Vorwürfe gegen Firma in Regensburg: Schwarze Kassen und Steuerbetrug mit System?

Der Prozess gegen einen Ex-Geschäftsführer am Amtsgericht bringt schwere Vorwürfe gegen ein namhaftes Regensburger Unternehmen zutage. Zeugen bestätigten, was der Angeklagte aussagte. Die Staatsanwaltschaft ermittelt bereits.
Untreue im großen Stil ist einem Ex-Geschäftsführer vorgeworfen worden. Er soll Waren aus dem Lager privat zu Geld gemacht und auf Firmenkosten teure Designer-Smartwatches geordert haben. Der Prozess gegen den 40-Jährigen vor dem Schöffengericht endete jäh − mit einer Einstellung. Dafür kamen Vorwürfe gegen den Ex-Arbeitgeber auf: Von Schwarzgeld-Kassen und systematischem Steuerbetrug im namhaften Unternehmen in Regensburg war die Rede.
Der Mann, der kürzlich auf der Anklagebank Platz nehmen musste, hatte seine Ausbildung bei der Firma absolviert. Er galt als Zögling des Chefs, habe früh Verantwortung bekommen, wie der 40-Jährige selbst schilderte. „Ich hab alles von ihm gelernt“, sagte er über seinen „großen Förderer“. Trotzdem trennten sich die Wege – doch nicht für immer. Nach ein paar Jahren kehrte der frühere Azubi wieder ins Unternehmen zurück.
Entstand der Ärger um eine neue Anlage-Idee?
Kurz nach dem Neustart wurde der heute 40-Jährige zum Geschäftsführer eines Tochterunternehmens bestellt, aber ohne Zugriff auf Geschäftskonten oder das Personalwesen. Die Mutterfirma „machte das alles“, so der Angeklagte. Es lief gut, die spezielle Sparte wuchs und sorgte für gute Umsätze im Konzern. Mehr noch: Er überzeugte den Firmenboss und einige Angestellte von einer seiner Ideen – mit einer neuen, digitalen Anlageform ließe sich doch gutes Geld machen.
Gesagt, getan: Man gründete ein StartUp, investierte Know-how und nutzte wohl auch Teile der Infrastruktur sowie bestehende Geschäftsverbindungen im Konzern mit. Vereinbart soll gewesen sein, Tätigkeiten für das Projekt in der Arbeitszeit zu erledigen, wohl aber mit der Maßgabe, dass das keinen Einfluss auf den Job haben darf. Und genau das nahm offenbar wohl überhand. Denn im Frühjahr 2021 forderte der Firmenboss exakte Dokumentationen aller Beteiligten, was sie in ihrer Arbeitszeit wann und für welche Projekte so erledigten.
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Wenige Monate später kam es dann zum Bruch. Die Wege von Geschäftsführer und Firmenboss trennten sich. Abrupt, wie Zeugen vor Gericht bestätigten. Der Geschäftsführer kündigte, wurde dann aber freigestellt und sogar ein Hausverbot ausgesprochen. Und da begannen womöglich auch die Probleme. Denn beim StartUp wäre man weiter an einem Tisch gesessen, so der Angeklagte. Ihm sei aber jedweder Zugang zu Daten verwehrt geblieben. Nachträglich spricht der 40-Jährige sogar von Kontrollsucht des Firmenbosses, der selbst Kleinst-Rechnungen zurückgehalten haben und zudem Absprachen nicht eingehalten haben soll.
Schwarze Kasse für „Benefits“ mit Kunden und Team?
Was ihm laut Anklage vorgeworden wurde, will der Ex-Geschäftsführer „für das Wohl der Firma gemacht“ haben und dem Boss auch berichtet haben. Zumal Erlöse aus Verkäufen „alter, unverkäuflicher Waren“ aus dem Lager als Bargeld in eine Art Kaffeekasse geflossen wären, die dann für „Benefits“ mit Kunden, Lieferanten oder im Team verwendet worden seien. „Wo man mit Rechnungen und Belegen wenig anfangen kann“, wie bei Kneipentouren oder auf dem Christkindlmarkt.
„Überstunden und auch Resturlaub werden in Naturalien ausbezahlt. Das System war gelebte Praxis – auch schon vor meiner Zeit.“
Der Angeklagte belastete seinen Ex-Chef schwer
Die Anzeige des Mittelständlers sei eine Abrechnung, argumentiert der Angeklagte. Ähnliches sei anderen in der Vergangenheit auch widerfahren. Fakt ist: Nach fast sieben Stunden bat das Schöffengericht zum Rechtsgespräch, an dessen Ende das Verfahren eingestellt wurde – gegen eine Zahlung von 10 000 Euro. Weil das, was man bisher so gehört habe, „in irgendeiner Form Schwarzgeld war“, wie Richter Tschech feststellte, „das ist ja auch klar“.
Ein Zeuge hatte sich zuvor trotz Belehrung selbst belastet und Details zu Schwarzgeldkassen offenbart: Er habe Firmenfahrzeuge privat verkauft, Verträge mit niedrigeren Preisen fingiert und so viele Euro am Staat vorbei generiert. „Das hatte System“, nicht nur er habe das gemacht. Der Auftrag sei vom Firmenboss gekommen, der habe das Geld erhalten. Teils würden Firmenautos seit Jahren nicht versteuert und Überstunden sowie Resturlaube in Sachleistungen ausbezahlt – an der Steuer vorbei. „Playstation, Fernseher, Kaffeemaschinen, Handys – alles, was es gab“, sagte er. „Und das geht seit vielen Jahren so.“
Staatsanwaltschaft bestätigt: Vorermittlungen laufen
Was der Mann und eine weitere Zeugin sagten, notierte die Vertreterin der Anklage akribisch mit. Auf Anfrage teilte Thomas Schug, stellvertretender Sprecher der Regensburger Staatsanwaltschaft mit, dass ein Ermittlungsverfahren eingeleitet werde, wenn sich „Anhaltspunkte für strafbares Verhalten ergeben“. Derzeit sei man „in der Vorprüfung“. Strafverteidiger Philipp Janson, der den Firmenboss vertritt und zeitweise selbst beim Prozess gegen dessen früheren Angestellten des Mandanten war, teilte auf Nachfrage der Mediengruppe Bayern mit, dass man sich zu den erhobenen Vorwürfen nicht äußere.