Bedrohen neue Tennisplätze im Regensburger Westen eine Frischluftschneise?

Von Juliana Ried · 1. April 2025 um 21:00

Der Regensburger Tennis-Club soll neben der Autobahn neue Spielmöglichkeiten bekommen – obwohl die Fläche im Landschaftsschutzgebiet ist. Die Grünen im Stadtrat stimmten gegen die Versiegelung des Grundstücks.

Platz für Sport jeder Art ist in Regensburg hart umkämpft, das bekam in den vergangenen Jahren auch der im Stadtwesten ansässige Regensburger Tennis-Klub (RTK) zu spüren. Er hat gut 800 Mitglieder, aber mit sieben Plätzen im Freien deutlich weniger Trainings- und Spielmöglichkeiten als bei anderen Vereinen üblich, so schildert es Vorsitzender Markus Wilfurth. Seit 2019 bemüht sich der RTK um zusätzliche Plätze. Am Dienstag hat der Umweltausschuss des Stadtrats erlaubt, dass die Stadt dafür eine Ausnahmegenehmigung für einen Bau im Landschaftsschutzgebiet erteilt.

Entstehen sollen drei Plätze im Weinweg nahe der A93, gegenüber der Bischof-Manfred-Müller-Schule. Dort erlaubt der Bebauungsplan zwar eine Sportanlage. Allerdings liegt das Grundstück im Landschaftsschutzgebiet „Donautallandschaft mit den Winzerer Höhen“, wo die Errichtung von Tennisplätzen – und anderen Bauten, „die geeignet sind, die Natur zu schädigen“ – grundsätzlich verboten ist, so steht es in der Beschlussvorlage für die Stadträte. In ihrer neuen Klimaanalyse räume die Stadt der Fläche „besondere Bedeutung für die Kaltluftproduktion“ ein, heißt es dort auch.

Letzte Fläche in der Reihe, die noch nicht zugebaut ist

Bei der Fläche handle es sich allerdings um die „letzte in der Reihe“, die noch nicht zugebaut ist, das betonte Umwelt-Bürgermeister Ludwig Artinger (Freie Wähler) in der Sitzung des Umweltausschusses. Derzeit werde sie „illegal als Parkplatz genutzt“. In der Zeile am Weinweg seien zig Gebäude, von der Campinganlage bis zum Container-Kindergarten; für den erteilte der Umweltausschuss gestern einstimmig eine Ausnahmegenehmigung. „Das Einzige, was in dem ganzen Streifen nicht verbaut ist, sind diese 3000, 4000 Quadratmeter.“ Dazu komme: „Ein schlichter Tennisplatz am Boden kann schlecht irgendwelche Schneisen unterbrechen.“ Die geringfügige Erhöhung der Temperatur, die die Versiegelung auslösen könne, sei angesichts der Strömungsmächtigkeit der Kaltluft zu vernachlässigen, deshalb sei dazu auch kein Gutachten eingeholt worden. „Ich finde, der Geburtsfehler ist, dass man diese Fläche nicht herausgenommen hat aus dem Landschaftsschutzgebiet.“ Es habe „nicht diese Wertigkeit“ wie die Winzerer Höhen.

Die Frage, ob im von der Regierung ausgewiesenen Landschaftsschutzgebiet gebaut werden darf, ist eine Abwägungsentscheidung. Sowohl Artinger als auch Sport-Bürgermeisterin Astrid Freudenstein (CSU) halten das öffentliche Interesse am Bau der Tennisplätze für „überwiegend“. Dafür spricht aus ihrer Sicht, dass der Bedarf des Vereins deutlich höher sei als das derzeitige Angebot. Rechnerisch teilten sich 123,3 Mitglieder einen Platz, was sehr weit über der durchschnittlichen Auslastung deutscher Tennisklubs von 43,2 Mitgliedern pro Platz liege. Alternative Flächen stünden nicht zur Verfügung.

Breite Mehrheit für Tennisplätze im Landschaftsschutzgebiet

Im Umweltausschuss sprach sich eine breite Mehrheit für die Tennisplätze aus. Hans Holler (SPD) sagte, bei der Fläche handle sich um eine „ganz schlechte Wiese, die als Parkplatz genutzt wird“. Brücke-Fraktionschef Joachim Wolbergs betonte: „Da ist nichts mehr zu schützen.“ CSU-Fraktionschef Michael Lehner sagte, seine Fraktion sei sehr froh, dass die Sache nach mehreren Jahren einen „krönenden Abschluss“ finde, nur ein paar hundert Meter vom Vereinsheim entfernt. Auch Astrid Lamby von der ÖDP, die sich stets für möglichst wenig Versiegelung einsetzt, stimmte nach Artingers Ausführungen zur Frischluftschneise dem Vorhaben zu. Es sei im Sinne der ÖDP, „dass ich Freizeitmöglichkeiten vor Ort habe“. Christian Janele (Christlich-Soziale Bürger) erkundigte sich nach Ersatz-Parkplätzen; die wird es nicht geben.

Die Grünen und Politkünstler Jakob Friedl (Ribisl-Partie) votierten gegen die Ausnahme. Grünen-Fraktionschefin Maria Simon sagte, die Kaltluftproduktion sei „genauso wichtig“ wie der Sport. Friedl führte aus, er könnte dem Vorhaben zustimmen – wenn es „ambitionierter“ wäre in Sachen Grün. Auch der Bund Naturschutz lehnt die Tennisplätze als „Wärmequelle“ ab, wie Helmut Kangler sagt.

RTK-Vorsitzender Wilfurth sagte nach der Sitzung: „Wir sind sehr zufrieden und erleichtert.“ Seit 2019 müsse er seine Mitglieder schon „hinhalten“. Die fehlenden Plätze beeinträchtigten besonders den Wettspielbetrieb. „Ganz viele können nicht spielen.“ Das soll sich nun bald ändern.

Auch der Container-Kindergarten im Weinweg steht im Landschaftsschutzgebiet. Foto: Tino Lex