Im Kreis Schwandorf gibt es nur wenig Frauen in der Kommunalpolitik – Info-Reihe soll Mut machen

Nur 16,45 Prozent der Gemeinderats- und Stadtratsmitglieder im Landkreis Schwandorf sind Frauen, es gibt sogar noch einige Gremien ganz ohne Frauen. Im Schwandorfer Kreistag liegt der Anteil bei 28,33 Prozent. Eine Info-Reihe stellt dieses Thema in den Mittelpunkt.
Drei der 33 Kommunen haben eine Bürgermeisterin (neun Prozent), 2. Bürgermeisterinnen gibt es sieben (21 Prozent). „Wir haben viel zu wenig Frauen in den Kommunalparlamenten“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte Helga Forster über die Ergebnisse ihrer Auswertung. Und: „Wir waren vor zehn Jahren schon mal weiter als heute.“
Mit der laufenden Info-Reihe „Politik braucht Frauen“ rückt Helga Forster dieses Thema in den Fokus und will – rechtzeitig vor den Kommunalwahlen 2026 – Frauen ermutigen, sich (weiterhin) in der Kommunalpolitik zu engagieren und noch stärker in die politische Diskussion einzusteigen. Die Mittelbayerische hat mit vier Lokalpolitikerinnen über ihr Engagement gesprochen. Sie stimmen Helga Forster unisono zu, dass sie mehr Mitstreiterinnen brauchen. Auch in einem weiteren Punkt herrschte Einigkeit: Sie haben ihr Engagement bislang nicht bereut.
Helga Forster hat bei der Bestandsaufnahme auch einen Blick über den Landkreis hinaus geworfen: Im Bayerischen Landtag liegt der Frauenanteil bei 25,1 Prozent, damit sei der Freistaat Schlusslicht in Deutschland. Zudem lag die Quote 2008 bei 31,6 Prozent. Ein Rückgang von mehr als sechs Prozent sei nicht unbedeutend, sagt Forster. Im aktuellen Bundestag liegt der Frauenanteil bei 32,4 Prozent und somit 2,3 Prozentpunkte niedriger als nach der Wahl 2021.
Die Zeitfrage ist nur eine von vielen Ursachen
Soweit die nackten Zahlen. Doch wo liegen die Ursachen? Die sind vielschichtig, aber sowohl die Gleichstellungsbeauftragte als auch die Kommunalpolitikerinnen Heike Faltermeier (CSU), Ulrike Roidl (SPD), Ulrike Pelikan (Bündnis 90/Die Grünen) und Verena Obermeier (Freie Wähler) kamen dazu – im Wesentlichen – zu den gleichen Erkenntnissen. Die Zeitfrage ist sicher wesentlich, „denn Frauen sind nach wie vor viel mehr in der Betreuung von Kindern und Pflegebedürftigen gefordert als Männer“, erläutert Helga Forster. Außerdem arbeiten Frauen vermehrt mehr als halbtags. „Betreuung, Beruf und Politik – das wäre dann eine Dreifachbelastung“, so die Gleichstellungsbeauftragte. „Frauen trauen sich das weniger zu“, nennt Helga Forster als weiteren Grund.
Zudem werde von ihnen mehr erwartet als von Männern. Und das nicht nur von ihrem Umfeld, sondern auch von sich selbst. Außerdem sei zu beobachten, dass Frauen nicht unbedingt Frauen wählen. So komme es immer wieder vor, dass zwar weibliche Kandidatinnen auf aussichtsreichen Listenplätzen aufgestellt werden, diese aber dann nach hinten gewählt werden. Das mache es dann noch schwieriger, das nächste Mal Kandidatinnen zu finden.
„Frauen wird in der Politik weniger zugetraut, nicht nur von Männern, sondern auch von Frauen, das ist traurig“, so Helga Forster. Warum werde politisches Engagement bei Männern als selbstverständlich angesehen und „bei Frauen heißt es, was machen Deine Kinder, wenn Du unterwegs bist“. Die Gleichstellungsbeauftragte ist auch überzeugt, dass die Anfeindungen, der Stil der Kritik und die Respektlosigkeit gegenüber Politikern Frauen noch mehr abschreckten als Männer. Dabei bringen Frauen laut Helga Forster soziale Kompetenzen und Kommunikationsstärke mit und „haben einen anderen Blickwinkel“. In vielen Themen wie Betreuung oder Verkehrsfragen für Fußgänger und Radfahrer etwa seien Frauen viel mehr drin.
Andre Kommunikation in gemischten Gremien
Helga Forster ist auch überzeugt, dass in gemischten Gremien die Kommunikation anders sei. Letztlich sei das Engagement vor Ort wichtig für die Nachwuchssicherung. „Alle Landes- und Bundespolitikerinnen haben mal in Kommunalgremien angefangen“, so die Gleichstellungsbeauftragte.
Sie will mit der Info-Reihe sowohl Frauen ansprechen, die bereits politisch engagiert sind, als auch auch alle, die noch in der Überlegungsphase sind. Ein erster Termin mit 15 Teilnehmerinnen hat bereits stattgefunden. Frauen, die bereits aktiv sind, sich künftig engagieren wollen und allgemein Interessierte waren laut Forster dabei und tauschten sich aus. Im Mittelpunkt standen die zwei Vorträge mit vielen praktischen Übungen zu „souveränem Auftreten“ und „Rhetorisch fit für die Politik“ . Die Reihe wird am 8. April mit einem Gesprächsabend fortgesetzt. Eins ist Helga Forster bei allem Werben für mehr Frauen in der Politik wichtig: „Es geht nicht um Frauen gegen Männer, es muss ein Miteinander sein.“
Aus der Praxis
Erfahrungen: Im Rahmen der Inforeihe „Politik braucht Frauen“ findet am 8. April um 19 Uhr ein Gesprächsabend statt. Interessierte sollen die Möglichkeit bekommen, mit erfahrenen Kommunalpolitikerinnen ins Gespräch zu kommen, die aus dem politischen Alltag berichten.
Fragen: Themen werden sein: Welche Herausforderungen bringt die Kommunalpolitik mit sich? Welche Hürden sind (gerade auch als Frau) zu überwinden? Warum ist es so wichtig, dass mehr Frauen in der Kommunalpolitik aktiv sind? Was brauchen Frauen, die in die Kommunalpolitik einsteigen wollen?
Anmeldung: bei Helga Forster, Gleichstellungsbeauftragte, E-Mail Helga.Forster@lra-sad.de, Telefon (0 94 31) 47 13 357
Ort: Der Gesprächsabend am 8. April ab 19 Uhr findet im Sitzungssaal U57 des Landratsamts statt.
Austausch: Abschließend wird ein kleiner Umtrunk mit der Gelegenheit zum Austausch angeboten.
