Kosten für Landkreis Regensburg steigen weiter: Jugendhilfe soll effizienter werden

Der Landkreis kämpft gegen die Kostenexplosion in der Jugendhilfe – und dennoch musste Carina Zenger vom Kreisjugendamt dem Jugendhilfeausschuss am Dienstag einen deutlich gestiegenen Zuschussbedarf präsentieren. Durch gesteigerte Effizienz soll dieser Entwicklung Einhalt geboten werden.
Im Bereich der Jugendhilfe werden die Ausgaben heuer auf 42,7 Millionen Euro angesetzt. Bei Einnahmen von 8,2 Millionen Euro bedeutet das benötigte Zuschüsse von 34,5 Millionen Euro. Das sind 4,5 Millionen Euro mehr als vergangenes Jahr.
Nicht alle Faktoren können beeinflusst werden
Dafür seien Faktoren verantwortlich, „die wir leider auch nicht beeinflussen können“, sagte Zenger. Allein durch Entgeltsteigerungen seien Mehrausgaben in Höhe von 2,8 Millionen Euro zu verbuchen. Den größten Brocken macht die Eingliederungshilfe mit 10,7 Millionen Euro Zuschuss aus. Darunter fällt auch die Schulbegleitung mit 5,6 Millionen Euro an Kosten. Durch Pool-Lösungen und Überschneidungen mit JaS-Fachkräften soll die Kostensteigerung gebremst werden. Auch die Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) selbst schlägt mit fast 2,8 Millionen Euro an Bezuschussung heftig ins Kontor. Mehr kosten den Landkreis bei der Jugendhilfe nur Heimerziehung (7,1) und Sozialpädagogische Familienhilfe (2,9).
Bedarf ist unstrittig
Bei JaS versucht der Landkreis seit längerem, den Kosten Herr zu werden. „Wir haben einen Stopp gemacht beim Stellenausbau“, sagte Landrätin Tanja Schweiger. Neun Landkreis-Schulen haben seither die In-stallierung oder den Ausbau von JaS beantragt – teilweise schon 2023. „Was besonders ungerecht ist in diesem Zusammenhang“, gesteht Schweiger ein: „Dass wir einen Bedarf sehen, aber trotzdem noch keine Stelle hingeben.“ Und der Bedarf ist anerkannt, daran lässt Schweiger keinen Zweifel. Bekannte Problemlagen wie häusliche Gewalt, Vernachlässigung, Suchterkrankungen in der Familie, Mobbing, psychische Erkrankungen, erhöhter Leistungsdruck und ein höheres Aggressions- und Gewaltpotenzial seien längst in der Grundschule angekommen.
Wie viel Betreuung tut an Grundschulen Not?
Ohne Betreuung soll keine Schule bleiben, doch vor dem Hintergrund des stetig steigenden Haushaltspostens soll die Jugendsozialarbeit dort effizienter gestaltet werden. „An einer Grundschule müsste eine halbe JaS-Stelle reichen, wenn es nicht gerade die Grundschule Neutraubling ist, die größte weit und breit“, sagte Schweiger. So könne die frei werdende halbe Stelle in einer benachbarten Grundschule genutzt werden, um auch dort ein sozialpädagogisches Angebot zu schaffen – „immer vor dem Hintergrund, dass JaSlerinnen keine Schachfiguren sind, die man hin und her schieben kann“, wie Schweiger betonte.
Sprechstunde in kleinen Schulen
Dieses Modell soll bei Schulen mit mindestens acht Klassen gelten. „Bei drei- oder vierklassigen Grundschulen würden wir mit einer Sprechstunde nach draußen gehen“, nennt Schweiger eine Alternative zur halben JaS-Stelle. So sei zumindest ein Mal pro Woche eine Ansprechpartnerin vor Ort. In der Brust von Irmgard Sauerer schlagen bei diesen Nachrichten zwei Herzen. Die Bürgermeisterin von Brennberg – die dortige Grundschule zählt vier Klassen – sieht, dass die Kosten aus dem Ruder laufen, die über die Kreisumlage die Gemeinden stemmen. „Aber auch an kleineren Schulen haben wir Problemfälle, in die gut investiert wäre, wenn wir Kinder, Eltern und Lehrkräfte entlasten können“, sagt sie. Ihre Vorschlag: „Die Ausstattung sollte generell vom Kultusministerium erfolgen, standardmäßig“ – also ohne Beantragung, ohne Abhängigkeit von den Kreisfinanzen.
Freistaat ist gefordert
Auch Pettendorfs Bürgermeister Eduard Obermeier sieht den Freistaat gefordert. „Die Kommunen sind nicht in der Lage, alle gesellschaftlichen Defizite zu kompensieren geschweige denn zu finanzieren“, sagt er. Aus Sicht der Pettendorfer Schule zeigt er sich mit der Lösung im Jugendhilfeausschuss aber zufrieden: „Es entspricht dem Wunsch unserer Rektorin.“
Ausschussmitglied Katja Stegbauer verwies auf den erwiesenermaßen steigenden Bedarf. Zudem sollen JaS-Fachkräfte bei der Schulbegleitung unterstützen. „Mir leuchtet nicht recht ein, wie das miteinander einhergeht.“
Bräuchte es nicht Ausbau?
Für sie wäre Ausbau der logische Schritt, nicht das Einfrieren des Stellenplans auf dem Stand von 2023. Gerlinde Fink merkte an: „Die Stellen werden nicht mehr, aber die Fachkräfte sollen sich zwischen den Schulen aufteilen und mehr Aufgaben übernehmen. Mir kommt das wie ein Zaubertrick vor.“
Schweiger hielt entgegen: „Ob es Zauberei ist, weiß ich nicht. Es ist ein Prozess, in den wir hineingehen.“ Sie präsentierte den Weg der Stellen-Teilung als fairen und effizienten Kompromiss: „Wir können natürlich in der alten Welt weitermachen.“ Dann würden Stellen für das Gymnasium Neutraubling und die Grundschulen Großberg, Thalmassing und Pettendorf-Pielenhofen geschaffen. „Dann fallen die anderen aber durchs Raster. Wir sind mit dem Haushalt in der Gesamtverantwortung für den ganzen Landkreis.“ Einstimmig befürwortet wurde eine Neuverteilung der JaS-Stellen zwischen allen Schulen sowie die Schaffung von Vor-Ort-Sprechstunden in kleinen Grundschulen. Auch der Jugendhilfehaushalt wurde einstimmig abgenickt.