Weidepflicht macht Biobauern im Landkreis Schwandorf Sorgen: Nicht überall umsetzbar

Von Vanessa Ebert · 19. März 2025 um 11:00

Der Bayerische Bauernverband schlägt Alarm: Zahlreiche Biolandwirte mit Pflanzenfressern würden aufgrund von EU-Vorgaben ihren Ausstieg aus dem Ökolandbau vorbereiten. Auch im Landkreis Schwandorf bangen Betriebe um ihre Existenz als Biohof.

Die EU-Vorgabe ist in Deutschland so ausgelegt worden, dass künftig alle Tiere einer Öko-Landwirtschaft auf der Weide gehalten werden müssen. „Das stellt die Betriebe der Region vor große Herausforderungen“, erklärt Josef Wittmann, der die Geschäftsstellen Regensburg und Schwandorf des Bayerischen Bauernverbandes leitet. Zwar komme die Vorordnung keineswegs überraschend, die Entwicklung sei seit längerem absehbar gewesen. „Doch die Tatsache, dass diese nun so schnell umgesetzt werden muss, stößt den Betrieben sauer auf“, sagt Wittmann.

Schon 2007 hatte die EU Vorgaben für die ökologische Landwirtschaft erlassen. Darin heißt es, dass alle Tiere einen Zugang zum Freigelände haben sollen. Nachdem die Bundesländer daraufhin eine generelle Weidepflicht für Pflanzenfresser im Ökolandbau anerkannt haben, soll die Umsetzung nun schnell gehen.

Im Dorf ist wenig Platz

„Gerade Betriebe mit langer Tradition, die sich in einem dörflichen Umfeld befinden, haben mit einer generellen Weidepflicht Probleme“, führt Wittmann aus. In solchen Fällen gäbe es schlicht nicht die Möglichkeit, alle Tiere täglich auf die grüne Wiese zu bringen.

Das bestätigt auch Martin Prey, ein überzeugter Biobauer. Er betreibt den Haberlhof in Niedermurach, bietet Fleisch als Direktvermarkter an. Sein Vater Martin Prey (sen.) stellte den Hof schon 1998 auf Biobetrieb um – zu einer Zeit, als die Abkehr von der konventionellen Landwirtschaft noch als exotisch galt. Wenn die Pflicht zur Weidehaltung in der diskutierten Form kurzfristig umgesetzt werden muss, sieht Prey keine Zukunft mehr als Öko-Betrieb. „Dann müsste ich die Bio-Landwirtschaft an den Nagel hängen“, sagt er.

Ein Teil der Tier könnte auf die Weide

Sein Hof liegt mitten im Dorf. Einen Teil der Jungtiere könnte er auf die Weide treiben, für sämtliche Tiere sei das jedoch nicht umsetzbar. „Es wäre ein enormer Zeitaufwand, die Tiere zu den Wiesen zu bringen und wieder abzuholen“, sagt Prey. Zum anderen seien aber auch Sicherheitsaspekte zu bedenken, da die Tiere öffentliche Straßen überqueren müssten. Eine verkehrsrechtliche Erlaubnis dafür habe der Landwirt auf einen Antrag ohnehin nicht erhalten.

Prey bemängelt, dass dem Verbraucher ein allzu idyllisches Bild von zufrieden grasenden Tieren auf der Weide vermittelt wird. An Parasitenbefall, regelmäßig erforderliche Entwurmgen und die Gefahr von Infektionen, die durch Stechmücken übertragen werden, müsse dabei genauso gedacht werden.

Prey hofft nun auf „realisitischere Regelungen für Betriebe, die eine Weidepflicht nicht umsetzen können.“ Außerdem fordert er längere Übergangsfristen. „Wenn die EU-Verordnung bis 2030 umgesetzt werden muss, dann können wir einen neuen Stall planen und bauen“, sagt er. Kurzfristig sei so ein Projekt jedoch schwer stemmbar. Prey kritisiert, dass die EU-Vorgabe hierzulande strenger ausgelegt wurde, als notwendig.

Dachverband stetzt sich für Betriebe ein

Dafür, praxisnähere Regelungen zu finden, setzt sich auch der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft e. V. (BÖLW) ein. Als Dachverband der Bio-Branche vertritt dieser die Forderungen nach flexibleren Weidevorgaben, längeren Übergangszeiträumen und mehr Flexibilität innerhalb des bestehenden EU-Rechts.

Die Weidepflicht ist indes auch für Betriebe eine Herausforderung, die außerhalb solcher engen dörflichen Strukturen angesiedelt sind. Florian Doll führt zusammen mit seiner Familie einen Biohof in Nittenau. Der regelmäßige Auslauf für seine Schweine, Schafe, Pferde und Geflügel gehört, wie der Landwirt erklärt, seit vielen Jahren zum Konzept. Platz gibt es rund um den Einödhof ebenfalls genug. Dennoch stellt die Verordnung den Betrieb vor große Herausforderungen.

Nährstoffarme Böden sind ein Problem

Die Mutterschafe stehen bei den Dolls ohnehin auf der Weide, doch künftig muss auch für die Mastschafe eine Weidemöglichkeit geschaffen werden. „Das ist gar nicht so einfach“, sagt der Jungbauer. Der Boden rund um den Hof ist nährstoffarm. „Das bedeutet, dass wir Kraftfutter zufüttern müssen“, erklärt Doll. „Das darf aber aufgrund der Auflagen des Vertragsnaturschutzprogrammes nicht auf der Weide passieren“, sagt er.

Auch sei es generell schwierig, weitere Weidemöglichkeiten zu schaffen. Wegen der Gefahr, Tiere könnten sich über Wildschweine mit der Schweinepest infizieren, ist der Hof umzäunt. Um zur Weide zu gelangen, müssten auch Tiere über eine Durchgangsstraße getrieben werden. Gut 20 Minuten Mehrarbeit werde täglich auf ihn zukommen, schätzt er. Ans Aufhören hat Doll bei allen Schwierigkeiten trotzdem nie gedacht. „Wir sind überzeugte Biobauern“, sagt er. „Wir müssen das lösen.“

140 Ökobetriebe

Im Landkreis Schwandorf gibt es derzeit laut Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Regensburg-Schwandorf (AELF) rund 1800 landwirtschaftliche Betriebe. Davon betreiben etwa 140 ökologischen Landbau. Nicht alle aber sind Viehhalter.

„Definitiv stellt die Weidepflicht viele Betriebe vor große Herausforderungen,“ teilt das AELF auf Anfrage der MZ mit. Wirtschaftlich sei es nicht sinnvoll, auf die Ökoprämie zu verzichten, aber weiter nach Ökostandards zu arbeiten. Der Ertrag wäre deutlich geringer, es müsste aber zu niedrigeren konventionellen Preisen verkauft werden. Das trifft laut AELF dann gerade die Betriebe schwer, die schon in zweiter Generation „bio“ sind, und das auch aus Überzeugung.

Auch Umstellung birgt Herausforderungen

Mit einer Umstellung würden sie außerdem wieder vor einer neuen Herausforderung stehen: Die Fruchtfolge verändert sich. Auch der Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln erfordert Erfahrung.