Letztes klassisches Postamt in der Regensburger Innenstadt steht vor dem Aus

Das letzte klassische Postamt im Innenstadtbereich steht kurz vor der Schließung. Ein schlichtes Plakat im Eingangsbereich des Bahnpost-Gebäudes informiert die Kunden darüber, dass es hier ab dem 10. April keine Produkte und Leistungen von Deutscher Post und dem zum Unternehmen gehörenden Paketdienst DHL mehr geben wird. Lediglich die Angebote der Postbank werden weiterhin vorgehalten.
Der Standort werde im Zug dieser Umstrukturierung in eine „Beratungsfiliale“ umgewandelt, informiert ein in Bonn sitzender Sprecher der Postbank. „Die Filiale bleibt mit Finanzdienstleistungen geöffnet, Geldautomaten und Service-Terminals für Kontoauszüge und Überweisungen bleiben ebenfalls erhalten“, sagt er.
Stadt pocht auf Dienstleistungs-Angebot
Diese Trennung von Post und Postbank erscheint folgerichtig, handelt es sich doch längst um zwei verschiedene Unternehmen (die Postbank gehört zur Deutschen Bank).
Doch es gibt auch im Jahr 2025 noch Verbraucher, die sich an diesem Prozess stören. „Nach der Schließung der Dompost ist das die schlechtestmögliche Nachricht für Postkunden“, lautet zum Beispiel die Klage, mit der sich der Regensburger Andreas Widmann bei der MZ gemeldet hat.
Worauf er abzielt: Noch bis 2019 gab es zusätzlich zur Niederlassung am Hauptbahnhof auch am Domplatz einen großen Post-Standort im Zentrum. Dass diese Ära nun endgültig endet, passt in Widmanns Augen nicht. „Haben nicht die Thurn-und-Taxis-Leute die Post erfunden?“, fragt er und spricht von der „einzigen Stadt in Europa ohne Postamt“.
Ganz so dramatisch ist es freilich nicht − zumal die Stadt ein waches Auge auf die Entwicklung hat. „Sowohl für die Menschen, die hier wohnen, als auch für die Geschäftsleute ist es wichtig, dass in der Innenstadt weiterhin Post-Dienstleistungen angeboten werden“, betont die Pressestelle im Rathaus. Die Stadt sei deshalb mit der Post im Dialog, um auch für die Zukunft zufriedenstellende Lösungen zu entwickeln.
Die neuen „Filialen“ sind im Einzelhandel zu finden
Wie diese aussehen können, ist längst bekannt. Die Deutsche Post setzt seit etlichen Jahren auf die Strategie, ihre Produkte und Dienstleistungen in Einzelhandelsgeschäften, bevorzugt Lotto-Annahmestellen, anzubieten. So steht auch der Ersatz für das „Amt“ am Bahnhof längst parat. Es ist der Laden mit dem Namen „Box“ an der Ecke Hemauerstraße/Bahnhofstraße, der offiziell als Post-Filiale firmiert.
Als zweiter Standort in der Innenstadt kam unlängst Lotto Menzl in der Ludwigstraße hinzu. Die Post schwört auf dieses Modell und verweist auf die jährlich durchgeführte Studie „Kundenmonitor“. Hier seien zuletzt 94 Prozent der Kunden mit den Partner-Filialen im Einzelhandel zufrieden gewesen.
Postamt-Nostalgiker Widmann bezweifelt dies nicht einmal, ist aber dennoch nicht restlos überzeugt. „Diese kleinen Annahmestellen in der Innenstadt können von keinem Postlaster richtig angefahren werden, das sehe ich schon als Nachteil“, spricht er den Ablauf bei der An- und Auslieferung von Paketen an.
Im Dörnberg kommt es 2026 zur Total-Schließung
Als Folge sieht er gestresste Fahrer, die bei hastig durchgeführten Ladevorgängen unabsichtlich Pakete beschädigen. Genau dies sei ihm bereits bei einer Bestellung passiert. „Ich konnte dem Fahrer noch nicht mal böse sein, weil ich weiß, unter welchem Druck die stehen.“ Mit derlei Kritikpunkten wird sich das Rad jedoch nicht zurückdrehen lassen − ganz im Gegenteil, das nächste Aus für eine große Post-Niederlassung ist bereits absehbar.
Wie der Bonner Sprecher der Postbank ankündigt, wird der erst 2019 eröffnete Standort in der Joseph-Dahlem-Straße (Dörnberg-Forum) im Lauf des kommenden Jahres geschlossen. „Auch hier wird die Deutsche Post dafür Sorge tragen, dass die Postdienstleistungen in der Nähe unserer Filiale in unverändertem Umfang über einen Kooperationspartner erhalten bleiben, in der Regel in einem Einzelhandelsgeschäft“, lautet die Zusicherung.
Nur im DEZ bleibt alles beim Alten
Die Postbank aber wird sich komplett aus dem Dörnberg-Viertel verabschieden: „Wenn wir eine Filiale schließen, ziehen wir uns vollständig aus dem jeweiligen Standort zurück, das gilt ebenso für die SB-Geräte.“
Die einzige Niederlassung, bei der die beiden Unternehmen alles beim Alten belassen, ist die im Donau-Einkaufszentrum. „Diese Filiale bleibt unverändert erhalten – inklusive Postdienstleistungen“, sagt der Postbank-Sprecher.
