Rotarier unterstützen soziale Projekte: Club Cham feiert im Oktober 60-Jähriges

Von Claudia Peinelt · 24. März 2025 um 11:00

Rotary, ein Namen, der bei vielen eben nur ein Name ist, meint man. Und den Rotariern eilt immer noch der Ruf voraus, eine Gruppe elitärer Mitmenschen zu sein. Um dem mal auf den Grund zu gehen, traf sich unsere Reporterin mit der aktuellen Präsidentin Dr. Stephanie Franke. Mit am Tisch waren ihre Vorgängerin Karin Baumeister und die Nachfolgerin von Franke, Susanne Melichar. Auch Pater Jens Bartsch war in der Vierergruppe dabei. Er wird die Rotarier als Präsident 2026/2027 durch das Clubjahr führen.

Von vorne: Im Jahr 1965 fand die erste Zusammenkunft des Rotary Clubs in Cham statt. Der Rotary Club in Regensburg als Patenclub hatte damals den rotarischen Weg in Cham in Gang gebracht. Clubpräsident war damals Rup Gebhardt.

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Wie Franke erzählt, waren früher ausschließlich Männer im Club erlaubt. Sie waren es damals, die große Firmen geführt, Banken geleitet und Vorstände in ihren Berufssparten waren. Ihre Frauen waren für die Kinder und das Familienleben zuständig und hielten so ihren Männern den Rücken frei. Heutzutage sieht das ganz anders aus. Auch Frauen haben Führungspositionen übernommen und stehen „ihre Frau“ in Beruf und Familie. Und somit öffnete sich der Club ab 1987 auch für Frauen, und ab 1989 wurden zum ersten Mal auch Frauen aufgenommen.

Interessant ist es auch zu erfahren, dass den ersten Rotary Club der Rechtsanwalt Paul Harris zusammen mit seinen drei Freunden, einem Kohlenhändler, einem Bergbau-Ingenieur und einem Konfektionär, in Chicago gegründet hat. Mit dem Zusammenschluss soll Harris das Ziel verfolgt haben, in der Großstadt eine ähnlich stabile und vielseitige Wertegemeinschaft zu schaffen, wie er sie als Kind auf dem Land erlebt hatte, wo jeder entsprechend seinen Fähigkeiten andere nach Möglichkeit unterstützte.

International vernetzt

Der noch befolgte Grundsatz einer „Gemeinschaft von Berufsleuten“ galt von Anfang an. Rotary – eine Organisation für Netzwerkpflege, Förderung sozialer Projekte und internationale Verständigung – dürften die meisten dann doch schon mal gehört haben. „Dass die Hilfsgüter und das Geld immer dort ankommen, wofür hier gesammelt wird, das verdanken wir der internationalen Vernetzung von Rotary“, informiert Franke. Dadurch, dass es überall in der Welt Rotary Clubs gibt, Rotary International, werde von Rotary zu Rotary alles gemanagt, und die Hilfe komme genau da an, wo sie auch benötigt werde.

Durch ein wöchentliches Meeting werde auch in Cham die Freundschaft unter den Rotariernr gefördert. Jedes Jahr werde ein neuer Präsident auserwählt, der für seinen Wirkungszeitraum ein besonderes Projekt in Angriff nimmt. So hat Dr. Franke das Thema Krankheitsprävention gewählt. Sie stellte zur Finanzierung ihres Programms die Aktion „Rotafit – Mehr Bewegung mit Rotary“ vor. Dabei könne jeder Sportminuten sammeln und jeweils einen Cent pro Minute als Spende abführen. Ziel seien 500 000 Sportminuten.

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Oberste Priorität habe immer noch die Polio-Ausrottung, so Franke weiter. 1979 verabreichten ehrenamtliche Helfer Kindern in einem Gesundheitszentrum von Guadeloupe Viejo Tropfen des oralen Poli-Impfstoffs. Bei der Veranstaltung in Manila waren unter anderem auch Rotarier dabei. Als James L. Bomar, zu dieser Zeit erster RI-Präsident, die ersten Tropfen des Impfstoffs in den Mund eines Kindes tropfte, startete er damit offiziell die Immunisierungsaktion gegen Kinderlähmung auf den Philippinen.

Rotarys erstes 3-H-Großprojekt (Health, Hunger and Humanity) war geboren. Dieser Erfolg des Projekts führte Rotary International dazu, die Polio-Ausrottung zum obersten Ziel der Organisation zu machen. Rotary startete PolioPlus 1985 und war Gründungsmitglied der Global Polio Eradication Inititative 1988. Durch das jahrzehntelange Engagement und die unermüdliche Arbeit von Rotary und seinen Partnern haben mehr als 2,5 Milliarden Kindern den oralen Polio-Impfstoff bereits erhalten.

Aufnahme auf Einladung

Mit vielen Aktionen werden soziale Projekte auch in Cham und Umgebung unterstützt. Sollte jetzt jemand überlegen, ob er bei Rotary Mitglied werden sollte, so tut er sich dabei etwas schwer. Die Aufnahme in einen Rotary Club erfolgt nur auf Einladung, da jeder Club im Zuge seines Aufnahmeausschusses selbst bestimmt, welche Berufsbilder und Persönlichkeiten die bestehende Clubgemeinschaft weiter ergänzt, erläutert die Präsidentin.

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Weltweit gibt es 1,2 Millionen Rotarier. Der abgelegenste Club ist Papeete auf Tahiti mitten im Pazifischen Ozean, der südlichste Club Base Marambio in Antarktis. Und mittendrin ist der Rotary Club in Cham mit derzeit 66 Mitgliedern und drei Ehrenmitgliedern. Im Oktober wird das Jubiläum 60 Jahre Rotary Club Cham gefeiert.

Gut zu wissen

Rotary International (RI) ist die Dachorganisation der Rotary Clubs (RC) und Rotaract Clubs (RACs). Dabei handelt es sich um international verbreitete Service-Clubs, zu denen sich Angehörige verschiedener Berufe unabhängig von politischen und religiösen Richtungen zusammengeschlossen haben. Als seine Ziele nennt Rotary humanitäre Dienste, Einsatz für Frieden und Völkerverständigung sowie Dienstbereitschaft im täglichen Leben. Im deutschsprachigen Raum nennen sich die Mitglieder Rotarier. Die Clubs werden auch als soziales und berufliches Netzwerk genutzt.