Viel Aufregung um nichts? Autobahn-Blockade in Regensburg hat kaum Auswirkungen

Manchmal müssen auch Aktivisten früh aufstehen: Am Dienstagmorgen ab 6 Uhr blockierte rund ein Dutzend Klimaschützer die Auffahrt der A3 in Richtung Nürnberg an der Anschlussstelle Universität Regensburg. Während die Stimmung vor Ort relativ entspannt war, ging im Netz die Post ab.
Einer der Teilnehmer war früher Teil der Letzten Generation und deren prominentestes Gesicht in Regensburg. Inzwischen tritt er in Sachen Aktivismus deutlich kürzer. Warum er die Demo anmeldete, erklärte er in einer kurzen Ansprache. Vor einigen Tagen sei er wegen mehrerer Straßenblockaden mit der ehemaligen Letzten Generation zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Das finde er nicht fair. „Ich finde es scheiße, wenn Proteste verfolgt und kriminalisiert werden.“ Die Gestaltung von Politik dürfe nicht durch Lobbyarbeit und Geld möglich sein – Demonstrationen seien gelebte Demokratie. „Jeder Mensch sollte demonstrieren dürfen. Wofür und wie er möchte – sofern das im gesellschaftlichen Einklang steht.“
Demo an Regensburger Autobahn: Kritik an Justiz
Das sei bei der Blockade der Fall, so der Aktivist. Schließlich habe die Stadt sie nicht unterbunden. Es habe sich über die Jahre gezeigt, dass man Debatten mit ein wenig Sticheln größer machen könne. „Deshalb stören wir. Das muss eine Demokratie aushalten können.“ In seinen Augen gehe die Justiz unverhältnismäßig hart gegen Klimaproteste vor. Öl-Unternehmen dürften dagegen schalten und walten, wie sie wollen. „Die Zerstörung unseres einzigen Heimatplaneten ist legal. Protestieren ist anscheinend illegal.“
Die Verurteilung habe ihn vergangene Woche derart genervt, dass er kurzerhand eine Demo angezeigt habe. Eine Staatsanwältin habe argumentiert, dass die Demonstrationen von Bauern vor rund einem Jahr deshalb nicht juristisch verfolgt werden, weil diese ihre Kundgebungen stets angezeigt hätten. Diesen Weg habe er nun auch beschritten, sagte der Aktivist – und die Stadt hatte nichts dagegen. Sie erließ nur eine Reihe von Beschränkungen. Das habe ihn durchaus überrascht. „Ein Stück weit war die Demo auch ein Versuch.“ Er habe vor einigen Jahren schon einmal etwas Ähnliches probiert, da habe die Stadt ihr Veto eingelegt. „Scheinbar ist es jetzt in Ordnung.“ Natürlich spiele die Demo auch mit dem Datum. „War das ein Aprilscherz?“ Zum Teil ja, beantwortete sich der Aktivist die Frage selbst. „Ich habe zum Beispiel keinen 60 Meter langen Ölbohrturm dabei.“ Das hatte er zuvor angekündigt. „Aber wir sind jetzt hier. Das war also kein Scherz.“
Die Polizei sicherte die Demonstration ab. Die Auffahrt zur Autobahn war von kurz nach 6 Uhr bis etwa 8.30 Uhr gesperrt – allerdings nicht durchgängig. Einmal in der Stunde verließen die Aktivisten die Straße, um den Verkehr abfließen zu lassen. Das war in der Regel allerdings nicht nötig. Es bildete sich kein Stau, die Autofahrer fuhren weiter zur Anschlussstelle Burgweinting. Insgesamt lief die Demo völlig entspannt. Die Polizei berichtete nicht von Zwischenfällen gleich welcher Art.
Demonstration bei Regensburger Autobahn: Gegenwind im Netz
In den sozialen Medien sah das ein wenig anders aus. Die Aktivisten seien Verbrecher hieß es dort beispielsweise. Andere schrieben, es handele sich bei den Protestierenden um Terroristen. Wieder andere forderten, die Menschen „einzusammeln“ und ihnen Geldstrafen aufzubrummen. Während wenige Nutzer durchaus Verständnis für die Intention der Demonstranten zeigten, dafür allerdings die Form der Kundgebung kritisierten, ergingen sich manche in Gewaltfantasien. Viele forderten, die Menschen „kleben zu lassen“. Dabei setzen Klimaaktivisten seit geraumer Zeit nicht mehr auf Sekundenkleber.
Ein Mann verlangte, den Aktivisten Abführmittel zu verabreichen. Ein anderer Nutzer ergänzte, man solle „Presse und Fernsehen“ vor den Aktivisten positionieren, wenn die Wirkung des Mittels einsetze.
Von derlei Verwünschungen war vor Ort nichts zu hören. Ein paar wenige Autofahrer hupten. Eine Handvoll rief den Aktivisten etwas zu. Einer der Demonstranten quittierte das mit einem Lächeln und einem Schulterzucken. „Das übliche halt.“ Gegen 8.30 Uhr löste sich die Demonstration auf.


