Narkose an Hund, Katze oder Meerschweinchen: Das müssen Tierhalter aus Neumarkt wissen

Irgendwann kommt jeder Tierhalter in die Situation, dass der Tierarzt bei seinem Liebling eine Untersuchung oder Operation in Narkose anrät. Was sind Chancen, was die Risiken? Darüber informieren die Neumarkter Tierärztinnen Dr. Karen von Trauwitz und Imke Roßmeil informieren in ihrer aktuellen Ausgabe ihrer Tierarzt-Kolumne.
Eine Narkose ist für uns alle erstmal eine sehr zwiespältige Angelegenheit. Aber eine Kastration, Zahnbehandlung oder Wundversorgung ist ohne Betäubung nicht möglich, da das Tier nicht stillhält und somit eine sterile und ordentliche Arbeit des Tierarztes nicht möglich wäre – ganz abgesehen von den Schmerzen, die das Tier ohne Narkose ertragen müsste.
In den letzten Jahren hat sich das Narkoserisiko erheblich vermindert. Da immer neuere und schonendere Narkosemittel auf den Markt kommen, hat der Tierarzt die Möglichkeit, das beste Medikament für ihren Vierbeiner auszuwählen. Die Dosierung kann sehr gut an den jeweiligen Patienten individuell angepasst werden, dadurch ist die Narkose besser steuerbar. Ein langer Narkosenachschlaf nach dem Eingriff entfällt meist.
Meerschweinchen dürfen fressen, Hunde und Katzen nicht
Am Tag der Narkose müssen Hunde und Katzen nüchtern sein, Kaninchen und Meerschweinen dürfen bzw. müssen vor Eingriffen fressen, damit ihr Verdauungssystem nicht zum Erliegen kommt. Hund oder Katze sollten am Vorabend nach 18 Uhr kein Fressen mehr bekommen. Wasser darf die ganze Zeit zur Verfügung stehen, auch kurz vor der Narkose.
Bei Hunden empfehlen wir den Tierhaltern meist bis zum Eintritt der Narkose bei ihrem Tier zu bleiben, da das Nähe und Sicherheit vermittelt. In den meisten Fällen wird der Tierarzt eine Einleitung der Betäubung über einen Venenkatheter empfehlen. Dabei wird das Narkosemittel direkt in den Blutbahn injiziert. Bei kleineren Eingriffen wie Zahnsanierungen oder Röntgenaufnahme kann das Tier durch Nachdosieren in einem Dämmerschlaf gehalten werden.
Sollte ein längerer Eingriff bevorstehen, wird das Tier durch einen Beatmungsschlauch an ein Inhalationsgerät angeschlossen. Durch Zugabe von Narkosegas und Sauerstoff wird dadurch ein stabiler Narkoseschlaf erreicht. Eine weitere Möglichkeit der Anästhesie ist die Injektion des Narkosemittels in den Muskel. Diese Art der Narkose ist nur begrenzt zu steuern und wird deshalb eigentlich nicht mehr empfohlen. Je nach Aufwand erklären sich Unterschiede in den Kosten.
Tiere können gleich wieder mit dem Fressen beginnen
Bei Meerschweinchen, Kaninchen und Co. wird bei uns nur noch eine Inhalationsnarkose nach der Sedierung durchgeführt, da sie vom Organismus besser verarbeitet werden kann und die Tiere gleich wieder wach sind und mit dem Fressen beginnen können. Außerdem ist bei den modernen Mitteln eine „Aufwachspritze“ zu empfehlen.
Allerdings muss man bedenken, dass jede Narkose eine Belastung für den Kreislauf darstellt. Und jede Narkose ist mit einem gewissen Risiko verbunden: Zwischenfälle sind auch mit der modernsten und schonendsten Methode und der besten Überwachung nicht ausgeschlossen. Jede Narkose wird deswegen am besten von geschultem Personal überwacht. Atmung, Herzschlag und Narkosetiefe bedürfen einer ständigen Kontrolle, damit im Notfall sofort eingegriffen werden kann.
Während der Aufwachphase wird ihr Liebling durch Wärme, Zuwendung oder kreislauffördernde Infusionen unterstützt.
Junge und kräftige Tiere werden sich nach einer Narkose schneller erholen, meist schon am gleichen Abend. Bei alten und geschwächten Tieren kann die Erholungsphase einige Tage andauern. In seltenen Fällen treten nach operativen Eingriffen Blutungen und Infektionen auf. Meist muss das Tier nach zwei bis drei Tagen zur Wundkontrolle.