In die Jahre gekommene FFW-Drehleiter steht auf dem Abstellgleis und wartet auf Liebhaber

Von Christoph Klöckner · 29. März 2025 um 05:00

Bei Annoncen für Haustiere steht es schon einmal dabei: Nur in gute Hände abzugeben. Das gilt eigentlich auch für die Rodingerin (Landkreis Cham), die hier auf einen Liebhaber wartet. Es ist die alte Drehleiter der Stadt, die den Menschen gute Dienste geleistet hat und nun einen sucht, der ihr ein neues Heim gibt.

So sieht das auch die Stadt, wobei Kämmerer Josef Zwicknagl im Sinne der Stadtkasse auch hofft, dass der FFW-Oldtimer dem neuen Besitzer etwas wert ist.

Zumindest der Schrottwert des Autos sollte als Minimum rausspringen. Über den habe er sich bereits informiert, behält ihn aber für sich und hofft auf etwas mehr. Zumal die Drehleiter eigentlich zu schade ist, um ausgeschlachtet zu werden. In diesen Tagen bei der Kommandantenversammlung der Feuerwehren habe die Stadt noch einmal bei den Insidern geworben, um ein neues Zuhause für die alte Dame zu finden, sagt Zwicknagl.

FFW-Häuser sind voll

Unwahrscheinlich ist, dass sich irgendeine Feuerwehr erbarmt, der Drehleiter Asyl zu gewähren. Im Allgemeinen sind die FFW-Häuser voll – und ein Unterstellplatz wäre für den alten Magirus Deutz vonnöten, denn Lack und Karosserie leiden unter Wind und Wetter. Doch bei den Feuerwehren seien Leute bekannt, die solche Fahrzeuge wie den mittlerweile 52 Jahre alten Funktionswagen sammeln. Daher noch einmal das Angebot der Stadt an alle Interessierten – bevor die Drehleiter wirklich die letzte Reise antreten muss − mit gerade einmal 52 Jahren, sozusagen im besten Menschenalter.

Seit einigen Jahren steht der Wagen nun am Maschendrahtzaun hinter dem Hauptgebäude des Bauhofs – und wird dort traurig im Regen stehen gelassen, was ihm nicht gut tut, findet Bauhofleiter Johann Spagl. Der Lack ist matt, das Wetter hat hier und da an den Aufbauten genagt. Zumindest ist die Drehleiter nicht allein. Ein weiteres Feuerwehrfahrzeug parkt dort, ein ausrangiertes Tanklöschfahrzeug. Das sei jedoch bereits verkauft, sagt Zwicknagl, so dass sich die Drehleiter bald ans Alleinsein gewöhnen muss.

Die Rodinger hatten ihre alte Leiter schon einmal gerettet. Denn nach der Außerdienststellung 2007 kam der Wagen zum „Verein des Feuerwehrmuseums Bayern in Waldkraiburg“, wo er ausgestellt werden sollte. Nach einer Umorganisation des Vereins gab dieser bekannt, dass er sich aus Platzgründen von dem Ausstellungsstück trennen müsse. 2019 kam die Frage, ob Roding das Fahrzeug zurück wolle – die Antwort lautete Ja.

Suche nach einem Platz

Im Jahr, als die Drehleiter nach Roding zurückkam, kam gleichzeitig eine Neue auf den Bürgermeisterstuhl der Stadt. Mitte 2020 hatte Roding dann kurzfristig zwei Drehleitern in der Fahrzeughalle am Ziehringer Weg stehen.

Wobei die neue Bürgermeisterin Alexandra Riedl gleich klar machte, dass das nur ein vorübergehender Zustand sein könne wie auch beim zweiten Quartier, den Rodinger Verkehrsbetrieben. Schließlich wanderte der Oldtimer zum Bauhof, wo er nun steht.

Die Rathaus-Chefin freute sich damals dennoch, dass das Fahrzeug heimkehrt: „Ich finde es super, dass die Drehleiter wieder zurück ist!“

Eine passende Lösung für das Auto ist in den fünf Jahren nicht gefunden worden. Ideen, das Fahrzeug als Ausstellungsstück etwa im kleines Feuerwehrmuseum zu zeigen, scheiterten am Platz. Somit bleibt die Hoffnung auf einen Käufer. Was so etwas kostet? Ähnliche Fahrzeuge sind wenige auf dem Markt. Im Internet ist eine Drehleiter der gleichen Marke von 1972 zu finden, die bei 26 000 Kilometern Laufleistung 5200 Euro kosten soll, bei anderen geht der Preis an die 10 000 Euro. Das Fahrzeug sei etwas für Bastler, meint Zwicknagl. Gebe es keinen Interessent, werde das Fahrzeug auf einer Versteigerungsplattform angeboten – um in guten Händen zu landen.

Daten zur Leiter

Hersteller: Die Drehleiter DLK 23/12 entstammt der der Firma Kloeckner-Humbold-Deutz oder auch Magirus-Deutz. Das Auto war der erste Serien-Prototyp bei den elektronischen Drehleitern.

Erstzulassung: 1973 wurde die Drehleiter zugelassen und diente der Stadt Roding bis 2007.

Kilometerstand: Viel gefahren ist der Dieselmotor nicht – in über 30 Jahren nur 29 264 Kilometer.

Leiter: Der Drehleiterpark ist nur im Notbetrieb nutzbar.

Interessenten: Wer Interesse an dem Auto hat, soll sich bei der Stadt melden.

Ein Bild von 2020: Alexander Tag und Josef Pusl mit dem zurückgekehrten Oldtimer Foto: rtn/Archiv
Das TLF steht auch noch am Bauhof, ist aber verkauft. Foto: ck