Warum Regensburg für die Energiewende eine Milliarde Euro braucht

Von einer Energiewende ist Regensburg weit weg. Weniger als zehn Prozent des Verbrauchs werden in der Stadt grün erzeugt. Aber wo soll in der Großstadt die Öko-Energie herkommen? Und das viele Geld für den Umbau?
Antworten gaben am Mittwochabend im Kolpinghaus Rewag-Chef Robert Greb und Energieexperte Michael Sterner bei einer Podiumsdiskussion zur Energiewende auf Einladung der Bürgerinitiative „Rettet unsere Rewag“.
Sterner, Professor für Energiespeicher und -systeme an der Ostbayerischen Technischen Hochschule, war Schirmherr des Bürgerbegehrens „Rettet unsere Rewag“. Das wollte den Energieversorger zu 100 Prozent Ökostrom bis 2030 und mehr eigener Erzeugung verpflichten und sammelte 6000 Unterschriften, beantragte aber letztlich keinen Entscheid. Nach Gesprächen mit dem Rewag-Vorstand hieß es, mit dem neuen Chef Greb bewege sich das Unternehmen in die „richtige Richtung“.
„Grottenschlechte Zahlen“
Vor den circa 150 Zuhörern im Kolpinghaus befragte ÖDP-Kreischef Robert Fischer die Experten. Sterner stellte der Energiewende in Regensburg ein schlechtes Zeugnis aus. „Wir sind nach wie vor bei diesen grottenschlechten fossilen Zahlen“, sagte er. Deutschland müsse am Ziel festhalten, bis 2045 klimaneutral zu sein, dies lasse sich aber wohl nicht erreichen. Ludwig Friedl, Chef der Energieagentur, hatte eingangs die Regensburger Zahlen vorgetragen. Selbst wenn er die Anlagen der Rewag außerhalb der Stadt anrechne, würden nur 17 Prozent des Energieverbrauchs grün erzeugt.
Die Wärme für Heizung und warmes Wasser komme zu 78 Prozent aus dem Gasnetz, zu neun Prozent aus Öltanks. Die Kosten für die Energiewende-Infrastruktur bezifferte Friedl auf eine Milliarde Euro, die binnen mehrerer Jahre zu investieren seien. Das höre sich viel an, allerdings würden derzeit in Regensburg 160 Millionen Euro pro Jahr für fossile Importe ausgegeben.
Zudem gelte: „Wer diesen Prozess nicht mitgeht, wird abgehängt.“ Regensburgs erfolgreiche Wirtschaft brauche eine starke Energieversorgung. Es gebe hier eine „tolle Struktur“ für die Energiewende, von den Klimazielen der Stadt bis zur Energieagentur. Es brauche Investoren, aber gut tun werde der Stadt auch das Geld aus dem 100 Milliarden Euro schweren Sondervermögen für Energie und Klima.
Ein Teil davon sei für die kommunale Wärmeplanung vorgesehen, ergänzte Sterner. Die Rewag ließ Sterner gut wegkommen. Diese sei jahrelang von der Stadt als „Cashcow“ gemolken worden, aber inzwischen besser finanziell ausgestattet – ein Erfolg, den sich auch die Bürgerinitiative auf die Fahnen schreibt. „Bei den Netzen ist die Rewag gar nicht so schlecht aufgestellt. Es ist noch richtig Luft im Netz, wenn man das Ganze flexibilisiert.“
Dass Photovoltaikanlagen abgeschaltet werden müssten, sei eher ein Problem auf dem Land, wo die Nachfrage kleiner sei. „Es ist noch so viel Potenzial da für die Stromerzeugung in dieser Stadt. Die Dächer könnte man vollmachen.“ Gerade auf öffentlichen Bauten seien viel zu wenig PV-Module. Die Wärmewende dagegen sei „nicht so einfach“, auch wenn sie technisch bis 2035 machbar sei; die Stadt hat sich das eigentlich vorgenommen.
Klärwerk als „große, regenerative Wärmequelle“
Greb entgegnete: „Ich halte es für komplett unrealistisch, 2035 vom Gas weg zu sein.“ Rewag-Ziel sei, bis dahin 35 Prozent der Haushalte an ein Wärmenetz anzuschließen. Das Klärwerk stehe als „große, regenerative Wärmequelle“ zur Verfügung. Die Wärmewende sei aber „sehr teuer“, sagte Greb. „Das müsste man über den CO2-Preis steuern, dass sich die Wärme dann rechnet, das muss sozialverträglich gemacht werden.“ Einfacher sei die Stromwende. Die Rewag sei hier mit einem hohen Anteil an regionalem Ökostrom gut aufgestellt und werde in die Erzeugung nicht vorrangig investieren, das könnten andere besser und wollten das auch. „Wir sehen unsere Aufgaben im Stromnetz und in der Wärme.“
Was die Finanzierung angeht, betonte Greb, wie wichtig es sei, dass die Rewag einen Teil ihrer Gewinne behalten dürfe. Mittlerweile seien das acht bis zehn Millionen Euro pro Jahr. „Wir brauchen eine Stärkung des Eigenkapitals, um diese großen Investitionen zu finanzieren.“ Zur Beteiligung der Bürger setze die Rewag eher auf Kooperationen mit den regionalen Genossenschaften als auf Bürgeranteile, bei denen der Aufwand zu hoch sei im Vergleich zu Bankkrediten.

