Psychologie-Professor erklärt: Fakten haben gegen Gerüchte keine Chance

Von Alexander Frimberger · 4. April 2025 um 05:00

Gerüchte: Sind sie einmal ausgesprochen, kann man sie kaum noch aus der Welt schaffen. Besonders viele ranken sich gerade um die Landesgartenschau (LGS). Nachfolgend die hartnäckigsten, was die LGS-Verantwortlichen darauf erwidern und wie ein Psychologieprofessor das Phänomen erklärt.

Gerücht Nummer 1: Die Landesgartenschau muss verschoben werden. Der am meist genannte Zeitraum spricht von zwei Wochen Verspätung. Bürgermeister Sandro Bauer hat auch schon gehört, dass es ein ganzer Monat ist.

„Warum verschieben wir nicht einfach um ein ganzes Jahr“, sagt LGS-Geschäftsführerin Claudia Knoll und lacht. Dann erklärt sie: Die Staatsregierung, genauer gesagt Ministerpräsident Markus Söder ist schon Mitte letzten Jahres eingeladen worden.

Parkarena wird fertig

„Es nutzt nicht viel, wenn man etwas verschiebt“, sagt Knoll, die schon viele Landesgartenschauen in verantwortlicher Position betreut hat. Der Druck, der momentan auf allen Beteiligten lastet, sei gut, dann würden schnelle Entscheidungen getroffen. Sie prophezeit auch, dass nach der Eröffnung viele Further diskutieren werden werden und der Wunsch entsteht, vieles von dem, was zu sehen sein wird, auch nach dem Ende stehen zu lassen.

An anderer Stelle haben schon Architekt Peter Hickl und Josef Penzkofer vom gleichnamigen Holzbauunternehmen in Eschlkam dazu Stellung genommen. Sie sind für den Bau der Parkarena maßgeblich mitverantwortlich. „Die Parkarena wird fertig, der Starttermin der Gartenschau muss natürlich nicht verschoben werden“, sagen beide unisono. Hickl ergänzt: „Wenn so etwas notwendig gewesen wäre, dann könnten wir das ja nicht erst jetzt bei der Stadt anmelden.“

Josef Beer, bei der LGS zuständig für Bautätigkeiten, sagt dazu: „Die Parkarena wird Stand heute fertig.“ So werde unter anderem schon mit dem Einbau der Sitzstufen begonnen. „Man sieht, dass alle Beteiligten es wollen und vollen Einsatz zeigen.“

Ein weiteres Gerücht besagt, dass das Holz der Arena unter der Plane, die darüber angebracht wird, fault. Laut Beer stimmt auch das nicht, weil die Folie nicht direkt aufliegt, so dass Flüssigkeit ablaufen und Wind durchströmen kann.

Das älteste Gerücht, das sich hartnäckig hält: Die Lorenz-Zierl-Straße ist zu eng. Auch hier sagt Beer unmissverständlich, die Straße sei breit genug, dass jeder durchfahren kann. Wird es doch eng, stehen auf jeder Fahrbahnseite zwei Reihen Kopfsteinpflaster zur Verfügung. Die können als Verbreiterung genutzt werden.

Schnell abgehandelt ist das Gerücht, das Geländer für den Drachensteg käme nicht. Seit Donnerstag wird es montiert.

Gibt es etwa zu wenig Parkplätze, wie schon vermutet wurde? Mitnichten, auch wenn es noch keine konkreten Zahlen gibt. Knoll sagt: „Mit Parkplätzen sind wir gut aufgestellt.“ Inzwischen sei auch die Parkraumbewirtschaftung vergeben. Das Unternehmen beginnt gerade, die Stellplätze einzuteilen.

