehramt. „Es wird immer wichtiger, dass man gut Englisch beherrscht“, sieht sie die Vorteile. Zudem interessiert sie sich dafür, in Amerika möglichst viel über die Kultur zu erfahren. „Das ist mit Urlaub nicht vergleichbar“, ist ihr bewusst. Sie möchte nach eigenen Vorstellungen vollständig in den Alltag der amerikanischen Familie eintauchen und vieles ausprobieren.

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Über Amerika hat Anna Heinze schon von frühester Jugend an Bücher gelesen, die den Wunsch nach einem Aufenthalt dort verstärkt haben. Ausschlaggebend für ihre Bewerbung ist dann der Vortrag am BSG über die individuelle Lernzeitverkürzung gewesen, die die Möglichkeit eröffnet, die elfte Klasse zu überspringen. Wenn sie zurückkehrt, wird die Chamerauerin auf Probe die zwölfte Jahrgangsstufe besuchen. Sowohl Anna Heinze als auch Schulleiterin Birgit Maier sind überzeugt, dass sie nahtlos anknüpfen kann.

Zusätzliche Belastung

„Die Schüler machen in der neunten und zehnten Klasse Zusatztermine in Fächern wie Mathematik, Geographie und Deutsch“, hat Maier diese Vorgabe des Kultusministeriums erklärt. „Sie investieren zusätzliche Zeit, damit sie nach der Auslandszeit, in der sie ja Schulunterricht absolvieren, und den in gewissen Ansätzen vorher schon erworbenen Kompetenzen den Sprung schaffen. Es müssen gute Schüler sein, die der zusätzlichen Belastung in der neunten und zehnten Klasse standhalten.“ Die Schule mache damit sehr gute Erfahrungen, da diese jungen Leute nach einem Auslandsaufenthalt reifer seien und sich viel mehr zutrauen.

Beim einwöchigen Vorbereitungsseminar in Berlin hat Anna viel über deutsche und amerikanische Geschichte mit politischen Inhalten gelernt, was sie besonders spannend gefunden hat. Sie hat zudem andere Stipendiaten kennengelernt, wobei sie diese aller Voraussicht nach in Amerika nicht treffen wird. So bleibt es vorerst noch eine Unternehmung in unbekanntes Terrain, was die 16-Jährige nicht weiter beunruhigt.

Ihre Eltern haben ihr Vorhaben von Anfang an unterstützt. Als die E-Mail eingetroffen ist, dass die Bewerbung erfolgreich war, sind alle erfreut gewesen. Wirklich damit rechnen konnte man aufgrund der vielen Mitbewerber nicht. „Es hat eine Weile gedauert, bis ich es selbst realisiert habe“, gibt Anna Heinze zu. Seither ist das Stipendium Hauptthema in der Familie.