Wenn der Kunde dringend eine Toilette sucht – Neumarkter appelliert an Geschäfte

Was tun, wen man muss? Diese Frage machte einer älteren Neumarkterin im Wortsinn massiven Druck. In einem größeren Geschäft in der Neumarkter Innenstadt sei sie auf die Frage nach einer Kundentoilette barsch abgefertigt worden, erzählt ihr Ehemann. Er ist über die Toilettensituation beim Einkaufen in Neumarkt verärgert. Die Rechtslage ist aber eindeutig.
Kundentoiletten seien ein wichtiger Service für eine immer älter werdende Bevölkerung, lautet sein Appell vor allem an größere Geschäfte und Supermärkte. Schließlich seien es vor allem die Älteren, die noch in die Geschäfte kämen und nicht nur online bestellten.
Nach einem stichprobenartigen Gang durch die Geschäfte in der Innenstadt lässt sich feststellen, dass eine Mehrheit keine Kundentoilette hat. Und wenn es welche gibt, dann wird oftmals nicht viel Aufhebens um das stille Örtchen gemacht. Man wolle nicht explizit darauf aufmerksam machen, um nicht einen „Toilettentourismus“ zu haben, sagt eine Geschäftsinhaberin, die deswegen auch anonym bleiben will.
In einem größeren Geschäft schüttelt eine Verkäuferin den Kopf auf die Frage nach einer Toilette. Die Firmenzentrale wolle das in ihren Filialen nicht. Die Chefs fürchteten wohl den Aufwand für Personal und die Kosten, vermutet sie.
Das sagen bayerische Gesetze zur Kundentoilette in Geschäften
Entscheidend ist aber, dass Geschäfte in Bayern von Rechts wegen nicht generell eine Kundentoilette haben müssen. Es kann Ausnahmen geben, wenn beispielsweise bei Einkaufszentren oder Kaufhäusern eine höhere Kundenfrequenz zu erwarten ist. Das Kleidungsgeschäft oder der Supermarkt müssen hingegen nicht.
Im Gastro-Bereich gebe es eine Pflicht zur Kundentoilette erst bei Betrieben mit mehr als 200 Sitzplätzen, wie das Landratsamt erklärt. Für kleinere Restaurants, Bäcker, Metzger und Imbisse gilt daher: Wenn sie eine Kundentoilette haben, dann freiwillig.
Andere Bundesländer kennen hingegen feste Vorschriften. Berlin hat geregelt, dass Geschäfte und Supermärkte mit mehr als 400 Quadratmetern Verkaufsfläche eine Kundentoilette haben müssen. Das gilt allerdings nur für Neubauten und Umbauten. In anderen Bundesländern gibt es ähnliche Regeln ab höheren Flächenzahlen.
„Nette Toilette“ hilft bei der Suche nach einem WC in Neumarkt
„Es gibt genügend öffentliche Toiletten in der Innenstadt“, ist die Ladenbesitzerin überzeugt. Es sind mindestens 18 Stück, die sich 2024 zur Aktion „Nette Toilette“ zusammengeschlossen haben. Darunter sind neben den öffentlichen Toiletten der Stadt und deren Einrichtungen vor allem Restaurants, Bäcker und Eiscafés. Das entspricht den rechtlichen und nicht zuletzt den praktischen Notwendigkeiten. Wo Kunden verweilen und Speisen konsumieren sollen, ist eine Toilette nicht verkehrt.
Aber auch andernorts machen Geschäfte mehr als sie müssen. Selbst dort, wo man gemeinhin die Sparsamkeit und Effizienz als fest verwurzelt vermutet. Die großen Lebensmittelhändler entdecken mit größer werdenden Verkaufsflächen offenbar zunehmend den Servicecharakter von Kundentoiletten. Neu gebaute oder modernisierte Supermärkte haben inzwischen oftmals eine solche. Ein Beispiel ist der Aldi in der Nürnberger Straße. Im neuen Edeka in der Dreichlinger Straße findet der Kunde im vorgelagerten Bäckerei-Café ein WC.
Eine Kundentoilette nutzt einem aber nur so lange etwas, wie das Geschäft offen hat. In den restlichen Zeiten müssen die öffentlichen Toiletten der Stadt herhalten. Die genießen nicht immer den besten Ruf. Insbesondere jener der Toilette im Rathauskeller ist im wahrsten Sinn des Wortes anrüchig. Sie soll dicht gemacht werden, wenn die WC-Anlage am Münsterplatz fertig gebaut ist.
Pfarrstadel für neue WC-Anlage in Neumarkt abgerissen
„Ich bin froh, wenn wir endlich gescheite Toiletten haben“, sagt Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn. Doch das Projekt auf Kirchengrund am Münsterplatz zieht sich schon länger. Auch weil im Kosmos Kirche viele mitzureden haben. Inzwischen ist das Projekt auf dem Weg. Der Abbruch des Pfarrstadels ist getan, die Archäologen fertig. Zuletzt habe man an den Plänen nochmals Hand anlegen müssen, berichtet der OB. Sie hätten günstiger werden müssen.
Welche Summe am Ende herausgekommen ist, soll die Verwaltung demnächst dem Stadtrat vorstellen. Auf einen Zeithorizont, wann der Bau startet und wann Menschen erstmals die Toiletten werden nutzen können, will sich Ochsenkühn daher noch nicht festlegen.


