Monatelang abgetaucht: Die Kumpfmühler Schildkröte ist zurück

Sie ist zurück. Nach Monaten der Funkstille. Seit wenigen Tagen zeigt sich die Kumpfmühler Schildkröte bei entsprechendem Sonnenschein wieder ihrem Publikum. Das Tier, das bereits in der Vergangenheit für Schlagzeilen sorgte, hat seine Winterruhe offensichtlich beendet und ist nun wieder im Teich des Charlotte-Brandis-Parks in Regensburg zu sehen.
Die Schildkröte war bereits vergangenes Frühjahr die große Schau in Kumpfmühl. Massenhaft blieben Passanten stehen, um sie zu beobachten, wenn sie auf einem Stein in dem kleinen Teich der Parkanlage ein Sonnenbad nahm. Vor allem Kinder reagierten fasziniert und kommentierten das Schauspiel oft mit freudigem Juchzen. Manche Familien machten eigens ein Picknick, um die Schildkröte in Ruhe beobachten zu können.
Heimat in Nordamerika
Irgendwann im Herbst war diese dann aber nicht mehr zu sehen. Viele fragten sich: War sie gefangen worden? Oder wurde sie zur Beute eines anderen Tiers, etwa eines Raubvogels? Nun ist klar: Sie hat lediglich ihre Winterruhe angetreten. „Die hat sich irgendwo im Uferbereich eingebuddelt und dort die kalten Monate verbracht“, sagt Tom Aumer. Er ist Tierexperte und unter anderem Regensburger Kreisvorsitzender im Landesbund für Vogelschutz.
Dass die Schildkröte nun schon wieder aktiv ist, überrascht ihn nach eigener Aussage ein wenig, sie dürfte aber auch durchhalten, wenn es in den kommenden Wochen kurzzeitig nochmal frostig werden sollte. „Wirklich zu kalt wird es ihr jetzt normalerweise nicht mehr.“ Das Tier in Kumpfmühl sei mit großer Wahrscheinlichkeit eine Gelbwangen-Schmuckschildkröte. In Freiheit leben die in Nordamerika: „Und da ist es vom Klima ja nicht so komplett anders als wie bei uns.“ Der Münchner Tierarzt Tomas Bauer, ein Experte für Reptilien, bestätigt dies. Schildkröten dieser Art würden mit den Wintern in Deutschland, wenn diese nicht extrem kalt seien, recht gut zurechtkommen, sagt er.
Die Tiere werden bis zu 50 Jahre alt
Bei den Parkbesuchern sorgt das Tier für Unterhaltung. Auch am vergangenen Freitag schaute eine Gruppe von Kindern begeistert das exotische Tier an. Dass dieses überhaupt hier im Teich lebt, macht Aumer allerdings richtiggehend wütend. In freier Natur sollte es in Deutschland eigentlich nur die relativ kleine Sumpfschildkröte geben, sagt er. Allerdings würden immer wieder Exemplare anderer Arten ausgesetzt. Vermutlich auch das Tier in Kumpfmühl.
Schildkröten dieser Art werden oft privat gehalten. Manchmal werde dabei aber unterschätzt, wie groß und wie alt – teilweise bis zu 50 Jahre – die Tiere werden, berichtet Aumer. Und dann passiere so etwas, wie nun vermutlich auch in Kumpfmühl: „Sie ist einfach ausgesetzt worden, da bin ich mir eigentlich sicher. Und so etwas ist natürlich unverantwortlich. Die Tiere werden angeschafft und dann einfach entsorgt.“
Für das betroffene Öko-System sei das alles andere als lustig, erklärt er. Schildkröten dieser Art seien „grundsätzlich ein Konkurrent für alle heimischen Tiere. Sie haben für unser Artensystem hier keinen Mehrwert“. Als Fleischfresser ernähren sie sich „quasi von allem, was hier kreucht und fleucht, und natürlich ist es nicht gut, wenn ein ausgesetztes Tier hier zum Beispiel die Kaulquappen aus dem Teich herausfrisst“.
Meistens aus Zuchtfarmen
Gelbwangen-Schmuckschildkröten, die in den internationalen Handel kommen, stammen zumeist aus Zuchtfarmen. Die erwachsenen Weibchen sind dabei weitaus größer als die Männchen.
Im Regensburg gibt es noch weitere vermutlich ausgesetzte Schildkröten. Im Westbadweiher lebt zum Beispiel seit Jahren eine. Auch die Schildkröte im Charlotte-Brandis-Park ist der Stadtverwaltung seit längerem bekannt. Es würden aber keine Informationen dazu vorliegen, ob das Tier ausgesetzt wurde oder nicht, teilte die Kommune bereits vergangenes Jahr mit. Grundsätzlich gelte aber natürlich, dass dies verboten ist. Dies sei auch alles andere als ein Kavaliersdelikt. Es gebe dafür empfindliche Geld- oder – in schweren Fällen – sogar auch Freiheitsstrafen.