Die Eichenstraße in Cham-West ist in jeder Hinsicht eine Bombenbaustelle

Die Sanierung der maroden Stützmauer und der Eichenstraße erweist sich für die Stadt in mehrfacher Hinsicht als explosiv: Die Mauer ist einsturzgefährdet, die Straße eine enge Sackgasse, das Vorhaben millionenschwer. Und im Untergrund werden Bomben vermutet.
Gerade die Bomben-Einschläge machen Bürgermeister Martin Stoiber und Tiefbau-Ingenieur Josef Ried derzeit Kopfzerbrechen. Nicht, dass es für die Stadt etwas völlig Neues wäre, dass die Hinterlassenschaften aus dem Bombardement der Alliierten noch immer im Boden lauern. Aber in diesem speziellen Fall liegen die nachgewiesenen Trichter besonders dicht und zahlreich um die Baustelle verteilt.
Bohren, sondieren, bohren
„Wir werden meterweise von einer Spezialfirma den Untergrund sondieren lassen müssen. Ein Meter bohren, den nächsten Meter sondieren, einen Meter bohren“, beschreibt Stoiber. Das macht die Unternehmung nicht nur schwierig, sondern verteuert sie. Denn die Stadt wird sich die neue Mauer mit einer Länge von 120 Metern Millionen kosten lassen, damit die Eichenstraße nicht abrutschen kann. Sie liegt rund vier Meter über dem darunterliegenden Grundstück.
Allein eine Million Euro werden die beiden 30 Meter langen Endstücke der Mauer kosten, die am vorderen und hinteren Ende zu Beginn gesetzt werden müssen. Da braucht es nicht nur neue Hausanschlüsse. Auch die Garage neben dem bestehenden Haus muss abgerissen werden. „Die hat eine eigene Rückwand, und wir wissen nicht, was uns dahinter erwartet“, sagt Ried. Auf einem anderen Anbau muss das Dach abgenommen werden, um an die Mauer heranzukommen. Erst wenn die Endstücke fertig sind und die darunterliegende Bebauung so gesichert ist, hofft die Stadt auf einen Baubeginn für das Haus, das im 70 Meter langen Mittelstück entstehen soll.
Derzeit geht man im Rathaus davon aus, dass dessen Bau 2026 fertig sein wird. Mit Rückwand und Tiefgarage stabilisiert er dann auch den dahinterliegenden Mauerteil.
Die Straße ist ein ganz besonderes Kapitel. Sie soll 2027 in Angriff genommen werden. Ihre Lage als Sackgasse mit einem engen Ende in Richtung Stadt, erfordert eine Verbreiterung. „Wir werden deswegen die Fläche der Eichenstraße vergrößern, indem wir die Mauer in Richtung des darunterliegenden Grundstücks ziehen. Dadurch wird der jetzige Gehweg Teil der Fahrbahn und wir können während der Bauzeit den Verkehr halbseitig weiter laufen lassen“, erläutert Ried den Plan.
Auch diese Planung ist aber kompliziert. Denn die Mauer muss unter der Straße mit mehr als 100 Zug-Ankern befestigt werden. Diese können nicht einfach ohne Sondierungen eingebohrt werden, wegen möglicher Blindgänger.
Trotzdem herrscht eine gewisse Erleichterung im Rathaus, auch wenn man inzwischen den Humor wiedergefunden hat.
Gewagt, Herr Bürgermeister!
„Neeeeeet“, ruft Tiefbauingenieur Ried in gespieltem Entsetzen, als Bürgermeister Stoiber in Halbschuhen den Schuttberg erklimmt, der die Mauer sichert, und dort einfach einen losen Stein herausnimmt. Seit 2016 wird an der Sanierung herumgeplant und so mancher Entwurf war den Statikern zu gewagt. Jetzt ist der Weg frei.

