Der richtige Weg für Malena aus Rötz: Welche Hürden und Chancen gibt es in Schule und Beruf?

Als Elternteil wünscht man sich für sein Kind, dass es einen Schul- und Berufsweg einschlägt, der gut zu ihm passt. So auch Ulrike Gleixner aus Rötz, deren Tochter Malena (14) mit dem Down-Syndrom geboren wurde.
„Wir müssen besonders früh damit anfangen, uns zu informieren, welche Möglichkeiten es gibt“, erklärt sie, warum sie im Hinblick auf Malenas späteres Berufsleben langfristig plant.
Derzeit besucht ihre Tochter die siebte Klasse der Montessori-Schule in Schönthal. „Wir sind sehr zufrieden dort, es gefällt ihr gut an der Schule“, sagt Ulrike Gleixner. Dennoch überlegt sie, ob die Förderschule St. Gunther in Cham langfristig die bessere Alternative für Malena wäre. Auch wenn auf der Montessori-Schule sehr gut auf die Kinder eingegangen wird: „Man merkt, die Schere zu den anderen Schülern geht jetzt schon weiter auseinander. Sie muss immer 150 Prozent geben, um mithalten zu können.“
Für Kinder mit besonderem Förderbedarf gibt es zwei Möglichkeiten für den Schulbesuch: den Besuch einer Regelschule mit Schulbegleitung oder einer Förderschule. Doch bayernweit verschärft sich ein Problem: Der Bedarf an Plätzen an Förderschulen übersteigt das Angebot, obwohl die Kinder, für die die Schulpflicht gilt, einen Anspruch darauf haben, beschult zu werden.
Stetig gewachsen
„Dabei wäre es für mich schon immer eine Option gewesen, dass Malena vielleicht nach der achten Klasse nach St. Gunther wechseln könnte“, bedauert Ulrike Gleixner. Immerhin konnte ihre Tochter auf die Warteliste gesetzt werden.
Felicitas Klenk, Schul- und Einrichtungsleiterin in St. Gunther, informiert auf Anfrage über die aktuelle Situation: „Aufnahmestopp“, sagt sie, sei nicht ganz zutreffend. „Wir haben heuer 21 Anmeldungen für Einschulungskinder, bei denen wir uns zum Ziel gemacht haben, diese auch schulisch zu versorgen.“ Sie ergänzt: „Nachdem wir in den letzten Jahren stetig gewachsen sind, sind wir räumlich nun endgültig an Grenzen geraten.“
Von der Regierung der Oberpfalz seien in den vergangenen vier Jahren zwei Klassen mehr genehmigt worden, wovon eine dieser Klassen habe ausgelagert werden müssen. Für das kommende Schuljahr werde von Seiten des Trägers und der Zustimmung der Regierung mit Hochdruck an einer „Containerlösung“ gearbeitet, um mehr Raum für weitere Aufnahmen zu schaffen. „Es liegt uns am Herzen, zunächst die Kinder zu versorgen, die eingeschult werden“, so Felicitas Klenk. Diese müssten ansonsten in Regelschulen untergebracht werden. Sie weist darauf hin, dass diese Thematik nicht nur das Förderzentrum in Cham betrifft, sondern bayernweit ein Problem darstellt.
Mit dem Schulbesuch ihrer Tochter ist für Ulrike Gleixner eine weitere Sorge verbunden: Auch, dass Jugendliche, die in St. Gunther waren, automatisch ein Recht auf eine Beschäftigung in den Behindertenwerkstätten in Cham oder Bad Kötzting hätten, hat sie schon gehört, von anderen Schulen aus müsse man sich wohl „mehr selbst kümmern“.
Hier kann Thomas Schießl, Sozialdienstleister der Werkstätten, Entwarnung geben: „Grundsätzlich kann jedes Kind, das aus der Schule kommt und bei dem eine wesentliche Behinderung vorliegt, die die Eingliederung in den allgemeinen Arbeitsmarkt nicht zulässt, zu uns kommen.“ Entschieden werde das von der Arbeitsagentur, deren Vertreter vorher in die Entlassklassen gehen. Um welche Schule es sich dabei handelt, spiele keine Rolle, so Thomas Schießl.
Berufliche Möglichkeiten gebe es in den Werkstätten in den Einrichtungen in Cham und Bad Kötzting dann viele, wobei keine klassische Ausbildung gemacht werden könne. Die Bereiche erstrecken sich von Lagerlogistik über Hauswirtschaft, Näherei, Schreinerei, Montage, Metallverarbeitung bis Montage und etliches mehr. An beiden Standorten gebe es außerdem einen großen Kreativbereich, an dem Bilder und Postkarten gemalt werden, die später verkauft werden.
Neu sei, so Thomas Schießl, dass man Kurse in verschiedenen Bereichen absolvieren könne, in denen man ein anerkanntes Zertifikat für den allgemeinen Arbeitsmarkt erwerben könne. Alle Eltern, die sich für ihre Kinder eine Beschäftigung in den Werkstätten vorstellen könnten, lädt er dazu ein, sich jederzeit zu melden und unverbindlich anzufragen.
Derzeit habe ihre Tochter noch keine konkreten Vorstellungen, was sie später einmal machen möchte, sagt Ulrike Gleixner, obwohl Malena von der Schule aus seit der fünften Klasse Praktika absolviert, zum Beispiel in der Rötzer Grundschule in der Zwergerlküche.
Deren Aus war Ende Juli, für Eltern und Mitarbeiter gleichermaßen überraschend, vom Rathaus verkündet worden. Weil es Malena dort so gut gefallen hat, hätte sie sich die Zwergerlküche für ihre Tochter als späteres Betätigungsfeld in einem „schönen, geschützten Raum“ vorstellen können, sagt Ulrike Gleixner, zumal diese in Rötz quasi „direkt vor der Haustür“ gewesen sei.
Verständnis für Pausen
Die Freude über den Praktikumsplatz war groß und mit der Hoffnung auf einen inklusiven Arbeitsplatz für Malena verbunden gewesen. „Mit so einem sozialen Projekt hätte sich die Stadt auch profilieren können“, bringt die Mutter ihre Enttäuschung über die Umstellung auf einen externen Caterer zum Ausdruck.
Denn Malena werde einen Arbeitsplatz brauchen, bei dem Verständnis gezeigt werde, dass ihre Tochter zwischendurch einmal eine Pause brauche, und das sei in der Schulküche gegeben gewesen, weil das Küchen-Team viel Erfahrung im Umgang mit Kindern habe.