MZ-Reporter testet neuen Bike-Trail bei Kelheim – stürzt, schiebt und erlebt Glücksgefühle

Von Martin Rutrecht · 28. März 2025 um 19:00

Ja, ich bin gestürzt, ja, ich hab’ mein Bike im Steilen geschoben – aber es hat riesigen Spaß gemacht. Den neuen Ein-Kilometer-Trail „Flow Jo“ am Weltenburger Berg in Kelheim nahm der MZ-Reporter mit den Könnern Ludwig Döhl und Hans Schicklgruber in Angriff. Wobei „Angriff“ übertrieben ist...

„Ah, du bist ja damals den Herzberg hoch!“ Die anerkennenden Worte von „Luke“ Döhl sind für mich eher eine Bürde. Die Rampe nach Ihrlerstein hoch habe ich vor Jahren in der Tat geschafft, mit einem Rennrad, keuchend und prustend. Das war auch so ein „Selbsttest“.

Reporter werden älter, und Schreibtischstuhlrollen ist keine ideale Vorbereitung auf Aktivität. „Aber du bist fest entschlossen, den MTB-Novizen-Status abzulegen“, nickt Döhl mir zu. Ja, bin ich, und verbiete mir ein E-Bike!

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Vom Donaupark aus starten wir die Anfahrt zum „Flow Jo“. Schicklgruber weist mich in Finessen ein: richtige Position am Rad beim Bergauf und -ab, optimale Höhe des Sattels. Ich höre bis in die Haarspitzen motiviert ungeduldig zu: „Können wir?!“ Es geht zum Waldfriedhof rauf, die Anfahrt ist noch nicht der eigentliche Trail. Auf den Forstwegen lässt es sich locker strampeln.

Ich hechle und schwitze, meine Begleiter plaudern

„Jetzt müssen wir noch rauf zum Wanderparkplatz“, gibt Döhl vor. Plötzlich steigt der Pfad steil an. „Zwischen 12 und 15 Prozent dürften das sein“, sagt „Luke“ später. Ich hechle, schwitze. Döhl und Schicklgruber (er mit E-Bike) plaudern gemütlich neben mir, während ich fast explodiere. Auf halber Strecke steige ich ab. „Ich schieb’ mal.“

Meine Begleiter warten am besagten Parkplatz. „Das Steilste ist geschafft“, reden sie mir tröstend zu. Nach Querung der Weltenburger Straße beginnt der „Flow Jo“. „Diesen Singletrail haben wir neu angelegt, er führt etwa einen Kilometer bergab“, erklärt Döhl. Ahh, nur rollen lassen, wunderbar! Ein sanftes Steilstück ist zuvor noch zu meistern.

Upps, Schlamm und tiefe Rillen...

Dann öffnet sich der Blick auf die ersten Kurven des „Flow“ (fließen), der nur etwas breiter als ein Handtuch ist. „Bei geübten Bikern sorgt bereits dieser Blick für Glückshormone“, schwärmt Döhl. Aber mir schwant Übles: Die Strecke strotzt vor Schlamm, tiefe Rillen zeigen sich. „Das ist eher nicht so meins...“, stottere ich. „Den Sattel ganz runter und im Stehen fahren“, instruiert mich Schicklgruber ungerührt.

„Zögerlich setzt der Reporter den zweiten Fuß auf das Pedal und rollt langsam an“, schildert Döhl meine ersten Tritte in den Trail hinein. Auch das folgende Malheur reportiert er. „Im ersten Steilstück rutscht das Vorderrad und zwingt den Novizen zu Boden.“ Schicklgruber sagt trocken: „Klassischer Anfängerfehler, du warst zu langsam.“ Um eine Antwort bin ich nicht verlegen. „Diesen einen Sturz hab’ ich mit einkalkuliert.”

Bremser weichen bewussten Fahrmanövern

Unversehrt steige ich wieder auf. Ich bleibe vorsichtig, aber es klappt immer besser. „Erste zögerliche Bremser weichen bewussten Fahrmanövern“, beobachtet „Luke“. In den abgetrockneten Stellen gewinne ich Sicherheit – und erlebe einen „Flow“. An einer steilen Passage mit tiefer Senke steige ich freiwillig (!) ab. „Besser so“, sagen meine Mitstreiter.

Nach einem Kilometer rollen wir aus. „Du hast Nervenkitzel und Herausforderung kennengelernt – beides gehört zum Gefühl des Bikens“, kommentieren Döhl und Schicklgruber. „Und Genuss“, setze ich wieder sortiert hinzu. Der „Flow Jo“ und alle übrigen 100 Kilometer des neuen Bikenetzes um Kelheim sind empfehlenswert. Absteigen ist keine Schande – immerhin warten entlang der langen Touren auch Wirtshäuser.