Der Wasserpreis in Cham steigt ab dem 1. April auf zwei Euro pro Kubikmeter

Es steht da nur ganz klein in Klammern. Doch dahinter verbirgt sich ein großer Teil der Erklärung für die Erhöhung des Wasserpreises von 1,60 auf 2 Euro am 1. April: Die Stadtwerke Cham verteilen alljährlich 2,5 Millionen Kubikmeter Wasser über 230 Kilometer Leitungsnetz und haben dabei nur Verluste von zwei Prozent. Denn es war der Erhalt der lebenswichtigen Versorgungsstruktur in Cham, das den Stadtwerken in den vergangenen drei Jahren ein Minus von 400 000 Euro beschert hat. Nun ist Zahltag.
109,6 Liter Wasser verbraucht der Chamer Bürger im Durchschnitt pro Tag. Das sind 40 Kubikmeter pro Jahr, umgerechnet also 80 Euro, 6,66 Euro pro Monat. Das klingt schon etwas weniger dramatisch, als der Blick auf die Erhöhung, die immerhin 25 Prozent beträgt.
Explosive Entwicklung
„Wir liefern unser Wasser täglich für zwei Euro pro Kubikmeter frei Haus“, sagt Stadtwerkeleiter Stefan Raab. Und wenn man bei ihm einen Liter Wasser im Büro kaufen wollte, dann ginge das gar nicht, weil das Zahlungsmittel dafür fehlt: 0,2 Cent gibt’s halt nicht...
Seit mehr als drei Jahren ist der Wasserpreis konstant. Doch die Ereignisse haben sich seitdem überschlagen. „So explosiv war die Entwicklung in all den Jahren nicht“, sagt Raab und erinnert an die Preissteigerungen für Material durch den Ukrainekrieg, die Inflation und die im Gleichschritt steigenden Löhne. 400 000 Euro Minus hat der Wirtschaftsprüfer attestiert. Entstanden seit 1. Januar 2022.
So manche Dinge haben die Stadtwerke kalt erwisch. Zum Beispiel die Materialkostensteigerung mitten im Bau des neuen Hochbehälters auf dem Katzberg. Dessen Fassungsvermögen wurde auf 2000 Kubikmeter verdoppelt. In Katzbach auf dem Silberberg plant Raab schon wieder. Diesmal steigt das Fassungsvermögen gleich von 150 auf 3000 Kubikmeter. Muss das sein? Gleich so viel?
Vorsorge ja, aber nicht auf Vorrat
Ja, sagt der Stadtwerke-Chef, das sei Vorsorge. Außerdem dürfe man nicht vergessen, dass die alten Hochbehälter auf ganz andere Verbrauchszahlen ausgerichtet waren. Dabei kommt den Stadtwerken hier sogar noch entgegen, dass es zwar immer mehr Bürger und Betriebe gibt, aber gleichzeitig stark gespart wird: Der Wasserverbrauch stagniert deswegen seit Jahren.
Trotzdem darf Raab nicht auf Vorrat ausbauen: „Wir brauchen auch einen entsprechenden Durchsatz von Wasser, weil es sonst steht und verkeimt. Deswegen darf so ein Behälter auch nicht zu groß geraten.“ Sechs solcher Hochbehälter gibt es in Chammünster (4000 Kubikmeter), am Steinbruch (2000) in Nunsting (1000), in Windischbergerdorf (250), in Katzbach (150, bald 3000 Kubikmeter) und auf der Luitpoldhöhe (70 Kubikmeter). Insgesamt puffert die Stadt damit 7470 Kubikmeter Wasser für den täglichen Verbrauch der Stadt.
Doch die Herausforderungen sind gigantisch: Die 230 Kilometer Leitungsnetz benötigen pro Jahr drei bis vier Millionen Euro, damit sie in Schuss bleiben. „Da bist du nie fertig. Wenn du hinten ankommst, geht es vorne wieder los“, sagt Raab.
4900 Haushalte, sieben Brunnen, 30 Quellen
Hinzu kommen die 30 Quellen den Stadt. 20 davon liegen im Bereich Grafenkirchen. Fünf von ihnen sind saniert. Auch hier lauert ein Investitionsbedarf von neun Millionen Euro für Quellen, Rohrnetz und Aufbereitung. Die zehn anderen Quellen liegen in Schlammering und werden in den nächsten Jahren auch acht Millionen Euro brauchen.
Das Wasser für die 4900 Hausanschlüsse kommt aus sieben Tiefbrunnen, vier in Piendling, drei bei Pösing. Von den 2,5 Millionen Kubikmetern Wasser kommen 2,3 Millionen aus diesen Tiefbrunnen. Für 1,1 Millionen Euro wird der Brunnen 4 demnächst 155 Meter tief saniert. Sein Versorgungsrohr stammt von 1973. Die restlichen 200 000 stammen aus den 30 Quellen. Über eine 60 Zentimeter dicke Wasserleitung wird das Wasser der Tiefbrunnen aus dem Regental in Richtung Cham gepumpt.
Der Strompreis bleibt, aber...
Zu weit in die Zukunft will Raab nicht schauen. Trotzdem geht er davon aus, dass er den Strombedarf der Chamer bis 2028 zum jetzigen Preis gedeckt hat. Der ist – genau wie bei Wasser – vergleichsweise niedrig, wenn man in die Nachbarschaft blickt, die mindestens 15 Cent mehr verlangt. „Wir sind immer ganz unten dabei“, so Raab. Allerdings schiebt er ein „aber“ hinterher: „Was vom Staat an Steuern und Abgaben kommt, weiß halt keiner.“ Raab verspricht aber: „Bei jeder der angekündigten Senkungen der Abgaben oder des Strompreises im vorgelagerten Netz sind die Chamer sofort dabei.“
