Vier Kommunalpolitikerinnen aus dem Landkreis Schwandorf berichten über ihre Erfahrungen

Von Petra Beer-Dausch · 3. April 2025 um 05:00

In der Kommunalpolitik im Landkreis Schwandorf sind Frauen noch immer stark in der Unterzahl. Wenn es nach Ulrike Roidl, Verena Obermeier, Heike Faltermeier oder Ulrike Pelikan geht, soll sich das ändern. Sie jedenfalls haben den Schritt nie bereut.

Ulrike Roidl arbeitet im Schwandorfer Stadtrat und Kreisrat mit

Die Fronbergerin ist seit 1980 bei der SPD aktiv, trat mit 23 Jahren in die Partei ein. 1996 wurde sie erstmals in den Schwandorfer Stadtrat gewählt, dem sie bis heute angehört. Seit 2014 ist Ulrike Roidl auch im Kreistag vertreten, war von 2008 bis 2020 2. Bürgermeisterin von Schwandorf.

Sie habe bei ihrem Engagement immer auf den Rückhalt ihres Mannes zählen können, sagt Ulrike Roidl und betont, dass es die Unterstützung der Familie brauche. Denn sie habe anfangs den Zeitaufwand unterschätzt. Es gebe ja nicht nur die Sitzungstermine, man müsse sich vorbereiten und bei Vereinen und vielen Terminen sehen lassen. „Da kommt schon ein ganzes Paket dazu.“ Sie habe aber schnell festgestellt, dass ihr die Arbeit Spaß mache und sie immer als sehr bereichernd empfunden. Die erfahrende Kommunalpolitikerin räumt aber aber ein, dass es auch frustrierende Momente gebe. Dass Frauen nicht automatisch Frauen wählen, könne sie nicht nachvollziehen.

Dass die Frauenquote in politischen Gremien sogar rückläufig sei, führt die 67-Jährige auch auf die aktuelle politische Lage mit Zugewinnen der Rechten und der konservativen Lager zurück.

„Auf jeden Fall machen“ lautet dennoch ihr Appell an Frauen, die überlegen, sich politisch zu engagieren. Es sei etwas Tolles, wenn man die Stadt, in der man lebe, mitgestalten könne. Frauen seien oft diplomatischer und fleißiger und auch nicht so auf Konfrontation ausgelegt. „Ich würde mir schon wünschen, dass mehr junge Frauen in die Politik gehen.“

Heike Faltermeier zieht als Bürgermeisterin die Fäden in Bruck

Sie sei politisch schon immer interessiert gewesen, sagt Heike Faltermeier. Wie der Opa und der Papa fand sie in der CSU ihre politische Heimat und wurde 2014 in den Brucker Marktrat gewählt. 2020 setzte sie sich dann bei der Bürgermeisterwahl durch. Das habe am Anfang nicht jedem so gepasst, dass jetzt eine Frau an der Spitze des Marktes steht. „Aber man darf sich nicht unterkriegen lassen, muss mutig seinen Weg gehen“, so Faltermeiers Rat. Dann komme man an den Punkt, dass man akzeptiert werde. Die 53-Jährige ist der Meinung, dass Frauen etwas strukturierter arbeiten, eine andere Sichtweise und in bestimmten Bereichen auch mehr Erfahrung mitbringen als Männer. „Die Mischung macht‘s“, ist sie überzeugt und wünscht sich mehr Frauen in der Kommunalpolitik, die die Basis unserer Demokratie sei.

Voraussetzung sei aber, dass man sich behaupten könne und darüber im Klaren sei, dass dieses Engagement sehr zeitintensiv sei. „Die Familie muss das mittragen“, betont Heike Faltermeier und kann auf ihren Mann und die beiden mittlerweile erwachsenen Kinder zählen. Als Bürgermeisterin lebe sie für dieses Amt. „Frauen neigen immer dazu, alles hundertprozentig machen zu wollen“, sagt die 53-Jährige. Es würden aber oft auch höhere Ansprüche von außen an Frauen gestellt.

