Tipps aus der Tierarztpraxis: Damit Kaninchen keine Zahnschmerzen bekommen

Von Mittelbayerische Zeitung · 1. Mai 2024 um 19:00

Tierärzte sehen immer wieder Kaninchen mit verklebten Augen, Durchfall, verschmutzter Analregion, verfilztem Fell oder aufgeblähtem Bauch und Appetitlosigkeit. Das alles könnte eine gemeinsame Ursache haben, wie die Neumarkter Tierärztinnen Karen von Trauwitz und Imke Roßmeil in der Kolumne „Tipps aus der Tierarztpraxis“ erklären.

Unsere Hauskaninchen sind die direkten Nachkommen des europäischen Wildkaninchens. Diese lebten in kargen Steppenlandschaften und hatten die geniale Fähigkeit, sich an harte Nahrung anzupassen. Sie haben, ebenso wie andere Nagetiere, ein Leben lang wachsende Zähne und somit einen ausgeprägten Nagetrieb.

Zahnprobleme bei Kaninchen können sehr schmerzhaft sein

Bei den genannten Symptomen kann es sich also darum handeln: Das Kaninchen leidet unter einer Zahnerkrankung, die oft erst spät erkannt wird und sehr schmerzhaft, bis hin zur Einstellung der Futteraufnahme geht. Regelmäßige Kontrolle und artgerechte Ernährung ist hier die beste Vorbeugung.

Aber wie kommt es zur Zahnerkrankung bei Kaninchen? Durch das „Dauerfressen“ nutzen sich die ständig wachsenden Zähne ab. Die neuen Rassen mit niedlichen kurzen Ohren und kleinen Köpfen – die Zwergkaninchen – haben aber keinen ausreichenden Platz für die Backenzähne im Ober- und Unterkiefer. Kommt nun noch eine ungeeignete kalorienreiche Ernährung dazu, oder die Kleinen bekommen zu wenig Bewegung und Sonnenlicht, zieht das oft eine Störung des Stoffwechsels und die beschriebenen Symptome nach sich.

Wie entsteht eine Fehlernährung und Stoffwechselstörung?

Die Folgen sind dann Schmerzen, Entzündungen, Abszesse in den Kieferknochen und Weichteilen der Mundhöhle sowie schwerste Stoffwechselstörungen, die zum Tod führen können.

„Für einen gesunden Stoffwechsel braucht Ihr Liebling ausreichend Platz zum Toben und einen geschützten Freilauf mit Sonnenlicht.“ Karen von Trauwitz und Imke Roßmeil, Tierärztinnen

Wie entsteht eine Fehlernährung und Stoffwechselstörung? Wenn Sie Ihrem Kaninchen verschiedenes Futter zur freien Auswahl anbieten, wird es nur das fressen, was es mag. Dem Langohr schmecken die kohlenhydratreichen und süßen Bestandteile besser. Rohfasern und Mineralstoffe werden nicht aufgenommen und nachdem es sich dann an diesem Kraftfutter und den Leckerlis sattgefressen hat, wird es kaum noch Gras und Heu aufnehmen, um die Zähne ausreichend abzunutzen. Für einen gesunden Stoffwechsel braucht Ihr Liebling ausreichend Platz zum Toben und einen geschützten Freilauf mit Sonnenlicht.

Nur wenig Kohlenhydrate

Wie füttert man am Besten? Artgerechtes Futter wie Gras, Kräuter und Heu sollten genauso jederzeit zur Verfügung stehen wie frisches, sauberes Gemüse, Zweige von Obstbäumen, etwas Obst und Salat. Kohlenhydratreiche Kost wie trockenes Brot oder Getreide ist nicht das Richtige. Auch Kraftfutter sollte – wenn überhaupt – nur in Maßen gegeben werden.

Kaninchen-Halter können Zahnprobleme ihrer Tiere leicht erkennen: Die Schneidezähne sollten eine weiße, glänzende Oberfläche haben und gut aufeinanderpassen. Sie dürfen nicht so lang sein, dass sie den Maulschluss verhindern. Etwas problematischer sind die Backenzähne. Die lassen sich nicht so leicht erkennen.

Bei der Futterauswahl sehr wählerisch

Indirekte Anzeichen sind ein struppiges Fell, weicher Kot und Gewichtsverlust. Die kleinen Kerlchen werden dann bei ihrer Futterauswahl sehr wählerisch. Schwellungen entlang der Kieferknochen oder tränende Auge können auch ein Hinweis sein.

„Beugen Sie durch artgerechtes Futter Zahnschmerzen vor.“ Karen von Trauwitz und Imke Roßmeil, Tierärztinnen

Zur Behandlung der Zähne ist immer einer Narkose notwendig. Röntgen oder CT wird auch empfohlen. Vorbeugen ist immer besser als heilen. Wichtig sind also für ein gesundes und glückliches Kaninchenleben gesunde Zähne. Lassen Sie regelmäßig Ihren Tierarzt bei Routineuntersuchungen, am besten halbjährlich oder bei der Impfung, die Beißerchen Ihres Kaninchens kontrollieren und beugen Sie durch artgerechtes Futter Zahnschmerzen vor.