Ein spatzenmäßiges Festival zum Jubiläum: Domspatzen ziehen Tausende in ihren Bann

Von Heike Haala · 29. März 2025 um 19:00

Mit dem Hochamt im Dom endet am Sonntagvormittag das Festival Junge Stimmen in Regensburg. Dabei handelt es sich um ein internationales Gipfeltreffen von Jugendchören. Dabei waren Gesang und Spannendes aus der Welt der Knabenchöre zu hören.

Neben dem Geburtstagschor bekamen die Zuhörer den Dresdner Kreuzchor, die Escolania de Montserrat, den Riga Cathedral Boys Choir, den Windsbacher Knabenchor und die Augsburger Domsingknaben zu hören. Das Programm sah sowohl Double Feature Konzerte mit je zwei Ensembles als auch Konzerte mit allen Festivalchören vor.

Wie sehr der Auftritt eines Knabenchors die Massen anlockt, war zum Beispiel am Samstagvormittag auf dem Bismarckplatz zu beobachten. Dort begann um 11 Uhr das erste Doppelkonzert mit den Regensburger Domspatzen und der Escolania de Montserrat in der Dominikanerkirche. Die Menschenschlange zog sich einmal über den Vorplatz von St. Blasius, machte am Gehsteig eine Kurve und reichte von dort aus zwischenzeitlich bis zur Eingangstür der Neuen Filmbühne.

Begeisterte Zuhörer

Unter den Zuhörern befand sich Wolfgang Helfer. Er und seine Begleiterin singen selbst in einem Chor. Die beiden waren aus Aichach bei Augsburg nach Regensburg gekommen und hörten sich alle Doppel-Konzerte an. Er freue sich schon darauf, einen Vergleich zwischen den Chören zu ziehen, sagte Helfer. „Ich bin gespannt, ob man Stile heraushören kann“, überlegte er.

Domspatzen-Mama Ilka Meierhofer war auch aus Sehnsucht nach ihrem Sohn zu diesem Konzert gekommen. Der Domspatz verbringe gerade ein Jahr in Argentinien. „Aber wenn ich die Domspatzen höre, ist es fast so, als wäre er da“, sagte sie. Ihre Begleiterin ist Spanischlehrerin und war schon einmal in Montserrat – einem Kloster bei Barcelona. Deswegen interessiere sie dieser Chor besonders. Aber auch generell könne sie den atmosphärischen und fast mystischen Klängen der Knabenchöre viel abgewinnen.

Vor jedem dieser Doppelkonzerte gab es Talkrunden in der Bavariathek neben dem Museum der Bayerischen Geschichte, während derer die Zuhörer mehr aus der Welt der Knabenchöre erfahren konnten. Zum Auftakt erklärte Chor-Managerin Christina Ostrower, dass derzeit 300 Domspatzen in vier Chören singen. Weil sie sich beim Hochamt im Dom abwechseln, bringe es jeder Chor auf einen Sonntagsauftritt im Monat. Weiterhin bestreiten die Chöre in Summe 80 bis 90 Konzerte im Jahr sowie die liturgischen Auftritte an hohen Feiertagen im Dom.

Warum Singen prägt

Ein anderes Pensum schilderte Frater Efrem de Montella von der Escolania de Montserrat: Diese Knaben treten zwei Mal am Tag auf – einmal in der Wallfahrtskirche und einmal im Kloster, wo es bis zu zwei Millionen Besucher im Jahr gebe. Weiterhin sprach er von etwa 14 Auftritten im Ausland. Der Chor verfüge sogar über eine eigene Sammlung mit 14 Liedern aus dem 14. Jahrhundert.

Stehen in einer Gemeinschaft

Was das liturgische Singen mit Kindern macht, erklärte Marius Linnenborn, geistlicher Beirat des Deutschen Chorverbands, folgendermaßen: „Sie stehen in einer Gemeinschaft: Und das sowohl vor Ort als auch in einer geschichtlichen Kette.“ Zudem sei er sich sicher, dass die Texte die jungen Sänger fürs Leben prägen.

Dass es einem Erweckungserlebnis gleichkommt, wenn 300 Sänger aus sechs Knabenchören und einer Mädchengruppe in Begleitung des Domorganisten Franz Josef Stoiber zum Lobpreis Gottes ansetzen, war beim Hochamt im Dom zu hören. Und so spielte es keine Rolle, dass den Zuhörern am Vormittag nach der Zeitumstellung im Frühling beim Auftritt zum Finale des Festivals Junge Stimmen eine Stunde Schlaf fehlte. Domspatzen-Pressesprecher Marcus Weigl zeigte sich nach dem Finale „total geflasht“ und sprach von etwa 2600 bis 2700 Besuchern. Es habe keine Zwischenfälle gegeben. Die jungen Musiker seien einander offen und voller Freude begegnet. Tief bewegt habe es ihn am Freitag, als die Chöre nach der Ankunft bei einer Gesangsrunde im Wolfgangssaal füreinander applaudierten. Und so war er schon ein wenig wehmütig, die Gäste wieder fahren lassen zu müssen. „Aber hier sind Freundschaften entstanden“, hofft er auf regelmäßige Wiedersehen.

Die Besucher standen vor St. Blasius Schlange.
Chorexperten auf dem Podium
Der Einzug des Gastchors