Ulrike Pelikan ist eine feste Stütze im Wackersdorfer Gemeinderat

Bei ihrem ehrenamtlichen Engagement im Elternbeirat oder Verein kam Ulrike Pelikan als junge Mutter immer wieder an Punkt, an dem sie Dinge nicht mehr selbst ändern konnte, sondern an den Gemeinderat abgeben musste. Das sei für die 46-Jährige die Initialzündung gewesen, sich politisch zu engagieren. Zeitweise habe sie sogar überlegt, eine Liste „Frauen für Wackersdorf“ zu gründen, entschied sich dann aber für die Grünen und hob den Ortsverband Wackersdorf-Steinberg am See mit aus der Taufe. Seit 2020 ist sie Mitglied im Wackersdorfer Gemeinderat und im Kreistag.

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Tina Winklmann habe sie unterstützt und gefördert, und so versucht auch Ulrike Pelikan, Frauen für die Kommunalpolitik zu motivieren. Dabei höre sie oft, „ich traue mir das nicht zu.“ Frauen seien viel vorsichtiger als Männer, dabei beträfen Frauenthemen die ganze Gesellschaft. „Aber glauben sie wirklich, dass ein rein männliches Gremium Frauenthemen auf dem Schirm hat? Das ist nicht so“, so die 46-Jährige. Man brauche keine Angst zu haben, könne sich in alles einarbeiten.

Der Schritt in die Kommunalpolitik habe sich für sie gelohnt, bilanziert Ulrike Pelikan und lobt die gute Zusammenarbeit im Gemeinderat. Sie habe den Eindruck, dort gehört zu werden, und auch im Kreistag erfolgreich Anträge gestellt. Als „fatal“ bezeichnet sie es dagegen, dass Frauen keine Frauen wählen. In dem Bewusstsein, „dass letztlich alles politisch beeinflusst und gesteuert ist, kommt man nicht umhin, sich einzubringen und seine Rechte an den entsprechenden Stellen einzufordern.“

Verena Obermeier ist neu im Bodenwöhrer Gemeinderat dabei

Im Februar 2024 rückte Verena Obermeier (Freie Wähler) in den Bodenwöhrer Gemeinderat nach. Damit wurde die 31-Jährige „von der Ausführenden zur Gestaltenden“. Denn die studierte Diplomverwaltungswirtin arbeitet bei der Regierung von Oberbayern im Sachgebiet Verbraucherschutz und Pharmazie. Vor gut fünf Jahren kam die Freie Wählergemeinschaft auf Verena Obermeier zu, ob sie sie bei der Öffentlichkeitsarbeit unterstützen könne. Nach der Zusage stand sie auch bald vor der Frage, ob sie für den Gemeinderat kandidieren wolle. Die 31-Jährige ist heute auch Vorsitzende des Kreisverbands der Jungen Freien Wähler.

Als Frau habe man es in der Politik „nicht schwerer, aber es ist anders, weil man vielleicht höhere Ansprüche an sich selbst stellt“, so Verena Obermeier. Es sei schon ein Prozess, bis man in die Aufgaben hineinwachse. Sie fühlt sich dort aber mittlerweile so angekommen, dass sie sich 2026 auch eine Bürgermeisterkandidatur vorstellen könnte. Man müsse sich in der Kommunalpolitik „ein dickes Fell zulegen. Da ist man als Frau manchmal sensibler oder harmoniebedürftiger.“ Dies könne man aber nicht immer erreichen. „Aber nichts tun, das ist der falsche Weg.“ Anpacken statt immer nur meckern, „das würde ich mir von vielen wünschen.“

Verena Obermeier (FW) rückte 2024 in den Bodenwöhrer Gemeinderat nach. Foto: lc, Archiv
Ulrike Roidl (SPD) arbeitet im Schwandorfer Stadtrat und im Kreistag mit. Foto: Roidl
Ulrike Pelikan (Grüne) ist als Gemeinde- und Kreisrätin engagiert. Foto: Anton Roßmann