Sie wollen Kunst unter die Regensburger bringen

Von Anne Nothtroff · 28. Juni 2024 um 16:45

Vor zehn Jahren wurde das Donauschutzabkommen unterschrieben. Die Stadt Regenburg feiert dies mit Kunst auf der Straße, präsentiert von donumenta e.V. und Kuratorin Regina Hellwig-Schmid. Wenn man der künstlerischen Leiterin zuhört merkt man schnell, dass ihr zentrales Anliegen ist, die Kunst zu den Menschen zu bringen. Als Initiatorin von donumenta e.V. macht sie dies schon seit über 20 Jahren. Dabei verzichtet sie auf klassische Museen. Als Ausstellungsfläche dient die ganze Stadt.

Regina Hellwig-Schmid selbst arbeitet und lebt schon lange direkt an der Donau und hat bei Hochwasser auch schon regelmäßig Besuch von ihr bekommen. Im Jahr 2018 hat sie das donumenta Artist in Residence-Programm ins Leben gerufen: Für vier Wochen lädt sie Kunstschaffende aus den vierzehn Donauländern nach Regensburg ein, um sich von der UNSECO-Weltkulturerbestadt inspirieren zu lassen. Ein Jahr später werden die entstandenen Kunstwerke im öffentlichen Raum ausgestellt. Eröffnet wurde die diesjährige Kunstschau im Untergeschoss des Besucherzentrums Welterbe im Salzstadel. Es ist das erste Mal seit dem Hochwasser, dass der Raum wieder für Veranstaltungen geöffnet ist.

Die Donau als Kulturader

Stefan Neudert, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes, gibt Einblick wie die Donau zur Kulturader wurde. Sie ist nicht nur der zweitlängste Strom Europas, sondern auch der Internationalste. Kein anderer Fluss fließt durch so viele Länder. Alle sechs Jahre beschäftigt sich ein Team aus Wissenschaftlern intensiv mit dem Schutz der Donau, nimmt Wasserproben und untersucht den Mikroplastikgehalt des Wassers. Doch nicht nur Wissenschaftler sollen sich mit dem Fluss beschäftigen. Jeder soll auf den Schutz der Donau aufmerksam gemacht werden. „Nur was man kennt und liebt will man auch schützen“, so Neudert. Die Kunst ist eine Möglichkeit, um mit Menschen Kontakt aufzunehmen und Emotionen zu wecken. Die drei Kunstinstallationen von Künstlern aus Slowenien, Ungarn und der Slowakei sollen an Vergangenes erinnern und gleichzeitig zeitgenössisch zu Menschen sprechen.

Am Schwanenplatz greift der Künstler Danilo Milovanović die historischen Maßeinheiten Klafter, Elle und Schuh wieder auf. Bekannt aus Stadtführungen und zu sehen am Portal des Alten Rathauses, wurden sie innerhalb der Regensburger Stadtgrenzen verwendet. In Form von irritierendem und subtilen Stadtmobiliar werden sie nun wieder zum Leben erweckt. Zu sehen ist eine ein Schuch hohe Laterne oder eine Sitzbank, die mit einer Breite von einer Elle gerade so Platz für eine Person bietet.

Mit einem Gerüst um das Reiterstandbild Ludwigs I. am Domplatz ermöglicht Stano Masár einen Perspektivwechsel. Wenn man das Gerüst besteigt, soll man dem König und seinem Pferd auf Augenhöhe begegnen können. Einmal die Welt so sehen, wie der König sie gesehen hat. Die Begegnung zwischen Bürger und König soll etwas Anarchisches haben. Um von einem Zusammentreffen auf Augenhöhe sprechen zu können, fehlt dem Metallgerüst jedoch noch gut ein Höhenmeter. Wenn man derzeit auf dem Gerüst steht, blickt man vielmehr auf das Mauls des Pferdes, anstatt in die Augen des Königs.

Loránd Bögös hat sich von historischen Mühlen inspirieren lassen und präsentiert ein kinetisches Mühlenwerk in Fachwerkbauweise. Die Interaktion mit dem Werk ist ausdrücklich erwünscht: Mit einer Handkurbel kann die Mühle in Bewegung gesetzt werden. Somit interagieren menschliche Kraft und Wasserkraft gemeinsam.

Auf Reaktionen achten

Die Reaktionen der Passanten spielen bei Kunstinstallationen im öffentlichen Raum eine große Rolle: Bereits nach einem Tag wurde die Bank von Danilo Milovanović mit blauem Graffiti besprüht. Für ihn ist das nicht weiter schlimm. Er hat damit gerechnet und es zeigt ihm, dass seine Kunst Teil der Stadt geworden ist. Alle anderen Bänke seien auch besprüht und mit Stickern versehen, meint er und zeigt dabei auf die umstehenden Sitzmöglichkeiten.

Es wird nicht das letzte Mal sein, dass man in Regensburg Kunst von Künstlern aus den Donauländern entdecken kann. Schon im August werden neue Kunstschaffende nach Regensburg kommen, um sich von der Stadt inspirieren zu lassen.

Solche grenzübergreifenden Initiativen, wie die donumenta e.V. sind vor allem im Blick auf die Ergebnisse der Europawahlen essenziell, betont Wolfgang Dersch, Kulturreferent der Stadt Regensburg. Die diesjährigen Werke können noch bis zum 30. September am Domplatz, am Schwanenplatz sowie am Unteren Wöhrd betrachtet werden.

Mit einem Gerüst um das Reiterstandbild Ludwigs I. am Domplatz ermöglicht Stano Masár – im Bild mit Kuratorin Regina Hellwig-Schmid – einen Perspektivwechsel.
Die Kunstinstallationen von Künstlern aus Slowenien, Ungarn und der Slowakei sollen an Vergangenes erinnern und gleichzeitig zeitgenössisch zu Menschen sprechen.