Drei freiwillige Tierretter suchen Nachfolger: Bufdi-Alarm beim Landesbund für Vogelschutz

Ohne Marco, Anna und Ludmilla wären viele Kröten inzwischen im Eimer, Fledermäuse wären gestorben, Igel hätten es nicht zum Tierarzt geschafft und keiner hätte die Gelbbauchunken am Blauberg betreut. Und das ist nur ein kleiner Ausschnitt von der wertvollen Arbeit, die diese Drei geleistet haben – für ein Taschengeld. Sie sind „Bufdis“ beim LBV. Bufdi steht für Bundesfreiwilligendienst. Und der hat gerade ein Problem. Deswegen haben sie die Zeitung informiert.
Eigentlich sind die Drei Vier. Denn zu Anna Amberger aus Rimbach, Ludmilla Konradi aus Erlangen und Marco Böhm aus Sengenbühl gehört eigentlich noch Leonie Lechner. Die ist aber gerade nicht im Dienst. Wenn es um den Bundesfreiwilligendienst geht, dann denkt jeder erst einmal an Abiturienten. Das ist auch nicht falsch. Denn gesucht werden Menschen ab 18, bestenfalls mit Führerschein, die für ein Taschengeld von 423 Euro monatlich einen guten Draht zu Mensch und Tier haben.
Nicht nur für Abiturienten
Doch im Grunde kann jeder mitmachen, der mindestens sechs Monate lang fünf Tage in der Woche freiwillig in den LBV und seine Ziele investieren will. Bis zu drei Stellen können besetzt werden, jeweils für zwölf Monate. Ludmilla Konradi ist ein gutes Beispiel dafür, dass es nicht Abitur sein muss. Die rüstige Rentnerin aus Erlangen hat ein Jahr lang in Nößwartling gearbeitet. Sie hat von ihrem Rechner bei Siemens in die Realität wechseln wollen. „Abends sehen, was man gemacht hat, ist etwas Wunderbares“, sagt sie.
Marco und Anna pflichten bei. Marco zieht es immer wieder nach Nößwartling zum LBV, obwohl er schon Lehramt in München studiert: „Es ist für mich zu einer Herzensangelegenheit geworden“, sagt er. Gemeinsam mit Anna teilt er die Ansicht: „Man kommt aus dem Abitur und wird mit dieser Stelle richtig geerdet.“
Verantwortung für Leben
Beide sprühen ebenfalls vor Begeisterung: „Der Markus Schmidtberger und die Monika Kermer, die trauen dir vom ersten Tag an was zu. Und du hast die volle Verantwortung dafür, dass Tiere auch wirklich gefüttert werden und der Kröteneimer täglich gecheckt ist. Da geht es um Tierleben.“Außerdem, sagt Anna, weiß man zu 90 Prozent nicht, was an einem Tag auf einen zukommt: „Es ist extrem kurzweilig.“
Und wenn man einmal einen Tag lang ein Biotop ausgemäht hat, dann sitzt man abends kaputt, aber zufrieden, daheim auf der Couch, erzählt sie. Mit Tieren sollte man also können. Mit Menschen aber auch. „Man lernt umgehen. Man bringt Kindern und Erwachsenen die Umwelt nahe. Man weiß irgendwann auch, wie man jemandem begegnet, der gerade sauer ist.“
Die Zeit drängt
Die Arbeit als Bufdi beim LBV – da sind sich die Drei einig – macht selbstständig und zufrieden. Doch nun naht ein echtes Problem: Die Umstellung vom achtjährigen Gymnasium auf das neunjährige lässt einen kompletten Jahrgang wegfallen. Und die Zeit drängt. Denn idealerweise arbeiten in den Augustferien die scheidenden Bufdis ihre Nachfolger ein. Doch woher sollen die kommen?
Deswegen ist so jemand wie Ludmilla Konradi gerade eine echte Traumlösung. „Für rüstige Rentner wäre das hier ein echter Traumjob“, locken die Bufdis. 24 Tage Urlaub, tolle kostenlose Seminare. 25 Tage Seminar sind vorgeschrieben. Da ist auch sowas wie politische Bildung dabei. Marco und Anna haben zum Beispiel den Motorsägenschein gemacht. Die Seminare führen – wenn man das will – auch hoch hinauf in den Norden an die Küste. Dort lernt man dann die Natur rund um das Wattenmeer kennen.
Die Arbeitszeit bestimmt auch der Uhu
Wer sehen will, was die Bufdis den ganzen Tag so machen, der kann das auch gut im 92 Seiten starken Jahresbericht nachvollziehen. Denn viele der dortigen Statistiken und Erkenntnisse entstammen der täglichen Bufdi-Arbeit. Und die ist so vielfältig wie es die Arbeitszeiten sind. Die beginnen normalerweise um 7.30 Uhr. Aber ab und zu richten sie sich auch nach den Tieren. „Der Uhu ruft halt erst, wenn die Sonne untergeht. Und beim Beringen der Vögel muss man halt auch einmal im Morgengrauen hinaus und die Netze leeren“, erzählen die LBVler. Und einen Feuersalamander findet man halt nur nachts, wenn es regnet.
Auch die Pflegetiere erfordern mitunter hohen Aufwand. Da ist das Steinkauz-Projekt, da sind die kranken Igel, die Gelbbauchunken im Blauberger Steinbruch wollen gehütet sein und die Kröteneimer müssen täglich gecheckt werden, damit Storch und Reiher nicht plötzlich ein Buffet entdecken.
Was der LBV alles richten soll
Und dann kommt immer wieder Besuch: Das Wintergoldhähnchen ist gegen die Scheibe geflogen. Die Schwalbe hat sich den Flügelgebrochen, der Mauersegler ist aus dem Nest gefallen. Dann soll es der Landesbund für Vogelschutz richten. Gerade kam ein Anruf: Eine Stockente liegt neben der Kreisstraße im Graben. Als Marco hinkam, war sie weg. Ein Klassiker sind angeblich angefrorene Schwäne, die sich beim Eintreffen der Retter zwanglos verdünnisieren. Damit muss man umgehen können. Auch mit Todesfällen. „Unter dem Strich kann man jedem, der Zeit hat, nur raten: Kommen und mitmachen!“ Auch darin sind sich die drei Bufdis vom LBV einig.
