Mehr Ärzte, moderne Ausstattung: Neunburgs Gesundheitszentrum stellt sich aktuellen Herausforderungen

Während vielen Kliniken die Insolvenz droht, konnte Neunburg sein kommunales Gesundheitszentrum Ostoberpfalz (GZO) wirtschaftlich stabilisieren. Darüber informierte jetzt Dr. Richard Wagner, Ärztlicher Direktor des GZO, die Mitglieder des städtischen Gesundheitsausschusses.
Mehr noch: Das GZO will in Zukunft mehr investieren und sich umstrukturieren. Den entsprechenden Finanzentwurf billigte der Ausschuss einstimmig.
Das GZO entwickelte sich 2024 weiter:
Das Vorjahr sei laut Richard Wagner ein „Jahr der Erweiterung unseres medizinischen Spektrums“ gewesen. Die Hausarztpraxis in der Vorstadt von Dr. Rainer Riedemann wurde in die Praxis in der Ledererstraße integriert. Außerdem erwarb das GZO die von der Schließung betroffenen Kinderarztpraxis in Neunburg. „Nur dadurch konnten wir zu Beginn dieses Jahres die Anstellung einer neuen Kinderärztin verwirklichen, die in Zukunft die Praxisnachfolge antreten wird“, erklärte Wagner.
Im Gegensatz zu anderen Kommunen würde Neunburg durch diese Maßnahmen die medizinische Versorgung sicherstellen und einen Verlust von Arztpraxen verhindern, so der ärztliche Leiter des GZO.
Die Erweiterungen hätten einen positiven Effekt: „2024 konnte dadurch der Praxisumsatz deutlich gesteigert werden.“ Wagner ergänzte: „Im Vergleich zum Vorjahresquartal gab es eine Umsatzsteigerung im sechsstelligem Bereich.“ Dies sei nach seinen Worten vor allem dem engagierten medizinischen Personal zu verdanken.
Laut Wagner seien zur Zeit zehn Ärzte, zwei Weiterbildungsassistenten, 27 Arzthelfer, eine Auszubildende und noch drei Raumpflegerinnen beim GZO angestellt. Die Leistung dieser Mitarbeiter sei laut Wagner entscheidend für die Zukunft des GZO und der medizinische Versorgung der Stadt.
„Aber immer mehr unserer Ärzte gehen in den nächsten Jahren in den Ruhestand“, weist Wagner auf die anstehende Herausforderung hin. Aus diesem Grund habe das GZO einen junger Internisten im Internet angeworben, der ab 2026 in Neunburg tätigen sein soll. „Der Vorvertrag wurde schon unterschrieben und wir sind sehr froh das wir jetzt Planungssicherheit haben“, so Wagner. Außerdem habe Neunburg im Vorjahr „noch zwei weitere Coups gelandet“, wie der ärztliche Leiter weiter verriet: „Eine neue Diabetesberaterin wurde eingestellt und wir haben einen Facharzt in Ausbildung von der Weiterbeschäftigung in unserer Stadt überzeugt.“
Auch die zweite Bürgermeisterin Margit Reichl (CSU) dankte Richard Wagner und seinem Team für die „hervorragende Arbeit“ und betonte: „Ich bin mir sicher, dass Neunburg auch in den nächsten Jahren tolle Ärzte haben wird.“
Mehr Effizienz durch Umstrukturierungen:
Das GZO besteht aus vier Facharztpraxen, die sich auf drei Standorte verteilen. Darunter sind zwei Standorte, die im ehemaligen Krankenhaus ansässig sind. „Diese Praxen verfügen auch über einen eigenen Röntgenraum“, sagte Wagner.
In der Lederstraße ist nach wie vor die Allgemeinarztpraxis im Obergeschoss zu finden. Seit Ende 2024 ist hier auch Dr. Rainer Riedemann tätig, der zuvor noch eine eigene Praxis in der Vorstadt betrieben hatte. „Wir profitieren durch diesen Schritt von vielen Einsparungen“, so GZO-Leiter Richard Wagner. Sowohl Personal- als auch Nebenkosten würden durch die Zusammenführung der beiden Praxen niedriger ausfallen. Laut Wagner würde sich aber für die Patienten nichts grundlegend ändern, „außer das wir unsere Produktivität steigern“.
Die Kinder- und Jugendarztpraxis in der Vorstadt 16 „ergänze das medizinische Angebot sinnvoll“, ist sich Wagner sicher. Weitere Umstrukturierungen will der ärztliche Leiter für die Zukunft nicht ausschließen: „Wir schauen ständig, ob wir unsere Standorte optimieren können. Aber alles was wir machen wird am Ende den Patienten zugute kommen.“ Langfristig ist eine Konzentration der verschiedenen Praxen an einem gemeinsamen Standort vorgesehen.
Modernisierung der Praxen steht bei den Investitionen im Fokus:
„Wir wollen das GZO ständig weiterentwickeln und neue Investitionen angehen“, erklärt Neunburgs Geschäftsleiter Georg Keil. Ein besonderes Augenmerk liege heuer auf der Modernisierung und technischen Verbesserung der Praxen. „Es werden Softwareinvestitionen nötig sein, um alle auf den neuesten Stand der Technik zu bringen“, sagte Keil. Auch die Büroausstattung und die medizinische Ausrüstung würden laut ihm von den eingeplanten Geldern profitieren.
Auch in Zukunft weitere Übernahmen geplant:
Aufgrund der schwierigen Lage des deutschen Gesundheitssystems sei für das GZO vor allem die finanzielle Stabilisierung und weitere Optimierung der medizinsicher Abläufe in Neunburg vorgesehen, so Wagner. „Durch die Einstellung neuer Ärzte und die Umstrukturierungen in den vergangenen Monaten sind wir auf einem guten Weg“, resümierte er. Auch in Zukunft seien laut dem GZO-Leiter weitere „sinnvolle“ Erweiterungen und Übernahmen geplant. Seinen Vertrag wolle Wagner um zwei Jahre verlängern, „um noch ein bisschen mitzuhelfen, die Herausforderungen im Gesundheitssystem zu bewältigen“.
