Leben mit Downsyndrom: Sebastian Bach (22) aus See rückt zu Feuerwehreinsätzen mit aus

Von Theresa Baumann · 21. März 2025 um 05:00

Feuerwehrler, Quetschenspieler, Reiter, Tierfreund – Alle diese Bezeichnungen beschreiben die Normalität im Leben von Sebastian Bach (22) aus See (Landkreis Neumarkt). Gleichzeitig sind sie ein Sinnbild für die inklusive Kraft einer Dorfgemeinschaft, die einem Menschen mit Handicap eine aktives Leben ermöglicht.

Sebastian Bach wurde mit dem Down-Syndrom geboren. „Für uns war das zu Beginn überhaupt nicht einfach“, berichtet Roswitha Bach von dem Tag, als der Junge 2002 als ihr zweites Kind auf die Welt kam. Denn während ihrer zweiten Schwangerschaft ließen Roswitha und Stefan bewusst keine Tests machen, waren also folglich auch nicht auf die Diagnose vorbereitet. Heute sei sie der Dorfgemeinschaft deshalb umso dankbarer, ihren Sohn gut aufgenommen zu haben.

Regelmäßige Feuerwehreinsätze gehören zum Alltag

„Ich wüsste nicht, dass seine Behinderung irgendwann einmal ein Thema war. Der Sebastian war schon immer dabei“, stellt der Vorsitzende der Feuerwehr See, Erwin Gatzhammer fest. Ohne zu zögern stimmt der erste Kommandant, Wolfgang Pirzer zu: „Da hat‘s nie irgendwelche Probleme gegeben.“

Als Sebastian Bach mit 15 offiziell in die Feuerwehr See eintrat, hätten sie zusammen ausgelotet, was möglich sei, erklärt Pirzer. „Wir haben vom Einfachen zum Schwierigen probiert.“ Das machen sie bei allen Neulingen so – auch bei denen ohne Behinderung. Nicht jeder könne jede Position einnehmen. Das ist für Pirzer ganz klar.

Bei Einsätzen übernehme Sebastian die Position des „Melders“. Zusammen mit dem Gruppenleiter regle er beispielsweise den Verkehr. Ausrücken gehörten für Sebastian Bach inzwischen zum Alltag, wie Pirzer klar stellt. „Seit er 18 ist, ist er regelmäßig bei Einsätzen.“

Der 22-Jährigen geht in seinem Ehrenamt auf. „Eigentlich gefällt mir alles“, sagt er sofort. In den Jahren von 2019 bis 2024 legte er das Leistungsabzeichen Löschaufbau in Bronze, Silber und Gold ab. Bevorzugt sei er dabei keineswegs worden, wie Pirzer klarstellt. „Er muss schon das können, was verlangt ist.“ Obwohl er ziemlich aufgeregt gewesen sei, habe die Gruppe gut zusammengearbeitet.

Tour durch das ganze Dorf

Als Kamerad ist er nicht mehr wegzudenken, findet Jugendwartin Magdalena Hartl: „Egal, wo wir hingehen, den Sebi kennt jeder. Der ist der Bekannteste bei uns im Verein.“ Deshalb laufe er bei Festzügen ganz vorne mit. Mit einem Schmunzeln erinnert sie sich an die letzte Festsaison: „Vom Straßenrand aus haben sie ihn angejubelt.“ Beim der Kirwa dürfe Sebastian auch auf keinen Fall fehlen. Deshalb habe er sich extra Urlaub genommen, wie er erzählt. Wenn er einmal nicht dabei sei, heiße es sofort: „Wo ist denn der Sebi?“

Das sein Sohn jeden kenne und von jedem gekannt werde, bestätigt sein Vater Stefan Bach. „Da gibt‘s keine Scheu. Der redet jeden an.“ Im Urlaub brachte diese Eigenschaft seine Eltern schon zur Verzweiflung. Ihnen sei es unangenehm gewesen, dass er die Leute nicht in Ruhe Urlaub machen lasse. Aber Sebastian Bach winkt nur ab: „Zu mir waren die sehr freundlich.“ Schon nach kurzer Zeit haben ihn alle im Hotel gekannt.

Das beobachtet Hartl auch im Dorf: „Der ist immer da, wo was los ist, wo Leute sind.“ Gatzbauer erinnert sich an eine Zeit zurück, als „Sebi“ des Öfteren Touren durchs Dorf unternahm, um jedes Tier zu begrüßen. Teils ging er auch mit einem Nachbarshund spazieren, erinnert sich seine Mutter Roswitha Bach. Sie teilt die Ansicht: „Man darf ihn nicht nur beschützen. Der muss auch selber lernen.“

Die Ausflüge ins Dorf dauerten jedoch oft lang – manchmal zu lang, wie seine Mutter findet. „Er hat aufgrund seiner Erkrankung kein Zeitgefühl und weiß nicht, was in einer Stunde ist.“ Schon öfter habe sie ihn deshalb suchen müssen. Ein weiteres Defizit sei, dass ihm die Geduld fehle Lesen zu lernen, obwohl er die Buchstaben kenne. „Er ist eben ein Freund von Sprachnachrichten“, wirft Gatzhammer lachend ein. Roswitha Bach bleibt gelassen: „Was er nicht lernt, das lernt er eben nicht. Man muss die Kinder da abholen, wo sie stehen.“

Dauerthema Führerschein

Sebastian Bachs Mutter gibt sich große Mühe ihren Sohn zu unterstützen. Mit ihrer Unterstützung klappt auch das Musizieren gut. Sofort holt er seine Quetsche und legt los. Nach der Kostprobe stellt er klar: „Ich spiele am liebsten ‚Wahre Freundschaft‘ und ‚Tausendmal berührt‘. Um noch besser zu werden nehme ich einmal pro Woche Unterricht.“

Ebenso wie bei seiner anderen Leidenschaft dem Reiten. Die Reitstunden habe er sich selbst organisiert, wie Sebastian Bach erklärt. „Ich habe geholfen den Reitplatz umzubauen und dann hab ich gesagt: Ich will eine Reitstunde.“ Für ihn ist klar: „Ich will selber ein Pferd kaufen. Genau so eins, wie das, das ich reite.“ Seine Eltern sehen das zwar anders, aber er hat schon alles geplant.

Wenn er nicht gerade zur Reittherapie geht, dann spielt Sebastian Bach Darts, geht bowlen oder fährt mit der Lebenshilfe Neumarkt an den Gardasee. Auch am Firmenlauf wolle er dieses Jahr wieder teilnehmen, wie er verkündet.

Noch brauche er für die meisten Termine seine Eltern als Fahrer. Sebastian Bach will nun endlich selbst mobil werden und den Führerschein machen. Stefan und Roswitha Bach ist dabei allerdings nicht besonders wohl. Ein weiteres Thema, dass ständig zu Diskussionen führe sei die „Freundin“. Dafür müsse ihr Sohn wohl ausziehen, vermutet Roswitha Bach. Der wirft aber sofort ein: „Das will ich nicht.“. Für seine Mutter ist das in Ordnung: „Uns gibt es eben nur zu dritt. “

Drei Abzeichen im Löschaufbau legte der 22-Jährige ab.