BayWa schließt Agrar-Standort Schwandorf: Nur die Energiesparte an der Bellstraße bleibt

Von Hubert Heinzl · 2. April 2025 um 15:00

Nun also doch: Die BayWa dünnt ihr Vertriebsnetz auch im Landkreis Schwandorf aus. Betroffen ist der Standort der BayWa Agrar an der Bellstraße in der Großen Kreisstadt. Zum Ende des Jahres sollen hier die Lichter ausgehen. Leidtragende sind vor allem die Landwirte aus der Umgebung.

Wie berichtet, hatte der Münchner Agrarkonzern in den vergangenen Jahren einen rasanten Expansionskurs eingeschlagen, war dadurch aber in finanzielle Schieflage geraten und schließlich hoch verschuldet. Ende 2024 wurde ein Sanierungsprogramm mit drastischen Einschnitten aufgelegt: 1300 von 8000 Arbeitsplätzen sollen abgebaut und 26 von 400 Standorten dicht gemacht werden.

BayWa: Erste Runde der Standortschließungen

Nun ist bei den geplanten Streichungen die erste Runde eingeleitet worden. Ende vergangener Woche wurden die Beschäftigten an zehn Ablegern der BayWa Agrar in Süddeutschland darüber informiert, dass ihr Standort keine Zukunft mehr hat. Auf der Liste findet sich auch der Standort an der Schwandorfer Bellstraße wieder. Wirksam werden soll die Schließung nach Angaben eines Unternehmenssprechers hier zum 31. Dezember.

Die Energiesparte mit der Tankstelle und dem Holzpellet-Vertrieb auf dem Betriebsgelände im Stadtsüden soll nach seinen Worten aber weiter präsent sein. Auch der BayWa Bau- und Gartenmarkt an der Max-Planck-Straße gleich um die Ecke ist von den Plänen nicht betroffen. Das Betriebsgelände der Sparte Agrar mit einer Fläche von rund 13.000 Quadratmetern soll langfristig verkauft werden. Aktuell gebe es keine Pläne seitens der BayWa, die vorhandenen Gebäude abzureißen, teilte das Unternehmen mit.

Kündigungen werden nicht ausgesprochen

Kündigungen wurden im Zusammenhang mit der beabsichtigten Schließung nicht ausgesprochen. Den Mitarbeitern in Schwandorf sei eine Weiterbeschäftigung an benachbarten Agrar-Standorten angeboten worden, hieß es aus der Konzernzentrale in München. Im Landkreis Schwandorf sind dies die verbliebenen Agrar-Zentren in Neunburg und Wernberg-Köblitz, genannt wurde aber auch der BayWa-Ableger in Amberg.

Grund für die Schließung in Schwandorf ist nach den Worten des Konzern-Sprechers, dass der Standort „leider unrentabel“ sei. Weitere Details nannte er nicht. Josef Irlbacher, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV) aus Grubhof bei Nabburg, sprach auf Anfrage von einem möglichen Nachteil durch die Biogasanlagen im Schwandorfer Stadtgebiet. Bei der Anlieferung von Getreide hätten diese der BayWa zunehmend Konkurrenz gemacht.

BBV sieht Konkurrenz durch Biogasanlagen

BBV-Kreisgeschäftsführer Josef Wittmann hat eine ähnliche Einschätzung. Der Getreideanbau im Raum Schwandorf sei in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Stattdessen setzten die Landwirte zunehmend auf Mais oder Ackergras – „Futter für die Biogasanlage“, wie es Wittmann formuliert. Viele Betriebe hätte auch die Viehhaltung aufgegeben – nicht ohne Folgen für die Umsätze des Agrarkonzerns vor Ort. Der bauliche Zustand am Standort SAD könnte ebenso bei der Entscheidung eine Rolle gespielt haben, vermutet Wittmann.

Das Aus für den Agrar-Betrieb in Schwandorf ist nach seinen Worten vor allem für kleinere und mittlere landwirtschaftliche Betriebe „ein harter Einschnitt“. Bisher könnten sie sich flexibel vor Ort mit Saatgut, Pflanzenschutzmitteln oder Viehsalz eindecken. Künftig würden die Wege weiter, was Sprit, aber auch Zeit koste. Die Landwirte im Landkreis-Süden dürften sich nach seiner Einschätzung eher zum Standort Regensburg-Osthafen orientieren als Richtung Knölling oder Weidenthal, wo es weitere Anbieter und Anlaufstellen gebe.

Ein weiteres Problem sieht Wittmann in den produzierten Mengen. Größere Betriebe könnten schon einmal einen Laster voll mit Getreide auf den Weg schicken – bei kleineren Höfen sei der Ertrag dafür zu gering. Umgekehrt fehlten hier häufig die Lagermöglichkeiten vor Ort. Der BBV-Kreisgeschäftsführer geht davon aus, dass sich Kleinbetriebe künftig vermehrt zusammentun und Dünger oder Futtermittel gemeinsam bestellen und dann auf die einzelnen Höfe verteilen müssen. Auch der Direkthandel zwischen den Landwirten werde zunehmen, sagt er.

Entwicklung macht dem Verband Sorge

Wittmann betrachtet die Ausdünnung des BayWa-Vertriebsnetzes mit Sorge. Die Möglichkeiten zur Vermarktung würden eingeschränkt und der Einkauf umständlicher. Früher habe es an mehreren Standorten in der Fläche alles aus einer Hand gegeben. Heute sei das anders: „Strecken von 30, 40 Kilometern gelten als zumutbar. Und die Landwirte müssen sich die Sachen zusammenklauben oder liefern lassen. Das ist keine gute Entwicklung.“

Anm. d. Red.: In einer früheren Version dieses Artikels wurde berichtet, dass nur die BayWa-Tankstelle an der Bellstraße verbleiben würde. Diese Information wurde von der Redaktion zwischenzeitlich ergänzt. Zutreffender ist, dass neben der Tankstelle die gesamte Energiesparte am Standort Schwandorf bestehen bleibt. Dazu gehört beispielsweise auch der Verkauf von Holzpellets.