Ihnen vertrauen Schüler Sorgen an: 15 Jahre gibt es Jugendsozialarbeit im Kreis Regensburg

Von Martina Groh-Schad · 25. März 2025 um 05:00

„Sie sind hilfsbereit, immer da und kennen tolle Spiele“, ist in krakeliger Schrift auf einer bunten Karte zu lesen, die von der Decke im Landratsamt Regensburg baumelt. Hunderte solcher Karten können bis zum 11. April im Foyer bestaunt werden, die die Jugendsozialarbeit an Schulen, kurz JaS, in den Mittelpunkt rückt.

Das Projekt feiert seinen 15. Geburtstag und hat dazu Schüler aufgerufen, den Satz „JaS ist für mich....“ auf Postkarten zu ergänzen und sie farblich zu gestalten. Seit dem Schuljahr 2009/10 gibt es im Landkreis Regensburg die JaS. Gestartet wurde mit zwölf Fachkräften an elf Schulen. Heute ist das Team auf 52 Fachkräfte an 38 Schulen angewachsen.

Schulen wollen JaS behalten und ausbauen

„15 Jahre Jugendsozialarbeit an Schulen ist eine Erfolgsgeschichte“, erklärte Landrätin Tanja Schweiger bei der Ausstellungseröffnung, zu der zahlreiche JaS-Fachkräfte ins Landratsamt gekommen waren, um ihr Berufsfeld zu feiern. Von den Schulen sei ihr rückgemeldet worden, dass sie ihre JaS-Fachkräfte nicht mehr hergeben und das Projekt am liebsten noch weiter ausbauen würden. „Es ist eine Unterstützung am Lern- und Lebensort Schule, die dort ankommt, wo sie gebraucht wird“, betonte Schweiger. Die Jugendsozialarbeiter seien die Vertreter des Jugendamtes vor Ort, quasi die Außenstellen. Schweiger dankte den Mitarbeitern für ihr Engagement und lobte, dass sie Verantwortung übernehmen. „Sie sind draußen Einzelkämpfer“, erklärte sie. „Das ist nicht einfach.“ Die JaS-Fachkräfte unterstützen die Kinder, Jugendlichen und Eltern bei Fragen der Erziehung, bei Verhaltensauffälligkeiten, Konflikten mit Mitschülern, Schwierigkeiten in der Schule oder zu Hause in der Familie. Die Hauptaufgabe der Jugendsozialarbeit ist die Einzelfallarbeit mit Schülern, aber auch das Gestalten, Planen und Organisieren von präventiven Projekten zu Themen wie Sozialkompetenz, Medienerziehung über Gewaltprävention bis hin zur Suchtprävention. Sie sind vernetzt mit externen Kooperationspartnern, wie zum Beispiel den Erziehungsberatungsstellen. Die Eltern und ihre Kinder haben eine Ansprechperson an der Schule, die dennoch getrennt vom Schulsystem arbeitet. Arbeitgeber der Jugendsozialarbeiter an Schulen sind daher nicht die Schulen oder das Kultusministerium, sondern die Landkreise, Städte oder freien Träger. Hier nur einen Ansprechpartner statt vieler verschiedener Träger zu haben, habe sich als Stärke von JaS herauskristallisiert, betonte Schweiger.

Haushalt limitiert Ausbau im Landkreis Regensburg

Aktuell stehen Umstrukturierungen und Flexibilisierungsmaßnahmen rund um das Projekt an. Sieben weitere Schulen haben einen Antrag gestellt, dass eine JaS-Fachkraft bei ihnen tätig werden soll. Da es aufgrund der Haushaltslage nicht vorgesehen ist, weitere neue Stellen zu schaffen, sollen die vorhandenen Ressourcen gut verteilt werden. „Es geht darum, möglichst gerecht zu verteilen“, sagt Gruppenleiterin Nadja Ateia-Jones.

Gleichzeitig müssten die Fachkräfte im Blick haben, dass ihre Arbeit auf einem Vertrauensverhältnis und auf Beziehungsarbeit beruhe, dass sie zu den Schülern, zu den Lehrern und zum Teil auch zu den Eltern aufbauen. „Das ist mit wenigen Stunden schwer möglich zu schaffen“, erklärt Ateia-Jones. Es müsse daher genau hingesehen werden, an welcher Schule der Zeitanteil reduziert werden könne, um andere Schulen zu bedienen.

Das sagen Expertinnen

Manuela Stiglbauer, Berufliches Schulzentrum: „JaS ist das aufrichtigste, niederschwelligste und lösungsorientierteste Angebot, das ein Jugendlicher heutzutage an einer Schule bekommen kann“, sagt Manuela Stiglbauer. Sie ist JaS-Fachkraft der ersten Stunde und seither am BSZ des Landkreises Regensburg im Einsatz. „Man holt den Jugendlichen dort ab, wo er steht.“ Wichtig sei, dass die Gespräche auf Augenhöhe stattfinden würden und man den Schülern das Gefühl vermittle, dass sie nicht allein seien. Es gehe darum, ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. „Es gibt kein Thema bei uns in der Beratung, das es nicht gibt“, betont sie.

Darija Soric, Mittelschule Lappersdorf: „Für mich bedeutet JaS, den Kindern eine Stimme zu geben, die oft vergessen werden, nicht gesehen und nicht gehört werden“, sagt Darja Soric. Sie ist an der Mittelschule in Lappersdorf tätig und unterstützt viele Kinder und Jugendliche aus Migrantenfamilien. Immer wieder sei sie dabei mit schweren Schicksalsschlägen konfrontiert. „Die Kinder sind die Leidtragenden von Krieg“, sagt sie. Zudem prägen psychische Auffälligkeiten ihre Arbeit mit den Kindern, bei denen sie versucht, gegenzusteuern. Eine große Rolle spielen auch die Sozialen Medien, die sich auf die Kinder und Jugendlichen auswirken.

Stefanie Horst, Grundschule Ramspau: Seit fast 14 Jahren ist Stefanie Horst als JaS-Kraft im Einsatz, aktuell im dritten Jahr an der Grundschule in Ramspau. Aus Erfahrung weiß sie: „Es dauert, bis sich Kinder öffnen, Vertrauen fassen und über ihre Probleme sprechen.“ Durch die Jugendsozialarbeit gelinge es oft, auffachende Brände schon im Keim zu ersticken, damit es kein Buschbrand wird. Ein großes Anliegen ist ihr: „Ich will die Kinder befähigen, ihre Konflikte selbst zu lösen.“ Wenn Schwierigkeiten und Sorgen für das Kind zu groß seien, gehe es darum, Kooperationspartner mit ins Boot zu holen wie Lehrer, Eltern und das Jugendamt.

Manuela Stiglbauer, JaS-Fachkraft am BSZ Regensburg Foto: Landratsamt Regensburg
Darija Soric, JaS-Fachkraft an der Mittelschule Lappersdorf Foto: Landratsamt Regensburg
Stefanie Horst, JaS-Fachkraft an der Grundschule Ramspau Foto: Landratsamt Regensburg