Weniger Straftaten, hohe Aufklärungsquote – aber starker Anstieg bei Sexualdelikten

Der Oberpfälzer Polizeipräsident Thomas Schöniger wertet die Sicherheitslage als stabil. Die Gesamtzahl der Straftaten sank 2024, die Aufklärungsquote ist hoch. Doch es gibt auch Schatten: Sexualdelikte nehmen zu. Die Migration sorgt für Herausforderungen.
72 Seiten umfasst der Sicherheitsbericht, den der Oberpfälzer Polizeipräsident am Freitagmittag zusammen mit dem Leitenden Kriminaldirektor Michael Danninger bei einer Pressekonferenz für den Regierungsbezirk vorlegte. „Wir werden weiter alles tun, damit die Oberpfalz ein sicherer Ort bleibt“, betonte Thomas Schöniger. Die Zahl der Gesamtstraftaten ist 2024 im Vergleich zum Vorjahr um 0,9 Prozent auf 44.126 Fälle zurückgegangen. Schöniger bezeichnete das als Gradmesser für die gute Sicherheitslage. Die Aufklärungsquote liegt bei insgesamt 70,6 Prozent – ist damit leicht gestiegen. Kriminelle tragen also ein hohes Risiko, erwischt zu werden.
Callcenter-Gaunern auf der Spur
Zu den positiven Entwicklungen zählt, dass die Betrugskriminalität spürbar gesunken ist und zwar um insgesamt rund 50 Prozent. Darunter fallen auch Callcenter-Gaunereien („Enkeltrick“ oder falsche Polizisten), die oft zu Lasten von Senioren gehen. Bei der Rauschgiftkriminalität ist ebenfalls ein Rückgang zu verzeichnen – auch wenn 2024 deutlich größere Mengen von Betäubungsmitteln sichergestellt worden sind. Schöniger führt das zum Teil auf das am 1. April 2024 in Kraft getretene Cannabis-Gesetz zurück.
Stark herausgefordert bleibt das Polizeipräsidium Oberpfalz nach seinen Angaben in diesen drei Bereichen: Bei den Sexualdelikten einschließlich Kinderpornografie ist ein Anstieg um 28,1 Prozent zu verzeichnen. Zudem bleibt – insbesondere im Zusammenhang mit der Migration − die Sicherheit im öffentlichen Raum zentrales Thema. Immer mehr an Bedeutung gewinnt der Kampf gegen Cybercrime. Das Polizeipräsidium verfügt in der Oberpfalz über eine Reihe von „Quick-Reaction-Teams“, die im Einsatzfall möglichst schnell zu den geschädigten Firmen ausrücken. Wichtige Kriminalitätsfelder im Regierungsbezirk sowie Zahlen zu Opfern und Tatverdächtigen im Detail:
• Migration: Die Gegenoffensive zur Kriminalität im Regensburger Bahnhofsbereich zeigt Wirkung. Im Projekt „Gemeinsam stark für Regensburg“ gehen Polizei, Stadtverwaltung, Justiz und das Landesamt für Asyl und Rückführungen geschlossen dagegen vor. Verstärkte Polizeipräsenz, Videoüberwachung und eine bessere Beleuchtung des Areals zählen laut Schöniger zu den Bausteinen. Die enge Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft habe zu über 100 vollstreckten Haftbefehlen und mehr als 50 Abschiebungen geführt.
Der Polizeipräsident verweist zudem auf den verstärkten Einsatz der bayerischen Grenzpolizei zum Eindämmen illegaler Migration und Schleuserkriminalität. Schon seit Oktober 2023 würden von den Oberpfälzer Grenzpolizeidienststellen an der Grenze zur Tschechien deutlich mehr Kontrollen vorgenommen.
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• Sexualstraftaten: Dazu zählen in der Statistik Vergewaltigungen, sexuelle Nötigung, sexueller Missbrauch, Menschenhandel, Exhibitionismus und Verbreiten pornografischer Schriften. Bemerkenswert ist die Aufklärungsquote vom 86,9 Prozent im Regierungsbezirk. Gleichzeitig war im Vergleich zu 2023 aber auch ein sprunghafter Anstieg der Fälle von 1046 auf 1340 zu verzeichnen. Es ist nach Angaben Danningers auch ein Höchststand im Fünf-Jahres-Vergleich. Bei 538 Fällen (plus 49,4 Prozent) handelte es sich um Verbreiten, Erwerb, Besitz oder Herstellen kinderpornografischer Inhalte. Hinweise dazu kommen laut Danninger oft von ausländischen Behörden.
• Gewaltdelikte: Zehn Mal ermittelte die Oberpfälzer Polizei in Mordfällen (Vorjahr: 6). Darunter fällt das Verbrechen von drei Männern aus Litauen, die im April einen Monteurskollegen erst bewusstlos geprügelt und dann auf ein Bahngleis gelegt hatten. Sie wurden diese Woche zu hohen Haftstrafen verurteilt. Im Bereich Totschlag waren 23 Fälle zu verzeichnen (Vorjahr: 12). Zu den Gewaltverbrechen zählen auch gefährliche und schwere Körperverletzungen: Die Zahl stieg 2024 im Regierungsbezirk mit 1355 auf einen neuen Höchststand (plus 7,9 Prozent). Auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen sind die Übergriffe nach Danningers Worten sogar um über 50 Prozent nach oben geschnellt. Das beeinträchtige letztendlich das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger. Schwerpunkt sei die Großstadt Regensburg. „Die Hintergründe sehen wir in milieuinternen Auseinandersetzungen.“ Die Zahl der Raubdelikte blieb laut Statistik wiederum mit 219 annähernd auf Vorjahresniveau.