Auch der Preis ist noch Thema. Bekanntlich kosten die Dauerkarten im Vorverkauf 80 Euro, nach der Eröffnung 90 Euro. Darin sind auch alle Großveranstaltungen enthalten, es werden keine zusätzlichen Eintritte verlangt. Sandra Kleemann, zuständig für das Veranstaltungsprogramm, ergänzt: Beim Sommerfest ist der Popsänger Joris Hauptakt und nicht etwa Yaris, der Sohn von Peter Maffay.

Ganz neu auf dem Gerüchtemarkt: Josef Beer wurde zweimal darauf angesprochen, dass die Bäume im Eingangsbereich und am Späth-Bräu-Gelände nach der Landesgartenschau mitgenommen werden können. Auch das ist falsch. Die Pappeln im Eingangsbereich gehen weiter zur nächsten Schau. Für das Späth-Gelände sagt Dr. Kerstin Hofmann: Die Bäume gehören der Bayerischen Landesgartenschau. Wenn die Stadt beschließe, sie zu behalten, dann gehören sie ihr und es wird ein finaler Standort gesucht.

Further Vereine sollen ihre Zusammenarbeit verweigert haben, viele Besucher bleiben weg, weil Furth zu wenig Hotels hat und einige Behauptungen mehr machen die Runde. Alles kann von den LGS-Verantwortlichen zurückgewiesen oder erklärt werden. Wieso halten sich diese Gerüchte dann so hartnäckig und was steckt dahinter?

„Der Hauptgrund dafür, dass Gerüchte verbreitet werden, ist die Grundneigung der Menschen, Dinge zu erzählen, die die spannend und interessant sind – auch wenn gar nicht klar ist, ob alles wahr ist “, sagt Diplompsychologe Professor Axel Koch, Mitglied im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen. Das geschieht demnach häufig dann, wenn die Verbreiter nicht so genau wissen, was los ist. „Dann fangen sie an, sich eine eigene Meinung zu bilden.“ Problematisch werde es dann, wenn es schlechte Nachrichten sind. Oder wenn die Nachrichten bewusst darauf abzielen, andere Menschen schlecht zu machen.

Koch beschreibt darüber hinaus drei mögliche Motive, aus denen heraus Agitatoren bewusst die Gerüchteküche anheizen. Motiv eins, Stärke: „Häufig sind es Menschen, die innerhalb einer Gruppe, beispielsweise in sozialen Medien, eine starke Rolle einnehmen, gut vernetzt sind und ihre Meinung lautstark vertreten.“ Das zweite Motiv: Die Retterrolle. Dieser Typus hat ein Gerechtigkeitsgefühl und meint alle darüber informieren zu müssen, was aus seiner Sicht ungerecht abläuft. Dritter Grund, Moral: Manchmal handeln Betroffene aus ihren eigenen moralischen Wertvorstellungen heraus. „Mit diesem Wertemaßstab beleuchten sie ihre Umwelt“, so Koch. Auch Normen innerhalb einer Gruppe können das Verbreiten von Gerüchten schüren.

Kann eine Leiche bluten?

Wie aber kommt man Gerüchten bei? Indem man das Gegenteil beweist? Das, so der Diplompsychologe, ist ein schwieriges Unterfangen. „Wenn Leute eine stabile Meinung haben, sind sie nur sehr schwer vom Gegenteil zu überzeugen. Auch bei harten Fakten.“ Informationen werden demnach immer so eingeordnet, dass sie zur eigenen Haltung passen. Koch veranschaulicht das Bild anhand eines Witzes: Ein Patient sitzt beim Psychologen, weil er sich für eine Leiche hält. Der Therapeut fragt: „Können Leichen bluten?“ Der Patient antwortet: „Natürlich nicht.“ Der Psychologe sticht den lebenden Leichnam mit einer Nadel, das Blut fließt. „Was sagt uns das?“, fragt er sein Gegenüber. Patient: „Leichen können doch bluten.“

Das, so der Diplompsychologe, zeigt: „Die Wahrnehmung ist beständig drauf bedacht zu homogenisieren, also eine Gleichförmigkeit herzustellen.“

Psychologe Professor Axel Koch