1000 Gäste am Tag, aber kein Klo: Toilette im Besucherzentrum Welterbe bleibt geschlossen

Bis zu 1000 Gäste am Tag zählt das Besucherzentrum Welterbe im Salzstadel. Hier bekommen Touristen in kompakter und ansprechender Form grundlegende Informationen über Regensburg geliefert, die Lage direkt an der Steinernen Brücke ist perfekt. Doch es gibt einen Makel: Wer im Besucherzentrum Welterbe ein stilles Örtchen sucht, scheitert an verschlossenen Türen.
Das Absperren der im Gebäude vorhandenen Toiletten sei Dienststellen übergreifend beschlossen worden, bestätigt Juliane von Roenne-Styra, die Pressesprecherin der Stadt. Als Grund führt sie an, dass die Sanitäranlagen ursprünglich nur für die Veranstaltungssäle im Obergeschoss des Salzstadels und nicht als öffentliche zugängliche Toiletten geplant worden seien. Wegen der Mitnutzung der Besucher des Welterbe-Zentrums und des Brückturm-Museums habe eine tägliche Überbeanspruchung stattgefunden. „Es kam vermehrt zu Beschwerden, vor allem wegen Verunreinigungen – obwohl ein täglicher Putzdienst die Toiletten reinigte.“ Mit der Schließung wurde nun bis auf Weiteres die Notbremse gezogen.
50-Cent-Gebühr als Lösung?
Einem größeren Kreis bekannt wurde die Problematik vor einem Monat. Anfang Juli führte Kulturreferent Wolfgang Dersch Stadträte durch den Salzstadel. Hauptthema war die geplante Neugestaltung des Besucherzentrums, aber auch die Situation der WC-Anlagen kam zur Sprache. Für CSB-Stadtrat Christian Janele stand hinterher fest: Bevor die Welterbe-Präsentation für einen Millionenbetrag umbaut wird, muss erst die WC-Misere beendet werden.
Den jetzigen Zustand bezeichnet Janele als „beschämend“. In einem Brief an Dersch stellt er es als Widerspruch dar, dass Stadt ihren Besuchern zwar einerseits ein kostenfreies Informationszentrum zur Verfügung stelle, sie andererseits aber dazu zwinge,in ein Lokal zu gehen und etwas zu bestellen, um die Notdurft verrichten zu können. Seine Forderung lautet daher: „Die Toilettenreinigung im Salzstadel muss finanziert werden, die Sanitäranlagen müssen sofort wieder zugänglich gemacht werden – und das unabhängig von einer Erneuerung der Ausstellungsfläche.“
„Leidiges Thema“
Auch Andrea Gallersdörfer, die Vorsitzende des Gästeführer-Verbands Kulttouren, spricht von einem „leidigen Thema“, das sie und ihre Kollegen bereits seit Beginn des Jahres beschäftige. Die anfänglich für möglich erachtete Lösung, dass die Gästeführer auf Nachfrage am Schalter des Besucherzentrums den Schlüssel für die Toiletten ausgehändigt bekommen, funktioniert nach Gallersdörfers Wissensstand nicht.
„Das Besucherzentrum Welterbe ist ein wichtiger Bestandteil unserer UNESCO-Welterbestadt Regensburg auf die wir Gästeführer auch gerne hinweisen“, sagt sie zur Bedeutung der Einrichtung und stellt fest: „Dass es in diesem, von öffentlichen Geldern geförderten Ort keine frei zugänglichen Toiletten für Besucher gibt ist eigentlich inakzeptabel.“ Die Argumentation der Stadt, wonach eine engmaschigere Reinigung aus finanziellen Gründen nicht möglich sei, kennt sie. Dass damit die Diskussion beendet sein soll, will Gallersdörfer jedoch nicht hinnehmen. „Bereits unzählige Male habe ich von Gästen den Vorschlag gehört, die Toiletten doch kostenpflichtig zu machen. Jeder ist bereit, 50 Cent für ein sauberes WC zu zahlen“, sagt sie.
Susanne Völkl sieht es ganz genauso. Die Geschäftsführerin von Personenschifffahrt Klinger ist auch im Arbeitskreis Schifffahrts-Museum Regensburg aktiv, der das Brückturm-Museum im Salzstadel betreibt.
Im Notfall aufs Schiff-Klo
Die Toiletten-Problematik kennt sie daher von zwei Seiten und meint: „Zu einem Welterbe-Besucherzentrum, wo man seine Gäste begrüßt, gehören natürlich auch Sanitärräume. Es ist ein Muss, so etwas anzubieten – und jeder würde auch gerne 50 Cent dafür zahlen.“
Weil die Realität derzeit anders aussieht und die Entfernung zu den öffentliche Toiletten am Schwanenplatz, am Neupfarrplatz oder in der Trunzergasse in dringenden Fällen zu groß ist, hat Völkl mitunter eine Notlösung parat: „Zum Schwanenplatz ist es ein weiter Weg. Wir haben Touristen daher schon angeboten, die Toiletten auf unseren Schiffen zu benutzen.“
Dass dies kein Dauerzustand sein kann, ist offenbar auch der Stadt bewusst. „Wir hoffen, unseren Gästen im Besucherzentrum diese Serviceleistung wieder anbieten zu können“, sagt Sprecherin Roenne-Styra. Allerdings bestehe noch gehöriger Abstimmungsbedarf, denn: „Das Besucherzentrum Welterbe ist nur eine von mehreren Mietparteien in der städtischen Liegenschaft Salzstadel.“