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• Betrugskriminalität: Hier sticht der Callcenter-Betrug heraus, der durch massive Informationskampagnen stark eingedämmt werden konnte. Die im vergangenen Jahr noch 747 Tatvorgänge bleiben deutlich unter dem Spitzenwert von 2236 Fällen im Jahr 2022 und auch den 1507 Fällen im Jahr 2023. Danninger verwies aber auf die weiter „enormen Beuteschäden“ und ein „perfides“ Vorgehen der Betrüger.
Sie geben sich laut Polizeipräsidium am Telefon als Polizisten, manchmal auch als Staatsanwälte oder Richter aus und gaukeln ihren Opfern vor, ein Angehöriger hätte beispielsweise einen Verkehrsunfall verschuldet und könne nur durch Zahlen einer Kaution vor Haft bewahrt werden. Wer im Schock zum Zahlen bereit ist, erhält Besuch von einem Boten, der das Geld dann abholt. Für diese Botendienste werden laut Oberpfälzer Polizei über Online-Jobbörsen teils auch arglose Arbeitskräfte aus dem Ausland eingespannt. Ein Teil der Täter schickt in einer Betrugsvariante Nachrichten über WhatsApp mit der Bitte um Online-Überweisungen. In einer weiteren Masche geben sich die Täter als Notare aus, verkünden einen angeblich immensen Gewinn, welcher aber erst nach Zahlen einer Gebühr ausgezahlt werden könne.
• Staatsschutzdelikte: Die politisch motivierte Gewalt von Rechts ist 2024 auf 255 Fälle (plus 8,5 Prozent) gestiegen. Bei der Gewalt von Links waren im vergangenen Jahr in der Statistik 42 Fälle (minus 14,3 Prozent) zu verzeichnen. In den Bereich „Sonstiges“ mit insgesamt 164 Fällen fallen auch Aktionen von „Reichsbürgern“ oder Querdenkern. Darunter werden von der Polizei aber auch Klimakleber erfasst. Bei allen Vorfällen handelte es sich überwiegend um Sachbeschädigungen, Nötigungen oder das Verwenden verfassungsfeindlicher Symbole.
• Die Opfer: Die Gesamtzahl der Opfer von Gewalttaten und Übergriffen beziffert die Oberpfälzer Polizei für 2024 mit 11.718. 7134 oder 60,9 Prozent davon waren Männer, 4584 oder 39,1 Prozent waren Frauen. Der Anteil der Erwachsenen lag bei 76,5 Prozent. Aber 8,1 Prozent (Vorjahr: 7,5 Prozent) waren Heranwachsende, 7,9 Prozent (Vorjahr: 7,1) Jugendliche und 7,5 Prozent (Vorjahr: 6,1) Kinder.
• Die Tatverdächtigen: In der Oberpfalz wurden 2024 – nicht eingerechnet Verstöße gegen das Aufenthaltsrecht – 22.667 Tatverdächtige registriert. Die Polizei unterscheidet in der Statistik zwischen den 13.843 Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit (61,1 Prozent) und den 8824 Personen ohne deutschen Pass (38,9 Prozent), bei denen der Anteil der 2903 Zuwanderer 12,8 Prozent beträgt. 17.532 oder 77,3 Prozent der Tatverdächtigen waren Männer, 5135 oder 22,7 Prozent waren Frauen.
• Der Oberpfalz-Vergleich: Um die Kriminalitätszahlen in den Oberpfälzer Kommunen besser vergleichbar zu machen, rechnet die Polizei die Delikte unabhängig von der Größe des Ortes auf 100.000 Einwohner hoch. Die Stadt Regensburg liegt dabei mit einer sogenannten „Häufigkeitszahl“ von 8275 ganz vorne, gefolgt von der Stadt Weiden mit 6330. Die Stadt Amberg folgt mit 5619 auf Platz 3, der Landkreis Tirschenreuth mit 4100 auf Platz 4, der Landkreis Neustadt an der Waldnaab mit 3545 auf Platz 5, der Landkreis Schwandorf mit 3154 auf Platz 6. Schlusslichter sind der Landkreis Regensburg (2217) und der Landkreis Amberg-Sulzbach (2070).
Zur Info: Polizeipräsidium Oberpfalz
Zuständigkeit: Das Polizeipräsidium Oberpfalz mit Sitz in Regensburg ist eines von insgesamt zehn bayerischen Präsidien. Der Zuständigkeitsbereich umfasst rund 9700 Quadratkilometer. Dort trägt man für die Sicherheit von rund 1,14 Millionen Bürgerinnen und Bürgern Verantwortung.
Mannschaftsstärke: Das Polizeipräsidium Oberpfalz zählt 2833 Beschäftigte, darunter 2289 Polizeivollzugsbeamte. Sie leisten in der Regensburger Zentrale sowie in 27 Polizeiinspektionen, neun nachgeordneten Polizeistationen und Polizeiwachen, vier Kriminalpolizeiinspektionen, drei Verkehrspolizeiinspektionen mit zwei nachgeordneten Autobahnpolizeistationen sowie einer Grenzpolizeiinspektion größtenteils rund um die Uhr Dienst.

