Zwischen Abschiebung und Aufbruch: Das bewegt Geflüchtete im Landkreis Kelheim

Traumatisiert und frustriert: Die Situation von Migranten, die im Landkreis Kelheim leben, ist nicht immer einfach. Nicht nur die Ehrenamtlichen des Asyl-Helferkreis Abensberg wissen das. Es gibt aber auch viel Hoffnung.
Der Asyl-Helferkreis Abensberg feierte vor ein paar Monaten sein Zehnjähriges. Die Aufgaben der Ehrenamtlichen haben sich verändert, aber zu tun gibt es immer noch genug. In Helferkreistreffen tauscht man sich regelmäßig aus. Magdalena Groll-Zieglmeier und Christina Kranz-Kohl hatten dazu vor Kurzem Gäste eingeladen, die beruflich mit Migranten zu tun haben, aber auch Betroffene.
Manfred Neumann, der an der Berufsschule Kelheim die Berufsvorbereitungsklassen betreut, berichtete aus seinem Alltag. Die Schüler kommen aus Syrien, Afghanistan, der Ukraine und dem Balkan, vornehmlich aus dem Kosovo. Im ersten Jahr der Berufsvorbereitung gehe es nur um den Spracherwerb, hier gebe es momentan vier Klassen. Im zweiten Jahr stehe die berufliche Orientierung im Fokus, derzeit in zwei Klassen. Eine Klasse ist auf der Warteliste.
Viele Schüler
Die Schülerzahlen seien, so Neumann, konstant hoch, Klassen und finanzielle Mittel aber würden gekürzt. Dabei könne sich die Erfolgsquote sehen lassen: 80 Prozent könnten in ene Ausbildung vermittelt werden. Allerdings sei die Situation vieler Schüler von Angst und Unsicherheit geprägt, es gebe unter den Jugendlichen viel Resignation und Frustration.
Rene Krüger von der Jugendmigrationsstelle erzählte, dass zu ihm nur Problemfälle kämen, „gut Integrierte brauchen meine Stelle nicht“. Man solle das Positive im Blick behalten, so sein Credo. Es gebe zu viele Akteure, die nur die Negativbeispiele in den Vordergrund stellten. Wer sich hingegen integriere, leiste eine Beitrag zur Akzeptanz von Migration. Aber auch für gut Integrierte gibt es keine Garantie, nicht abgeschoben zu werden. Dabei sei die Rückführung gar nicht so einfach: Manche Staaten nehmen keine Flüchtlinge zurück, Rückführungen scheiterten auch des Öfteren.
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Zain berichtete aus Syrien, dass es viele Kämpfe im Nordwesten des Landes gibt, dort bekämpften sich religiöse Gruppen. Mittlerweile seien einige Syrer mit deutschem Pass nach Syrien gereist, um ihre Verwandten zu besuchen.
Die Ukrainerin Katryna sagte, dass nicht alles, was man in der Öffentlichkeit über die Ukraine hört, der Wahrheit entspreche. Es gehe nicht nur um den Frieden in der Ukraine, sondern um den Frieden für die ganze Welt. Die Menschen in der Ukraine seien müde geworden. Schwierigkeiten gebe es für die, die im Kriegsgebiet leben, aber auch für jene, die sich als Flüchtling ein neues Leben aufbauen wollen. Bei der Integration müssten Eltern den Kindern ein Vorbild sein.
Günter Palmberger berichtete aus der Gemeinschaftsunterkunft und auch von Abschiebungen. Eine aserbaidschanische Famile wurde abgeschoben. Beide Eltern waren sozialversicherungspflichtig beschäftigt, das Kind ging in die Grundschule.
Traumatisierte Jugendliche
Die Termine für die Abschiebungen würden vorher nicht bekannt gegeben. Meist kämen sechs Polizisten. Abgeschoben würden im Übrigen keine Problemfälle, so Palmberger. Momentan leben 116 Bewohner in der Gemeinschaftsunterkunft.
Ein Problem, so Palmberger, seien 18-Jährige, die mit der Volljährigkeit aus der Jugendhilfe fallen, einige von ihnen seien schwerst traumatisiert. Dass diese Jugendlichen mittlerweile in eine Unterkunft kämen, sei ein Fortschritt, merkte Krüger an. Denn es habe Fälle gegeben, in denen 18-Jährige einfach auf die Straße gesetzt wurden und dann obdachlos waren.
Asylhelfer-Kreis unterstützt Geflüchtete mit verschiedenen Aktionen:
Aktionen: Der Helferkreis plant weitere Aktionen: Alle 14 Tage ist dienstags in den geraden Wochen ab 17.30 Uhr offener Sprachtreff im TreffPunkt am Bahnhof, dazu werden Mitarbeiter gesucht. Plakate werden gerade erstellt. Nächster Treff ist am 1. April.
Freitags ist immer Multikulti-Mutter-Kind-Gruppe im Treffpunkt. Ab Mai startet ein neuer Kurs, der steht auch im VHS-Programm. Zudem startet ein neuer Kultiger-Kurs mit sechs Kindern aus der dritten Klasse.
Infos: Interessenten melden sich bei Christina Kranz-Kohl unter Telefon (0160) 6 49 79 39 oder Magdalena Groll-Zieglmeier unter (09443) 3730
