Beim Abend der Kapelle Josef Menzl: Das Audimax in Regensburg rast vor Begeisterung

Seit 30 Jahren erweitern der „Campino der Blasmusik“ und seine Kapelle Stück für Stück ihren Platz in den Herzen ihrer Fans. Beim Geburtstagskonzert im Audimax in Regensburg ist das Publikum kaum noch zu halten.
Nach diesem Abend im Audimax sind eigentlich nur noch zwei Steigerungen möglich: Entweder die Verfilmung der Vita von Josef Menzl – oder gleich seine Heiligsprechung. Denn seit 30 Jahren gelingt es diesem gestandenen 1,90-Meter-Mannsbild aus Oberisling gemeinsam mit seiner Kapelle, den Platz in den Herzen der Fans Stück für Stück zu erweitern. Und das geht so: Sie pumpen das, was traditionell unter bayerischer Blasmusik begriffen wird, auf wie einen Ballon. Sie überfliegen dabei Genregrenzen zum Jazz, zur Klassik und zum Pop. Pulverisieren sie wie Marodeure. Und landen direkt in den Seelen ihrer Zuhörer.
Die Menschen kamen prompt in Strömen, viele davon in Dirndl und Lederhose, zur großen, vom Lions-Club Regensburg-Land als Benefizveranstaltung eingefädelten Geburtstagsfeier, um bei Bier und Leberkas zu feiern und so die Spendenboxen zu füllen, Der Erlös der Gala am Mittwoch plus der Zusatzveranstaltung am Donnerstag geht an den Verein „Zweites Leben“ und die Aktion „Sternstunden“.
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Zum Heldenstatus von Josef Menzl trägt auch seine Sprache bei. Er versteht es, sein Publikum immer wieder im Dialekt „von der Seit’n“ anzureden. Also ein bisserl frech, ein bisserl ironisch. So sorgt er dafür, dass etwaige kommunikative Barrieren gar nicht hochgefahren werden. Deshalb steht auf den Standarten der Notenständer auch die herzliche Aufforderung „Reißt’s Eich zamm“. Das kommt einer Aufforderung gleich, sich einen Abend lang willenlos hinzugeben an diesen „Campino der Blasmusik“, wie Lionsclub-Präsident Karl-Heinz Hörnlein Josef Menzl huldvoll begrüßt hatte.
Das Motto, mit dem der Bandleader seinen großen Abend einläutete, hieß „Aufzünden!“. Das ist der bayerische Spezialbegriff für die Verheißung, dass auf einen fulminanten Auftakt eine wuchtige Beschleunigungsphase folgt, bevor die Veranstaltung wie ein Sternderlwerfer in eine Vielzahl von Höhepunkten der Extraklasse mündet.
Erst kernige, dann besinnlichere Töne
Los ging’s in der kleinen Zehn-Mann-Besetzung mit Edith Piafs Chanson „Je ne regrette rien“ und „Hoch Wittelsbach“. Der oberpfälzische Klassiker „Schöi mouß göih“ und das „Rehragout“ folgten, bevor die Tanzlmusi, erweitert um die Harfenistin Andrea Feldkircher, besinnliche Töne anschlug und Josef Menzl ins Gitarrenfach wechselte. Es folgte ein Ausflug in die Welt des klassischen Show-Business, der von der „Mausi“ – der Gesangs-Begleiterin aus frühen Tagen – aufgepeppt wurde: Ausgestattet mit Kastagnetten beschwor sie tänzerisch den Geist von Lola Montez herauf.
Überhaupt ging’s geburtstagstypisch viel um alte Zeiten. Etwa, wie beim Auer-Bräu Mitte der 1990er Jahre der Mythos Josef Menzl erst entstanden war. Da hatte Moderatorin Stephanie Birnthaler kurzzeitig Mühe, das Konzept wieder einzufangen, als der Wirt Karl-Heinz Mierswa alias Josef Alzheimer die Bühne betrat. In „Wetten dass ..?“-Manier holte er Kandidaten aus dem Publikum, um sie für ein gleichermaßen rätselhaftes wie spektakuläres Spiel um eine Deckenlampe zu gewinnen.
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Später betrat der ziemlich quirlige Joseph Wasswa aus Uganda die Bühne, um – begleitet von einem riesigen Kirchenchor aus Steinweg – afrikanische Klassiker zu bieten, die in Miriam Makebas „Pata Pata“ gipfelten. Nach der Pause erschienen die alten Weggefährten von Slick 50. Mit seinem brillant arrangierten Rockabilly der Marke Noir eröffnete das Quartett seinem früheren Bandmitglied Josef Menzl die Chance, wieder in die Rolle des Saxofonisten zu schlüpfen. Norbert Neugirg war es vorbehalten, martialisch formulierte Geburtstagsgrüße von der Altneihauser Feierwehrkapelln zu übermitteln.
Zum Finale dirigierte Trompeter Harry Eitzinger aus Salzburg die XXL-Formation der Kapelle, zog dazu sogar das Hemd aus. Da tanzte das Publikum im Betonbottich eh’ längst vor hochgeklappter Bestuhlung, das Audimax war zum „Gauditorium Maximum“ umfunktioniert. Und als Eitzinger ziemlich brillant „Bohemian Rhapsody“ und „Music (was my first Love)“ intonierte, kannte die Raserei keine Grenzen mehr.
In einem abschließenden Akt des Wahnsinns schmiss sich dann der Trommler, „Hopf“ genannt, auf die Bespannung seines Instruments, das ihn trampolinartig zurück auf den Boden der Tatsachen schickte. So und nicht anders stellen wir uns das vor, für die nächsten 30 Jahre, Herr Kapellmeister Josef Menzl!
