Gähnende Leere in Maxhüttes Vorzeige-Quartier „Lena“: Sind die Grundstücke zu teuer?

Von Thomas Rieke · 27. März 2025 um 05:00

Die Eröffnung der Lidl-Filiale in der Nordgaustraße war für das Projekt „Lena“ ein Meilenstein. Schließlich ist Einkaufen elementarer Bestandteil des Quartier-Konzepts. Allerdings werden mittlerweile von verschiedenen Seiten Zweifel geäußert, ob die Rechnung für die Stadt und den Projektentwickler Immo4Life wirklich aufgeht.

Zu viele Grundstücke, so wurde zuerst auf Facebook kolportiert, seien noch unbebaut – und es sei fraglich, ob sich daran in absehbarer Zeit etwas ändern werde. Schließlich würden für die Parzellen wahre Mondpreise verlangt. Trotzdem müssten Käufer in den nächsten Jahren mit Lärm und Dreck vor ihrer Haustüre rechnen. Wer tue sich das an? Auch Matthias Meier, Vorsitzender des CSU-Ortsverbands, sieht das Preisgefüge kritisch – und forderte kürzlich eine Korrektur.

Doch der Reihe nach: „Lena“ ist der Name für ein nicht alltägliches Projekt. Einheimische wie Neubürger sollen hier ankommen (Buchstabe vier) und leben (Buchstabe eins) sowie einkaufen (Buchstabe zwei) und Natur genießen (Buchstabe drei). Dafür wurde an der Nordgaustraße ein 47 000 Quadratmeter großes Baugebiet ausgewiesen und erschlossen. Neben dem erweiterten Einkaufszentrums sollten am neu geschaffenen Stoapfalzweg vor allem Familien ihren Traum von den eigenen vier Wänden verwirklichen können.

Insgesamt stehen dafür rund 25 Parzellen unterschiedlicher Größe zur Verfügung. Rund die Hälfte wollte die Stadt selbst vermarkten, den anderen Teil die Gesellschaft Immo4Life mit Sitz in München.

Geschäftsleiter berichtet von unterschriftsreifen Verträgen

Doch so durchdacht das Konzept, das in bunten Broschüren nachzulesen ist, erscheinen mag und so sehr es auch schon gelobt wurde – angesichts der schwierigen Zeiten wäre es nicht das erste Vorhaben, das hinter den Erwartungen bliebe. Ist also letztlich doch was dran an den Gerüchten, die über die Netzwerke gestreut worden sind? Bleibt Lena weitgehend leer, weil es sich niemand leisten kann oder will, sich hier anzusiedeln?

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Die Wahrheit liegt nach Recherchen der Redaktion, wie so oft, irgendwo in der Mitte: Für die Stadtverwaltung bestätigt Geschäftsleiter Karl Peter Würstl, dass die Kommune erst ein Viertel der Grundstücke, die ihr gehör(t)en, verkauft hat – nämlich drei. Für zwei weitere liege eine Reservierung vor beziehungsweise stehe der notarielle Kaufvertrag „unmittelbar bevor“. Die, die bereits Eigentümer seien, hätten bereits die Baugenehmigung erhalten.

457 Euro für den Quadratmeter

Der Quadratmeterpreis für das voll erschlossene Bauland liegt laut Würstl bei 457 Euro. Das ist ein Spitzenwert im Landkreis Schwandorf, doch die Stadt hält das für vollkommen in Ordnung. Sie rückt die Vorzüge des Baugebiets in den Fokus: die Erreichbarkeit öffentlicher Einrichtungen und die Nahversorgung in unmittelbarer Nachbarschaft werden ebenso genannt, wie der Anschluss an den Öffentlichen Personennahverkehr, inklusive Bahnhof, und die Nähe zur Autobahn. Außerdem lägen die Preise in Richtung Regensburg mittlerweile zwischen 600 und 800 Euro.

Andererseits räumt Würstl ein, dass die Stadt ihre Strategie längst geändert hat: Waren anfänglich die Grundstücke einheimischen Bürgern vorbehalten, so sind sie seit Sommer 2024 uneingeschränkt zum Kauf freigegeben.

„Kurzfristige Sättigung der Nachfrage“?

Dass sich der durchschlagende Verkaufserfolg trotzdem noch nicht einstellen wollte, erklärt Würstl damit, dass Kaufwillige möglicherweise zwischenzeitlich anderswo fündig geworden seien, wo es Grundstücke gegeben habe, die nicht dem Einheimischenmodell unterlagen. Dadurch könnte kurzfristige eine „gewisse Sättigung der Nachfrage“ eingetreten sein. Inzwischen sei das Interesse aber wieder etwas gestiegen, ergänzt Würstl. Die verbliebenen Parzellen würden nun „aktiv regional und überregional angeboten“. Angesichts der Attraktivität des Quartiers mache sich die Stadt keine Sorgen, auf ihren Grundstücken sitzen zu bleiben.

Auch der Geschäftsführer von Immo4Life, Andreas Kern, verteidigt die Preise. Im Vergleich zu umliegenden Gemeinden mit ähnlicher Anbindung seien sie „marktüblich“.

Für Projektentwickler lief es besser

Für Kerns Gesellschaft verlief der Verkauf aber auch erfolgreicher als für die Kommune, was daran liegen könnte, dass von vornherein auch Interessenten, die nicht aus der Region stammen, eine Chance hatten. Laut Kern wurden elf von zwölf Parzellen an den Mann gebracht oder befinden sich „unmittelbar vor dem Kaufabschluss“. Man sei deshalb „sehr zufrieden“. In anderen Gebieten sei die Zurückhaltung nämlich tatsächlich sehr groß.

Im Übrigen betont Kern einmal mehr, dass er als regional verwurzelter Projektentwickler und Investor auch persönlich daran interessiert sei, dass in Maxhütte-Haidhof „attraktives Wohnen und Leben“ möglich ist. Mit Lena komme man einem „häufig geäußerten Wunsch“ nach mehr Bauplätzen nach. Speziell Familien bekämen eine Chance, ihre Träume zu entwickeln. Für sie sei das Angebot „optimal“.

Was steckt hinter der Kritik?

Vom Konzept ist Immo4Life also unverändert überzeugt. Es sei wohl durchdacht und zukunftsorientiert. Aufgrund der Lage des Quartiers und der vorhandenen Infrastruktur könnten viele Dinge auch ohne Auto erledigt oder genutzt werden.

Zur Kritik, dass Grundstückskäufer trotz der hohen Preise vieles ertragen müssten, erklärt Kern: Wie in jedem Baugebiet ließe sich Lärm in der Tat auch in Lena für einen gewissen Zeitraum nicht vermeiden.

Ansonsten seien unterschiedliche Stimmen zu einem öffentlichen Projekt üblich. Auch das zeichne die Meinungsfreiheit aus, der man sich gerne stelle. Allerdings dürfe man nicht vergessen, dass negative Äußerungen „unterschiedliche Motivationen“ haben könnten.

Bürgermeister Rudolf Seidl (l.) freute sich kürzlich über die Eröffnung der Lidl-Filiale zu der auch Matthias Martin, Geschäftsführer Vertrieb von Lidl (r.) gekommen war. Foto: Norbert Wanner