„Wir machen uns keine Illusionen“: Asyl-Helferkreis ist raus aus den Kinderschuhen und feiert Jubiläum

Von Lucia Pirkl · 25. Oktober 2024 um 11:00

Zehn Jahre Asylhelfer-Kreis Abensberg: Von der Anfangseuphorie in die projektbezogene Arbeit auf vielen Schultern – Die Ehrenamtlichen haben Einiges erlebt und bleiben nah an den Menschen.

Als vor fast zehn Jahren die ersten Geflüchteten in Gaden aus einem Bus ausstiegen, war das nicht nur für sie, sondern auch für die Freiwilligen vom Asyl-Helferkreis ein Sprung ins kalte Wasser. „Wir wussten ja ganz wenig von den Menschen“, erzählt Christina Kranz-Kohl, die sich von Anfang an engagierte. „Es war aber klar, dass man unterstützen muss“, erinnert sich auch Magdalena Groll-Zieglmeier. Die Euphorie war groß, der Bedarf auch. „Wir haben ja fast alles gemacht“, so Kranz-Kohl.

Zehn Jahre später haben sich viele Neulinge hier ein Leben aufgebaut, die Ehrenamtlichen aus dem Asyl-Helferkreis wiederum sind abgeklärter, so manche Vorstellung hat sich auch an der Realität zerrieben. Aber die Arbeit geht trotzdem weiter.

Viele wollten dabei sein

Als damals die Flüchtlingswelle auf Deutschland zurollte, reagierte man in Abensberg schnell. Uwe Brandl regte an, eine Gruppe zu schaffen, lud zum Runden Tisch. Unterstützung von der Stadt gab es obendrauf. „Das war ganz wichtig, es gab ja auch keine Struktur“, so Kranz-Kohl. Abensberg richtete als eine der ersten Kommunen extra eine Stelle ein. Bis heute kann der Asyl-Helferkreis auf die Hilfe der Stadt zählen.

Freiwillige gab es anfangs genug. Zu Beginn habe eine Willkommenskultur vorgeherrscht, Paten betreuten die Neuankömmlinge Eins-zu-Eins, erinnern sich die beiden Frauen. Alles war neu und exotisch, „viele wollten mit dabei sein, wir haben fast jeden Abend mit den Flüchtlingen gegessen und getrunken“, erzählt Kranz-Kohl.

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Sukzessive wurden in den Behörden professionelle Anlaufstellen aus der Taufe gehoben, die die Arbeit übernahmen, die zu Beginn nur die Ehrenamtlichen wuppten. Dadurch veränderten sich auch die Aufgaben für den Helferkreis. „Wir unterstützen jetzt punktuell auf Nachfragen. Ansonsten sind wir mittlerweile eher eine Anlaufstelle, die wiederum auf andere professionelle Stellen verweist“, sagt Groll-Zieglmeier, Stadträtin und auch Referentin für Asyl und Integration . „Wir arbeiten jetzt viel stärker projektbezogen“, erzählt Kranz-Kohl. Und die Liste dieser Projekte ist lang (siehe Infokasten). Mittlerweile habe man mehr das Große-Ganze im Blick, weniger das Klein-Klein. „Wir wollen keinen blinden Aktionismus, eher schauen, was braucht es für Abensberg“, sagt Groll-Ziegl-meier. In einer Visionengruppe entstehe so manche Idee.

„Wir haben inzwischen eine professionelle Distanz, die am Anfang nicht da war“, sagt auch Kranz-Kohl rückblickend. Freilich gab es auch Enttäuschungen, etwa, wenn Menschen, um die man sich lang bemühte, einfach sang- und klanglos verschwanden, „oder man buttert rein und es bringt nix“, sagt Kranz-Kohl. Verzweifeln ließ sie auch so manch bürokratische Hürde. Und nicht zuletzt seien die Menschen häufig auch schwer traumatisiert, die Möglichkeiten einer Therapie hingegen oft begrenzt. Auch in solchen Momenten, in denen man schon einmal hadert, war und ist die Visionengruppe immer ein Ankerplatz, an dem man sich gegenseitig auffängt.

Aber auch, dass man die Arbeit auf viele Schultern verteilt, ist ein gutes Rezept gegen das Ausgebranntsein. Es gibt kaum eine Institution oder einen Verein in der Stadt, mit der sich der Asyl-Helferkreis in den vergangenen Jahren nicht vernetzt hat. Sie alle unterstützen, ja ermöglichen erst die Integration. „Wir sind keine Asylhelfer mehr, wir sind eigentlich Integrationshelfer“, sagt Groll-Zieglmeier.

Nicht immer wohlwollend

Nicht immer indes wird die Arbeit des Asyl-Helferkreises wohlwollend betrachtet. „Wir werden manchmal in die Ecke gestellt, als ob wir die Flüchtlinge herholen“, sagt Groll-Zieglmeier. Sie seien sicherlich keine Traumtänzer, aber die Menschen kämen nun einmal her. Und durchaus kennen die Beiden auch die Probleme. „Es sind sicherlich immer wieder welche dabei, die das ausnutzen, das ärgert uns dann auch“, sagt Groll-Zieglmeier. Deshalb den Kopf in den Sand zu stecken? Niemals: „Wir machen uns keine Illusionen und tun, was wir können“, sagen sie. „Es heißt ja immer: ,Es dauert sieben Jahre, bis Integration gelingt.‘ Vor dem Hintergrund, denke ich, können wir ganz zufrieden sein“, so Groll-Zieglmeier.

Zehn Jahre Asyl-Helferkreis: Das muss gefeiert werden:

Kleine Feierstunde: Am Sonntag, 3. November wird am Treffpunkt beim Bahnhof von 14 bis 18 Uhr gefeiert. Es gibt viele Leckereien und einen Rückblick über zehn Jahre Asyl-Helferkreis. Jeder ist herzlich willkommen.

Projekte (unter anderem): Kultiger, Musical Schaschara, Leseprojekt in der Grundschule, Kundgebung „Gemeinsam für Demokratie und friedliches Zusammenleben“

Laufende Angebote: Alle zwei Wochen an geraden Dienstagen ist im Treffpunkt am Bahnhof von 17.30 bis 19 Uhr Sprachtreff. „Wir würden das gerne zum Sprachcafé erweitern, aber begleiten müsste das jemand anderes“, so Groll-Zieglmeier. Seit September gibt es einen Mutter-Kind-Treff, auch am Bahnhof, freitags von 9 bis 11 Uhr für alle Nationen.