Musikerin Susi Raith aus Roding zu ihrem Schaffen: Nicht immer scheint die Sonne

Von Christoph Klöckner · 20. März 2025 um 15:00

Der Dreh auf dem Kaitersberg war ein Bilderbuchauftritt für Susi Raith und die Spießer, wie die Band zur Rodinger Musikerin heißt. „Das war fast schon kitschig“, sagt sie, Musik vor weiß-blauem Himmel und endlosem Weitblick. Doch nicht immer scheint die Sonne im Musikbusiness – vielmehr wird es immer schwieriger, Plattformen für bayerische Musik- und Songwriter zu finden, klagt sie.

Die Rodingerin ist Profimusikerin, tourt mit ihrer Band, den Spießern, durch Bayern und hat daneben noch einige weitere Kulturprojekte, solo oder auch im Duo, etwa mit Mathias Kellner, mit Conny Kreitmeier oder auf dem Oktoberfest in München. Doch im Heimatlandkreis oder gar in Roding selbst macht sie kaum Station. Sie begründet das aus der Erfahrung heraus biblisch – der Prophet im eigenen Land gelte wenig, meint sie.

Erfahrungen in der Heimat

2024 habe sie ein Weihnachtsprogramm mit drei anderen Künstlern auf die Beine gestellt – das sei überall ausverkauft gewesen, „außer in Roding!“, so Susi Raith, die ihren Familiennamen heute als Künstlername trägt. Denn eigentlich heißt sie nach ihrer Heirat Goricnik mit Nachnamen.

Vielleicht spiele auch etwas Neid mit oder andere Vorbehalte, die solche Erfahrungen bestärken und sie einen Bogen um die Heimat machen lässt.

Interessant dazu: Es bleibt viel Platz für alle Sinne: Stadt Cham spart nicht bei der Kultur

Wobei das auch nicht ganz stimmt. Auf der Landesgartenschau in Furth im Wald wird sie auf der Bühne stehen. Und auch für kommende Festtage bei uns ist sie verplant: Bereits jetzt sei sie von Chams Kulturreferentin Petra Jakobi gebucht worden – „für Weihnachten 2028!“ Das sei sehr früh – aktuell habe sie eher die Termine für 2026 in Planung.

Selbstvermarktete Kultur

Denn neben der Musik, dem Schreiben und Vertonen der eigenen Songs liegt auch die Vermarktung und das Management in ihren Händen. Das habe sie immer gemacht – schon bei den Raith-Schwestern vor Jahren. Viele Kontakte seien da entstanden, bei denen es nicht immer um Geld gehe, sondern um Vertrauen und auch um ein Brennen für die Sache selbst.

Auch lesenswert: Sie rissen 450 Gäste mit: Susi Raith mit Musikerkollegen und Toni Lauerer gestalteten Abend im ATT

Ihr Mann Jochen spielt die Gitarre und den Bass bei den Spießern, singt auch schon einmal mit und ist zudem Mitglied bei der Ringlstetter-Band. Vor einem Monat war Susi Raith zu Gast bei der bayerischen TV-Show Ringlstetter und sang mit dem Macher selbst ein bayerisches Duett. Der hat gerade das Ende angekündigt – am 22. Mai wird Hannes Ringlstetter und sein Team zum Talk mit Musik im Bayerischen Rundfunk zu sehen sein. Damit ist auch wieder eine Plattform für Songwriter wie Susi Raith weg, die bayerische Texte wie die Musik dazu selbst auf den Weg bringen.

Es gebe immer weniger Plätze, wo solche Musik ein Zuhause bekomme, meint sie. Einige Festivals wie Veranstalter seien durch Corona verschwunden. Dazu biete der Bayerische Rundfunk mit Fernsehen und Radio immer weniger Gelegenheiten, sich zu präsentieren. TV-Formate für solche traditionelle, eigene, bayerische Musik gebe es kaum mehr.

„B1 spielt uns gar nicht, B2 schon!“, sagt sie. Frankreich oder Österreich würden sich besser um die eigenen Musiker kümmern, als das hier der Fall sei. Obendrein verdränge Kabarett die Musik aus den TV-Programmen – „das ist einfacher zu händeln. Musik ist immer auch Geschmacksache!“

Dialekt auf dem Rückzug

Zudem erkennt Susi Raith einen zunehmenden Rückzug des Dialekts aus dem Alltag. In Regensburg, wo sie als Musikpädagogin unterwegs gewesen sei, sei ihr kaum Dialekt begegnet. Da sei Furth im Wald, wo sie neben der Musik an der dortigen Fachakademie zwei Tage pro Woche arbeitet, aus Sicht der Dialektfreunde eine „heile Welt“ dagegen. 2020 habe sie – von der Ausbildung her ist sie Erzieherin – das Studium zur Musikpädagogin absolviert und verfügt damit über ein weiteres Standbein neben der Musik.

Da die Podien weniger werden, bleibe letztlich das Live-Spiel, um sich eine Zuhörer-Gemeinde zu erobern. 2020 sei sie mit den Spießern gestartet – wenig später sei Corona da gewesen. Mittlerweile habe man sich eine Menge Fans erspielt und toure durch Bayern. „Wilde Zeiten“ heißt das aktuelle Entertainment-Programm der Band, das demnächst auch auf CD erscheint – und bietet viel Ablenkung zur wirklichen wilden Welt um uns rum.

Termine von „Susi & die Spießer“

Die 1976 in Roding geborene Musikerin ist auf Tour mit den Spießern, hörbar etwa auf Spotify oder auf CD. Der nächste Auftritt ist im Bürgersaal in Asbach-Bäumenheim am 29. März. Weitere Termine gibt es unter www.susi-raith.de.

Am 3. Juli spielt sie auf der Landesgartenschau in Furth im Wald. Zu sehen und zu hören ist sie mit ihrer Band im Bayerischen Fernsehen am Sonntag, 4. Mai, bei „Musik in den Bergen“ um 20.15 Uhr.

„Fast schon kitschig“, meint die Rodinger Musikerin Susi Raith zum Kameradreh auf dem Kaitersberg. Foto: S. Raith