Experten-Tipps aus der Tierarztpraxis: Warum Hunde und Katzen im Alter besondere Pflege brauchen

Von Mittelbayerische Zeitung · 2. April 2024 um 15:00

Ihre Zähne werden schlecht, das Herz funktioniert nicht mehr so gut: Auch Haustiere haben im Alter mit vielen Wehwehchen zu kämpfen. Wie ihre Halter für diesen Lebensabschnitt vorbeugen können, erläutern die Neumarkter Tierärztinnen Karen von Trauwitz und Imke Roßmeil in der Kolumne „Tipps aus der Tierarztpraxis“.

Bakadi, ein 17 Jahre alter Mischlingshund, und Mimi, eine 20 Jahre alten Kätzin, sind trotz ihrer altersbedingten Wehwehchen heiß geliebte treue Begleiter ihrer Halter. Beide haben das Glück, dass sie Besitzer haben, die ihre Probleme nicht mit „das lohnt nicht mehr“ abtun. Sie haben ordentliche Zähne, sie bekommen die Medikamente, die sie benötigen und auch die entsprechende Pflege.

Viele Herrchen und Frauchen finden Ausreden

Leider ist das nicht die Regel. Immer wieder haben wir ältere Tiere, deren Besitzer sich leider nicht gut kümmern. Wir hören Sprüche, wie „das lohnt nicht mehr“, „der schafft ja keine Narkose mehr“, „der ist ja schon so alt“.

Das ist nicht in Ordnung! Unsere Senioren haben uns jahrelang Freude gemacht. Sie haben es nicht verdient, einen Lebensabend mit Schmerzen zu verbringen. Auch wenn sie unbequem und teuer werden, gehört das zum Halten eines Tieres dazu. Da gibt es keine nachvollziehbaren Ausreden. Jeder Halter hat Verantwortung für seine Tiere.

Schmerzen wegen kaputter Zähne sind tierschutzrelevant

Gammelige Zähne gehören inzwischen bei uns in der Praxis zur Tagesordnung! Ja, Zahnbehandlungen sind kein Schnäppchen, aber die Tiere haben mit solchen Mäulern extreme Schmerzen. Das ist tierschutzrelevant.

Erst kürzlich hat uns eine Besitzerin erzählt, dass ihre Katze seit der Zahnsanierung wieder wie ausgewechselt herumturnt mit ihren 17 Jahren. Vor etwas längerer Zeit haben wir einer fast 21-jährigen Katze die Zähne saniert, trotz Nieren-, Herzerkrankung und Schilddrüsenüberfunktion, weil sie einfach nicht mehr fressen konnte.

Völlig abgemagerte Katzen auf dem Behandlungstisch

Sie hat danach noch fast ein schmerzfreies Jahr gelebt. Jeder schmerzfreie Tag ist solch eine OP wert. Ein Tier wegen gammeliger Zähne einzuschläfern, die behandelt werden könnten, ist keine Option.

Eingewachsene Krallen oder komplett verfilztes Fell sind ebenfalls etwas, was wir bei älteren Tieren häufig sehen. Für uns ist „der lässt sich das nicht mehr gefallen“ keine gute Ausrede. In jeder Tierarztpraxis wird Tierhaltern und ihren Lieblingen in so einem Fall geholfen. Mit jemandem, der das Tier professionell festhält, lässt sich sowohl eine Daumenkralle schneiden, als auch mal ein kleiner Filz entfernen.

Es kommt auch vor, dass wir völlig abgemagerte Tiere auf dem Behandlungstisch haben, vor allem Katzen, denen man Wochen früher noch hätte helfen können, bei denen aber nach fünf Tagen ohne Fressen und Trinken jede Hilfe zu spät kommt.

Bei einem menschlichen Familienmitglied wartet auch niemand so viele Tage. Und ja, Gesundheitsvorsorge bei einem Tier kostet Geld, aber wir haben für unsere Tiere eine Verantwortung übernommen und diese muss auch wahrgenommen werden.

Mit regelmäßigen Untersuchungen langfristig vorbeugen

Schon eine tierärztlich Untersuchung pro Jahr kann auftretende Probleme im Keim ersticken. Bitte achten Sie also kontinuierlich auf Ihre Senioren: Sobald sich Gewicht oder (Fress-) Verhalten ändern, suchen Sie den Tierarzt auf, der nach gründlicher Untersuchung alle Optionen mit Ihnen bespricht. Ihr Tier hat es verdient.