Regensburger Klo-Farce: Weiter keine Toilette für 1000 Gäste im Welterbe-Besucherzentrum

Es bleibt dabei: Für die an Spitzentagen bis zu 1000 Touristen im Welterbe-Besucherzentrum im Salzstadel in Regensburg steht kein Klo zur Verfügung – obwohl es Toiletten vor Ort gäbe.
Auch wenn am Montag noch Mützen-Wetter herrschte: Der Frühling kommt bald und mit warmer Wucht – und mit ihm ein Strom an Touristen in die Welterbe-Stadt. „Der 1. April ist immer so ein kleiner Aufbruch“, sagt Susanne Völkl zum Datum des heutigen Tages.
Für die Chefin des Personenschifffahrt-Unternehmens Klinger beginnt an diesem Tag nicht nur die Saison der Strudel- und Walhallafahrten, als Aktivposten im Arbeitskreis Schifffahrts-Museum Regensburg freut sie sich auch auf die Wiedereröffnung des Brückturm-Museums. Dieses ist über den Salzstadel zu erreichen – und dort blieb ein leidiges Thema über die gesamte Winterpause ungelöst.
Es geht um die Frage, ob die in Hochzeiten bis zu 1.000 Touristen im Welterbe-Besucherzentrum dort auch aufs Klo gehen können.
Vertragliche Lösung dauert
Im zweiten Stock des Salzstadels befindet sich eine Toiletten-Anlage, die den von der Regensburg Tourismus GmbH (RTG) vermarkteten Veranstaltungssälen zugeordnet ist. Bis Anfang des vergangenen Jahres konnte sie auch von den Gästen den Welterbe-Besucherzentrums und des Brückturm-Museums mitgenutzt werden, bis sie die Stadt wegen Überbeanspruchung für die Öffentlichkeit geschlossen hat.
Anlässlich der Museumsöffnung ist ab heute wenigstens wieder die Treppe hinauf zum Klo frei begehbar. Ob die Anlage selbst auch aufgesperrt wird, weiß Völkl nicht. „Ich habe davon nichts gehört. Aber das muss nichts heißen. Der Herr Janele müsste es wissen“, verweist sie an CSB-Stadtrat Christian Janele.
Dieser hatte das kuriose Thema im Vorjahr auf die politische Ebene gehievt. „Man muss Lösungen finden“, meinte daraufhin Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer in einer Stadtratssitzung Ende September und stellte die Ausarbeitung eines vertraglichen Konstrukts mit der RTG in Aussicht. Die Zielsetzung war, dass die Stadt in Zeiten ohne Veranstaltungen das Klo im Salzstadel wieder nutzen kann.
„Seither habe ich nichts mehr von dem Thema gehört“, sagt Janele. Aus diesem Grund habe er kürzlich im Stadtrat eine Nachfrage gestellt. Antwort: Das Thema sei in Bearbeitung. „Das kennt man ja, wenn bei uns etwas in Bearbeitung ist“, lästert Janele und zieht folgende Schlussfolgerung: „Jetzt geht die Touristen-Saison wieder los, doch es ist nichts passiert. Ich bin maßlos enttäuscht. Es kann doch nicht so schwer sein, eine Regelung für die Benutzung und Reinigung dieser Toiletten zu treffen.“
Auch Andrea Gallersdörfer, Vorsitzende vom Regensburger Gästeführer-Verband Kulttouren, ahnt, dass sich seit Herbst nichts getan hat. „Uns wurde zwar gesagt, dass an dem Thema gearbeitet wird. Aber ein konkretes Signal haben wir nicht bekommen“, beschreibt sie die Situation kurz vorm Saisonstart.
Nur bei Veranstaltungen offen
Mitte März war Gallersdörfer bei der Gästeführertagung des Bundesverband der Gästeführer in Deutschland (BVGD) in Quedlinburg. Dabei hat sie die Erfahrung gemacht, dass öffentliche Toiletten auch für viele Kollegen aus anderen Städten ein heißes Eisen sind. „Das ist überall ein Thema – doch nirgendwo sonst ist es so schlecht gelöst wie bei uns“, lautet ihr Eindruck.
Dieser täuscht zumindest im Hinblick auf den Salzstadel nicht. Denn die Stadt bestätigt, dass es die vor einem halben Jahr in Aussicht gestellte Lösung noch nicht gibt. „Die Toiletten stehen aktuell nach wie vor ausschließlich bei Veranstaltungen zur Verfügung“, lässt die Pressestelle wissen und fügt folgende Ankündigung hinzu: „Die Stadtverwaltung setzt sich derzeit intensiv mit der zukünftigen Ausrichtung zum Thema öffentlicher Toiletten auseinander. Auch der Bereich um den Salzstadel wird darin evaluiert werden.“