Kirche in Schieflage: Wie dieses Bild in der Diözese Regensburg entstand

Von Felix Jung · 27. März 2025 um 09:00

Manchmal steht man einer Sache scheinbar machtlos gegenüber. Die zündende Idee fehlt, wie dem Autor bei einem Besuch in Hagelstadt. Hätte er doch nur den Blickwinkel geändert.

Haben Sie mal probiert, das Gotteshaus in Hagelstadt vernünftig von außen zu fotografieren? Glückwunsch, Sie sind eine Profi! Mir ist es nach langem Hin und Her und aus allen mir erdenklichen Blickwinkeln nicht gelungen, Turm und Kirchenschiff fototechnisch zusammenzubringen – irgendwer von beiden kippt immer.

Also habe ich mich für die auf dem Bild zu sehende Variante entschieden: Ich habe sie „Kirche in Schieflage“ getauft (Foto: Felix Jung). Nicht, dass Sie glauben, es sei ein Ausdruck meines stillen Protests. Ich habe wirklich versucht, ein vernünftiges Bild abzugeben. Das menschliche Auge sieht halt besser. Mit dem Fotoapparat braucht es wohl einen mehr oder weniger größeren Trick oder dann doch einen Überflug mit Engelsflügeln und einem Augenzwinkern. Na gut, ich lass mich bekehren: Man muss auf der richtigen Seite stehen oder die richtige Perspektive wählen. Hinterher ist man immer schlauer.

Architekt Friedrich Schwertle hat die Pfarrkirche Heilige Dreifaltigkeit entworfen. Sie ist ein deutlich sichtbares Kind der Moderne. Baubeginn war 1969, am 6. Juni 1971 konsekriert vom damaligen Regensburger Bischof Rudolf Graber. Die Kirche liegt zentral im Ort und wirkt nur auf den ersten Blick wie ein Fremdkörper in der Landschaft. Letztendlich ist es wunderbare Sakralkunst.

Der Bau ist in Kreuzform angelegt, mit einem aus dem Boden wachsenden Zeltdach. Auch im Innenraum kommt man voll auf seine Kosten. Der 43 Meter hohe Turm ist als Pyramide ausgeführt und trägt fünf gewichtige Glocken. Gott sei Dank, dass es in Stadt und Land so herrlich unterschiedliche Gotteshäuser gibt. Sorgt nicht mehr Vielfalt für Gleichgewicht und Harmonie und so für weniger Schieflagen, was glauben Sie?